Monatsbericht
EZB bleibt wachsam

Die Europäische Zentralbank (EZB) zeigt sich im Monatsbericht für September zunehmend besorgt über die Inflationsgefahren, die vor allem von den hohen Ölpreisen ausgehen können. Das Ziel von Preisstabilität in der Euro-Zone mit Inflationsraten unter zwei Prozent ist nach Einschätzung der Währungshüter allerdings noch in Reichweite.

HB FRANKFURT. Der starke Anstieg der Energiepreise ist aus Sicht der Notenbank eher ein Risiko für die Preisstabilität als für die Konjunkturerholung in der Euro-Zone. Die Inflation könne höher ausfallen als in den EZB-Prognosen für dieses und nächstes Jahr vorausgesagt. „Anlass zur Sorge gibt insbesondere die Ölpreisentwicklung, die sich weiterhin erkennbar auf die Teuerung auswirken könnte“, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht, dessen Vorwort die jüngste Erklärung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wiedergibt. Bekräftigt wird auch die optimistische Konjunkturerwartung der EZB.

Die EZB hatte den Leitzins vergangene Woche den 15. Monat in Folge unverändert bei 2,00 % gelassen. EZB-Chef Trichet hatte in etwas strengerem Ton über mögliche Gefahrenquellen für die Preisstabilität gewarnt. Die meisten Volkswirte rechnen aber erst für kommendes Jahr mit einer ersten Zinserhöhung.

Angesichts der gestiegenen Inflationserwartungen sei „besondere Wachsamkeit“ geboten, bringt die EZB erneut ihre gestiegene Alarmbereitschaft zum Ausdruck. Auch die überreichliche Geldversorgung der Wirtschaft bekräftige die Notwendigkeit, „sehr wachsam“ zu sein. Trotz der Warnung der EZB-Volkswirte vor einer „Reihe von Aufwärtsrisiken, die sorgfältig beobachtet werden müssen“, ist der Zeitpunkt für eine Zinserhöhung aber offenbar noch nicht gekommen. Denn noch hält die Notenbank die mittelfristigen Aussichten für vereinbar mit Preisstabilität. „Betrachtet man die nähere Zukunft, so sind gegenwärtig jedoch keine Anzeichen dafür zu erkennen, dass sich der Preisdruck in der Binnenwirtschaft verstärken könnte.“ So wird ein Rückgang der Teuerungsraten unter zwei Prozent 2005 erwartet, nachdem der Preisanstieg wegen des hohen Ölpreises in diesem Jahr nicht mehr unter die Zwei-Prozent-Grenze zurückgehen soll.

Die Konjunkturerholung wird nach Einschätzung der EZB gleichzeitig anhalten und sich in den kommenden Quartalen zu einem kräftigeren Aufschwung verstärken. Die hohen Ölpreise wertet die Zentralbank zwar als Gefahrenquelle für die Konjunktur, doch führt sie auch mehrere Faktoren an, die das Risiko verringern. So sei die Öl-Abhängigkeit der Wirtschaft nicht mehr so groß wie zu Zeiten der Ölkrisen in den 70er und 80er Jahren. Der vergleichsweise hohe Wechselkurs dämpfe den in Dollar gerechneten Preisanstieg. Dieser ergebe sich zudem nicht nur aus dem knappen Angebot, sondern auch aus der mit der weltweiten Konjunkturerholung einhergehenden kräftigen Nachfrage. Die Wirtschaft wird also nicht in einer Schwächephase von hohen Energiekosten getroffen.

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