Monatsbericht
Bundesbank sieht Konjunktur auf Erholungskurs

Die deutsche Konjunktur befindet sich laut Bundesbank weiter auf Erholungskurs, hat ab Herbst aber wohl an Schwung verloren. Sorgenkind der deutschen Wirtschaft bleibt der schwache private Konsum. Niedrige Tarifabschlüsse und weiter verkürzte Arbeitszeiten werden nach Überzeugung der Deutschen Bundesbank den Arbeitsmarkt 2010 prägen.
  • 2

HB FRANKFURT. "Der Erholungsprozess der deutschen Wirtschaft hat im dritten Quartal spürbare Fortschritte gemacht", heißt es im jüngsten Monatsbericht der Bundesbank vom Montag. Allerdings dürfte der Aufschwung zu Herbstbeginn etwas an Tempo verloren haben. Verwiesen wird vor allem auf schwache Produktions- und Auftragsdaten aus der deutschen Industrie im Oktober. Derartige Rückschläge seien aber in Frühphasen einer konjunkturellen Erholung nicht untypisch.

Zurzeit profitiere die deutsche Konjunktur in erster Linie vom anziehenden Exportgeschäft, wohingegen der private Konsum dämpfend wirke. Ausschlaggebend für die schwache Nachfrage seien in erster Linie die ausgelaufene Abwrackprämie und die verhaltenen Einkommensperspektiven der Haushalte, obwohl sich der Arbeitsmarkt immer noch erstaunlich robust zeige. Auch künftig dürfte sich der Stellenabbau in nur moderatem Tempo fortsetzen, was gegen eine abrupte Verschlechterung der Arbeitsmarktlage spreche.

Auch mittel- bis langfristig gibt sich die Bundesbank verhalten optimistisch. "Die konjunkturellen Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich in den letzten Monaten spürbar aufgehellt." In den kommenden beiden Jahren dürfte die konjunkturelle Erholung dank geld- und fiskalpolitischer Impulse andauern. Mit dem stetigen Auslaufen staatlicher Stützungsmaßnahmen dürften auch marktwirtschaftliche Kräfte wieder an Bedeutung gewinnen. Die Bundesbank bekräftigte ihre Wachstumsprognosen von minus 4,9 Prozent 2009, plus 1,6 Prozent 2010 und plus 1,2 Prozent 2011.

Trotz des erwarteten Aufschwungs werden in den kommenden beiden Jahren vermehrt Arbeitsplätze verloren gehen, schreibt die Zentralbank weiter. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen werde voraussichtlich von derzeit 3,4 Millionen über 3,8 Millionen im nächsten Jahr auf 4,2 Millionen im Jahr 2011 steigen. Dann wäre jeder Zehnte arbeitslos.

Mittelfristiger Wachstumspfad hat Schaden genommen

Der mittelfristige Wachstumspfad in Deutschland hat nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank durch die Finanz- und Wirtschaftskrise Schaden genommen. Gegenüber den jährlichen Potenzialraten der vorangegangenen Aufschwungphase sei ein Abschlag von gut einem halben Prozentpunkt im jährlichen Potenzialwachstum zu erwarten, heißt es im am Montag veröffentlichten Monatsbericht. Das Potenzialwachstum veranschlagen die Experten auf rund 0,75 Prozent pro Jahr einschließlich 2009. Der deutschen Volkswirtschaft könnte durch die Krise bis 2011 so ein direkter "Potenzialschaden" von mindestens zwei Prozent entstehen. Diese Schätzung sei aber "mit einem hohen Maß an Unsicherheit" verbunden. Eher unwahrscheinlich erscheine aus heutiger Sicht, dass die Niveaukorrektur bis zum Ende des Prognosehorizonts weitgehend abgeschlossen sei.

Art und Stärke des Schocks im Winterhalbjahr 2008/2009 sprächen dafür, dass es sich nicht allein um ein zyklisches Phänomen handele, sondern dass auch der mittelfristige Wachstumspfad Schaden genommen habe. Weitgehend unstrittig sei, dass die weltwirtschaftliche Rezession auch vor dem Hintergrund globaler Ungleichgewichte zu sehen sei, die seit Herbst 2008 einer beschleunigten Korrektur unterlägen. In diesem Zusammenhang würden Geschäftsmodelle auf ihre Zukunftsfähigkeit und Produktionskapazitäten auf ihre ökonomische Werthaltigkeit geprüft. Dabei dauerten die marktwirtschaftlichen Such- und Auswahlprozesse noch an. Neue Strukturen seien mitunter erst in Ansätzen erkennbar. Außerdem könnten temporäre Überzeichnungen nicht ausgeschlossen werden, schreibt die Bundesbank.

Kommentare zu " Monatsbericht: Bundesbank sieht Konjunktur auf Erholungskurs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • blablabla .... vorsätzliche Volksverdummung und lautes Pfeifen im Wald ...

  • Lt. Statistischem bundesamt betrug das biP 2008 ca. 2489 Mrd. Euro. Für 2010 plant der bund die Neuverschuldung mit 48,3 Mrd. Euro. Falls die Neuverschuldung vollständig zum biP beiträgt, resultiert daraus ein Wachstumsbeitrag von 1,94 Prozent. Prognosen innerhalb dieses Wachstumskorridors sind laienhaft unspektakulär. Die bundesbank prognostiziert sogar nur 1,6 Prozent. Kurz vor Eintritt in das Jahr 2010 ist der allgemeine Hinweis auf die Wachstumsquellen binnenwirtschaft und Export zu undifferenziert. An anderer Stelle prognostiziert bA-Präsident Weise für 2010 mehr Arbeitslose. Daraus resultiert ein Leistungsausfall, der in die Prognose bereits eingebucht sein dürfte. Dagegen bleibt aber der aus steigender Arbeitslosigkeit resultierende Zuwachs der Schattenwirtschaft unbeachtet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%