Monatsbericht
EZB sieht schwaches Wachstum in Euro-Zone

Panik an den Börsen, leere Staatskassen, schwache US-Wirtschaft - die Vorzeichen für die Konjunktur im Euroraum sind schlecht. Dennoch ist die EZB überzeugt: Die Wirtschaft im Euroraum bleibt trotz Schwächen auf Kurs.
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Frankfurt Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Wirtschaft im Euroraum in schwierigem Fahrwasser. Die Unsicherheiten für den Ausblick seien derzeit „besonders hoch“. Nach den jüngsten Daten habe sich das Wirtschaftswachstum nach dem fulminanten Start ins Jahr bereits wieder abgeschwächt, schreibt die EZB in ihrem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht. Trotz der schweren Turbulenzen an den Finanzmärkten, der Zuspitzung der Staatsschuldenkrise und der flauen Konjunktur in den USA werde die Wirtschaft im Euroraum aber auch in den kommenden Monaten weiter wachsen, allerdings langsamer als zuletzt.

Aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) ist der jüngste Absturz den Börsen ohnehin übertrieben. Dramatische Auswirkungen auf die Realwirtschaft seien deshalb unwahrscheinlich, sagte
DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben im Deutschlandradio Kultur.

Einen breit angelegten Inflationsdruck sehen die Währungshüter derzeit nicht. Im Juli betrug die Inflationsrate im Euroraum 2,5 Prozent nach 2,7 Prozent zuvor. Damit lag sie immer noch deutlich über dem Wert von knapp unter zwei Prozent, bei dem die EZB die Preisstabilität gewahrt sieht. Nach den Prognosen der Notenbank dürfte die Teuerung getrieben von hohen Preisen für Energie und Rohstoffe auch in den kommenden Monaten „deutlich über 2 Prozent liegen“.

Nach der rasanten Talfahrt an den Börsen in aller Welt trat der DIHK am Donnerstag der Angst vor verheerenden Folgen für die Realwirtschaft entgegen. Wansleben sagte dem Sender, er sehe keinerlei Anzeichen für einen unmittelbaren Einfluss der Turbulenzen auf das Weltkonjunkturgeschehen. Gerade die deutschen Unternehmen seien „wirklich weltweit spitzenmäßig aufgestellt“. Gleichwohl sei bekannt, dass „ein Wachstum, wie wir es in Deutschland haben - von 3,5 Prozent - jetzt nicht zu dem gehört, was man in Zukunft als normal bezeichnen darf“.

Auch Europäische Ökonomen erwarten, dass sich das Wachstum der Wirtschaftsleistung (BIP) in der Eurozone abschwächen wird. Bei einer Umfrage der Notenbank hoben die Experten ihre BIP-Prognose für 2011 zwar leicht von 1,7 auf 1,9 Prozent an - dies allerdings nur wegen des unerwartet kräftigen Wachstums zu Jahresbeginn. Für 2012 senkten sie ihre Prognose hingegen. Sie erwarten nun, dass das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum um 1,6 Prozent statt um 1,7 Prozent zulegen wird - nicht zuletzt, weil die klammen Staaten den Gürtel enger schnallen, also Subventionen streichen oder Steuern erhöhen müssen. Auch der Preisauftrieb bei den Rohstoffen wirke weiter bremsend.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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