Modell für mehr Wachstum
Sonderwirtschaftszonen sollen Euro-Krisenländer retten

Griechenland ist quasi pleite und auch andere Südländer liegen wirtschaftlich am Boden. Händeringend gesucht wird ein Wachstumsbringer. Welche Möglichkeit die internationalen Geldgeber haben, skizziert das DIW.
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BerlinUm die Talfahrt in Krisenländern wie Spanien, Italien, Portugal und Griechenland zu stoppen, schlägt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen vor. „Zwar hat der Beschluss der Europäischen Zentralbank, am Kapitalmarkt bei Bedarf die Wertpapiere von Defizitländern notfalls aufzukaufen, für eine gewisse Entspannung gesorgt. Allerdings ist die Konsolidierungspolitik noch durch weitere Maßnahmen zu flankieren, um ihren Erfolg zu sichern“, sagte der Leiter der Abteilung Makroökonomie am DIW, Christian Dreger, Handelsblatt Online. „Dazu gehören wachstumsstimulierende Programme in den Südländern, beispielsweise die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen.“ Auch die anstehende Umstrukturierung des EU-Haushalts könne unterstützend wirken, fügte Dreger hinzu. „Dabei ist jedoch eine kritischere Evaluierung wachstumsfördernder Programmen erforderlich.“

Dreger sieht die Politik in der Pflicht, rasch zu handeln, da die Schuldenkrise im Euroraum „noch längst nicht überwunden“ sei. „Insbesondere die Südländer stecken in einer tiefen Rezession, die durch ihre Konsolidierungsanstrengungen kurzfristig verschärft wird“, sagte der DIW-Ökonom.

Hintergrund sind Daten des Statistikamts Eurostat, die am Donnerstag veröffentlicht worden waren. Demnach konnte auch ein leichtes Wachstum der beiden Schwergewichte Deutschland und Frankreich nicht verhindern, dass die Wirtschaft der 17 Mitgliedsstaaten im Sommer erneut schrumpfte. Das Bruttoinlandsprodukt sank zwischen Juli und September um 0,1 Prozent zum Vorquartal. Bereits im Frühjahr war die Wirtschaft um 0,2 Prozent geschrumpft. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Fachleute von einer Rezession. Während Deutschland und Frankreich als größte Volkswirtschaften des Währungsraums noch zulegen konnten, ging die Talfahrt in den Krisenländern weiter.

Die Politik hatte vor kurzem bereits mit dem vom DIW skizzierten Rettungsmodell geliebäugelt - allerdings vornehmlich um Griechenland zu helfen. So plädierte Martin Schulz (SPD), Präsident des Europäischen Parlaments, dafür, das Mittelmeerland mit Investitionsprogrammen und gleichzeitiger EU-Kontrolle vor dem Absturz zu bewahren. Kürzungen allein würden kein Wachstum bringen, sagte Schulz dem "Spiegel", "deshalb bin ich für eine Sonderwirtschaftszone in Griechenland".

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Sonderwirtschaftszonen sollen Euro-Krisenländer retten

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Düsterer Ausblick für die Euro-Zone

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Euro-Zone steht schlechter da als die USA

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  • „Dazu gehören wachstumsstimulierende Programme in den Südländern, beispielsweise die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen.“ (Dreger, DIW)
    "deshalb bin ich für eine Sonderwirtschaftszone in Griechenland" (Schulz, EU)
    Das ist doch mal was. Lasst uns doch gleich auch die Steuerbefreiung für Griechen und andere Südländer offiziell einführen – dann brauchen wir uns gar nicht mehr darüber aufzuregen, dass WIR das Geld bezahlen, was eigentlich die griechischen Reichen hätten bezahlen sollen und können endlich ungestört von grundgesetzwütigen Verfassungsgerichts-Lahmlegern und unbehelligt von Verkehrshindernissen wie z.B. Demonstrationen o.ä. weiter brav unser Geld in andere Länder schicken.
    Faktisch bedeutet so ein Vorhaben, dass man sämtlichen griechischen Provinzen – eben bis auf eine, die Sonderzone – erst einmal den „Sonderwirtschaftsstatus“ aberkennen muss, ganz offiziell. Denn bisher ist ja das ganze Land eine Art Sonderwirtschaftszone…. Und? Hat es etwas gebracht?
    Schulz ist ein armer Traumtänzer. Gemeinsam Geldflüsse kontrollieren! Ha! DAS machen die Griechen selbst. OHNE andere. Und jede Übernahme von irgendwelchen Funktionen in Staat oder Wirtschaft wird als feindliche Übernahme gewertet. Die Gewerkschaften werden dafür sorgen, dass es NICHT klappt. Deren Bosse haben viel zu verlieren – Einnahmen z.B., über die sich unser Bundespräsident freuen würde. Sie werden ALLES verhindern. Warum auch nicht. Das Geld kommt ja auch so.

  • Zitat: "... die sind keine feindliche Besatzungsmacht, sondern Hilfsinstrument."

    Wenn diese Vorstellung in der griechischen Bevölkerung Akzeptanz finden soll, bedarf es größter Sensibiltät. Aussichtsreich wäre das Steigern der Investitionsanreize für ausländische Unternehmen durch besondere Standortvorteile. Da der Vorteil des Einen zugleich der Nachteil eines Anderen ist, muss mit Aversionen gerechnet werden. Warnen sollten uns die Negativfolgen einer besatzungsartigen Besetzung von Schlüsselfunktionen außerhalb der Wirtschaft. So muss man heute kritisch hinterfragen, warum der Rechtsradikalismus in Ostdeutschland trotz flächendeckender Besetzung des statlichen Überbaus (u.a. nahezu 100% der Richter, Staatsanwälte sowie des gehobenen öffentlichen Dienstes) zustande gekommen? Fühlen sich die beglückten Ostdeutschen durch die Fremdverwaltung etwa als Minderwertige in der eigenen Heimat oder fehlt nicht den Bodenständigen hinreichendes Verständnis und Engagement? Vorbild für eine gesunde Gesellschaft bietet der Freistaat Bayern. Um das "Wir-Gefühl" sind die Bayern zu beneiden. Es ist die entscheidende Grundlage für deren Erfolg in Wirtschaft, Bildung, Rechtssicherheit uva. China hat beim Einrichten seiner Sonderwirtschaftszonen exemplarisch gezeigt, dass vorteilhafte Rahmenbedingungen allein völlig ausreichend sind; so bedurfte es keiner Japaner, Südkoreaner ..., obwohl die Kulturrevolution die eigenen Eliten faktisch ausgelöscht hatte. Ein Run auf Griechenland wird es seitens vmtl. wieder vorzugsweise seitens jener Personen geben, die hier chancenlos sind. Drittklassigkeit taugt auch gerade in Problemstaaten nicht (vgl. SachsenLB). Die Entsendung unserer Besten aus der Wirtschaft würde tiefe Lücken reißen und ist deshalb unrealistisch. Also muss Griechenland durch eigene Reformen zu einem Investoreneldorado und Unternehmerparadies werden - oder außerhalb des Euro abwerten.

  • Anstatt sich die Politik und die Presse in "Nachbarschaftsklatsch" ergeht, sollte man endlich mal mit diesen bescheuerten Diskussionen aufhören. Länder, die verschuldet sind, und das sind alle, sind nicht per se pleite, sondern sie haben gerade kein Geld. Genauso wie es mir streckenweise als Unternehmer auch geht, und gegangen ist. Ebbe ist Ebbe, und um dieses wieder zur Flut werden zu lassen, gibt es kein anderes Mittel als Arbeit und Ideen. Das wird immer so bleiben, egal in welchem System.
    Weder Italien, Spanien, Irland oder Portugal sind pleite, sie haben Bürger, Länder und Ressourcen. Laßt sie arbeiten, und das geht nur mit einer vernünftigen Geldverteilung. 20% Arbeitslosigkeit, ja und? Deutschland hat fast 7 Millionen überschuldete Bürger, die können ihr Leben lang arbeiten, kommen aber nie wieder auf einen grünen Zweig, dazu Minijobber und Niedriglöhner. Aber sie sind "beschäftigt".
    Kredite sind eben nicht alles, aber der Psychokrieg um die Staatskohle offensichtlich.
    Auch Waterloo wurde nicht wegen der Soldaten verloren, sondern wegen der Finanzspekulationen. Das Problem ist also so alt wie es Könige, Feudalherren und Staatsanleihen gibt - und Geld für KEINE Arbeit.
    Die Geldindustrie hat Mist gebaut, sie hat gut 10x soviele Schulden wie die Staaten und Bürger zusammen.
    Räumt hier auf, damit sich Arbeit und Begeisterung für Ideen auch wieder lohnen, und nicht Millardäre sich am staatlichen Nachbarschaftsklatsch ergötzen, und damit noch mehr Scheine reinholen.

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