Mitarbeiter befürchten Verfestigung der Management-Strukturen
Reorganisation der EZB sorgt für Unmut

In der Europäischen Zentralbank (EZB) hängt der Haussegen schief. Der Stein des Anstoßes: der unter dem Motto „ECB in Motion“ mit viel Elan eingeleitete Prozess der Selbstbeurteilung und Neuausrichtung der internen Strukturen. Während weite Teile des höheren Managements den Eindruck vermitteln, dass alles bestens läuft, breitet sich bei vielen anderen Mitarbeitern Enttäuschung aus.

FRANKFURT/M. „Wir haben eine Lawine losgetreten und die Erwartung geweckt, dass wir es besser können“, sagt ein Manager dem Handelsblatt. „Jetzt stellt sich heraus, dass wir die gleichen Probleme haben wie jede andere Organisation.“

Hauptgrund für die aktuelle Missstimmung: Mehrere Prozesse überlagern sich und senden widersprüchliche Signale aus. Von dem von Verwaltungschef Gerald Grisse formulierten Ziel, ein Top-modernes Modell der Unternehmensführung umzusetzen, bei dem die internen Strukturen so transparent sind wie die Entscheidungsfindung in der Geldpolitik, scheint die EZB noch weit entfernt.

Zwar hat das Direktorium im Oktober die meisten der Vorschläge verabschiedet, die vier im Juni eingesetzte Arbeitsgruppen erarbeitet hatten. Sie sollten Antworten auf die Mängel finden, die McKinsey und zwei skandinavische Unternehmensberater bei einer Mitarbeiterbefragung offen gelegt hatten – allem voran Führungsschwäche des Managements und mangelnde Karrieremöglichkeiten.

Die Arbeitsgruppen setzten sich aber aus Mitarbeitern unterschiedlicher Bereiche und Hierarchieebenen zusammen. Ihre Vorschläge sind konzeptionell und müssen jetzt erst von Experten ausgearbeitet werden. Das dauert. Eine sechsköpfiges Team, geführt von Olaf Sleijpen, Berater des früheren EZB-Chefs Wim Duisenberg, hat dafür bis Juli 2004 Zeit. Nur einige Maßnahmen, so genannte „Quick Wins“, wie Vortragsveranstaltungen mit dem als zu weit entfernt beklagten Direktorium wurden sofort in Angriff genommen. „Ich glaube, die meisten Mitarbeiter hatten ein bisschen mehr erwartet – nicht nur vom Direktorium, auch von den Arbeitsgruppen“, räumt Sleijpen ein. „Sie hatten gedacht, es gibt Vorschläge, die man sofort implementieren kann.“ Die Richtung stimme aber.

Ehe für die Mitarbeiter noch größere Erfolge sichtbar sind, soll jetzt auf die Schnelle eine ganze Reihe neuer Manager ernannt werden. Bekannt ist, dass die EZB in der Vergangenheit Experten ins Management befördert hat, die zwar über hohes Fachwissen, nicht aber in jedem Fall über Führungsqualitäten verfügen. Sleij- pens Gruppe hat den Auftrag, für Management-Positionen ein Anforderungsprofil und Bewertungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Auch eine so genannte „Exit Policy“ soll entwickelt werden: Von Fehlbesetzungen, die weder gute Manager noch gute Experten sind, will sich die EZB künftig trennen können.

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