Monatsbericht: Bundesbank stellt sich gegen Lohnerhöhungen

Monatsbericht
Bundesbank stellt sich gegen Lohnerhöhungen

Mitten in der laufenden Tarifrunde warnt die Bundesbank vor überzogenen Lohnerhöhungen. Stiegen die Gehälter stärker als es die Produktivität zulasse, würden Firmen Jobs abbauen und umgehend weniger investieren
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FrankfurtDie Stellungnahme der Bundesbank ist deutlich: Stark anziehende Löhne würden die Nachfrage der Verbraucher nur vorübergehend ankurbeln, erklärten die Bundesbank-Experten in ihrem aktuellen Monatsbericht: "Den Lohnsteigerungen der Arbeitnehmer stehen Einkommenseinbußen jener gegenüber, die ihre Arbeitsplätze verloren haben." Langfristig würden die real verfügbaren Einkommen und der private Konsum "sogar merklich unter der Last des Beschäftigungsabbaus" sinken. Letztlich würde dies die Binnennachfrage und die gesamte Wirtschaftskraft bremsen.

Anfang des Jahres hatte sich der Wirtschaftsweise Peter Bofinger für pauschale Lohnerhöhungen um fünf Prozent über alle Branchen hinweg ausgesprochen. Deutschland könne damit zur Stabilisierung der Euro-Zone beitragen und die Wettbewerbsposition der Krisenländer stärken, argumentiert der Würzburger Professor. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte dem bereits umgehend widersprochen: "Es gäbe ein Strohfeuer bei Einkommen und Konsum, aber die Unternehmen würden auch weniger investieren und zudem Beschäftigte entlassen."

Die Bundesbank kommt in ihrer Modellrechnung ferner zum Ergebnis, dass positive Effekte auf die Euro-Partnerländer ausblieben. "Zu beachten ist, dass selbst ein spürbarer Anstieg des deutschen Einfuhrvolumens keine entsprechend große Verbesserung der außenwirtschaftlichen Positionen der Peripherieländer zur Folge hätte." Vielmehr seien negative Folgen zu erwarten. Denn wegen des Kosten- und Preisauftriebs in Deutschland müsste wohl die Europäische Zentralbank die geldpolitischen Zügel wieder leicht anziehen. Kurz- und langfristige Zinsen würden in der Euro-Zone steigen und die Konjunkturentwicklung in einzelnen Ländern bremsen. "Zudem wird der Schock über eine Aufwertung des Euro auf den Rest der Welt übertragen", heißt es. Notenbanken in Drittstaaten könnten dann die Zinsen anheben, "wodurch auch dort die gesamtwirtschaftliche Erzeugung in Mitleidenschaft gezogen wird".

Deutschland hat nach Einschätzung der Bundesbank mit maßvoller Lohnpolitik in den vergangenen Jahren gute Erfahrung gemacht. Deshalb sei dies ein wichtiger Baustein im Anpassungsprozess der Euro-Krisenländer. Denn es gehe nicht so sehr darum, preisliche Wettbewerbsvorteile auf internationalen Märkten zu erringen - sondern vielmehr darum, "die Beschäftigungsschwelle des gesamtwirtschaftlichen Wachstums zu senken und der grassierenden Arbeitslosigkeit Herr zu werden".

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Monatsbericht: Bundesbank stellt sich gegen Lohnerhöhungen"

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  • Danke für die Ausführungen!

    vg

  • @MarkusZZ
    Das kann ich Ihnen erklären!
    Wir haben seit über einer Dekade KEINEN Lohnzuwachs, d.h. der Produktivitätszuwachs wurde nicht an die Beschäftigten weiter gegeben.
    Die Folgen:
    - eine einseitig auf den Export ausgerichtete Wirtschaftspolitik, die über Lohndumping die Exportindustrie subventioniert (Aufstocker, Leiharbeit, prekäre Beschäftigung). Außerdem führt das, entgegen der Vereinbarung in der Eurozone zum Inflationsziel von 2%, dazu, dass wir unsere Nachbarn nieder konkurrieren.
    Das ist "Beggar thy neighbor" - Politik. Das Allerletzte.
    - unser Binnenmarkt stagniert deshalb, weil die Masseneinkommen kaum gestiegen sind.
    - Die Unternehmen, die für den Binnenmarkt produzieren, haben eine geringe Auslastung ihrer Kapazitäten, weil die Nachfrage, sprich Kaufkraft, geringer ist als sie sein könnte bzw. sein müsste.
    Aus diesem Grund macht es für die Unternehmen keinen Sinn zu investieren. Alles weitere können Sie sich wohl selbst zusammen reimen ...
    Die Propaganda der Mainstream-Ökonomie ist bereits empirisch widerlegt. Das scheint aber die Medien nicht davon abzuhalten, diesen Unsinn immer wieder zu schreiben!
    Ich hoffe ich habe damit einige Ihrer Fragen beantwortet.
    LG Traumschau

  • die bundesbank hat völlig recht, wenn sie vor zu großen lohnsteierungen warnt...´die inflation wird geschürt und arbeitsplätze langfristig abgebaut. auch wenns keiner gerne hört. ich verstehe nicht, dass die leser des handelsblatts/des forums sich darüber nicht im klaren sind, sondern gegenteilige positionen beziehen.
    vg

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