Monatsbericht
Steuerquellen sprudeln trotz Konjunkturschwäche

Trotz des Konjunktureinbruchs im zweiten Quartal verzeichnen Bund und Länder weiter steigende Steuereinnahmen. Im Juli nahmen sie 45,4 Milliarden Euro und damit 3,3 Prozent mehr ein als vor einem Jahr.
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BerlinErstmals seit 1969 wollen Union und SPD im kommenden Jahr einen Bundeshaushalt ohne neue Schulden vorlegen. Grüne und Linke kritisieren, die schwarz-rote die Koalition rechne sich die Einnahmen schön und verlasse sich zu sehr auf die Konjunktur. Der Einbruch des Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal um 0,2 Prozent zum Vorquartal hatte zuletzt Fragen aufgeworfen, ob das Wirtschaftswachstum an Schwung verliert. Eine Konjunkturschwäche - und vor allem eine Trendwende am Arbeitsmarkt - würden sich zeitverzögert auch in den Steuereinnahmen widerspiegeln.

Dem Ministerium zufolge nahm der Bund im Juli 4,3 Prozent mehr Steuern ein als ein Jahr zuvor. Seit Januar kommt er damit auf ein Gesamtplus von 1,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Für 2014 hatte ihm die Steuerschätzung ein Plus von 3,2 Prozent vorhergesagt. Weil die Einnahmen stark schwanken können, warnen Experten davor, einzelne Monate überzubewerten. In Kreisen der Steuerschätzer hieß es, die Mai-Prognose sei noch nicht überholt. Die Länder kamen im Juli auf ein Plus von 4,2 Prozent und damit seit Januar auf plus 3,5 Prozent. Für das Gesamtjahr hatte der Arbeitskreis, dem Experten von Bund und Ländern, der Bundesbank und Ökonomen angehören, 3,3 Prozent vorhergesagt.

Getragen werden die Einnahmen weiter von der üppig fließenden Lohnsteuer, die Bund und Ländern im Juli 7,3 Prozent mehr Geld einbrachte. Die hohe Beschäftigung findet ihren Niederschlag im wachsenden privaten Konsum, der wiederum die Umsatzsteuern antreibt. Im Juli stiegen diese um 3,9 Prozent. Auf die ersten sieben Monate des Jahres gerechnet liegen die beiden wichtigsten staatlichen Einnahmequellen damit mit 6,2 Prozent beziehungsweise 3,6 Prozent erwartungsgemäß im Plus.

Die Beamten des Finanzministeriums interpretierten den BIP-Rückgang im zweiten Quartal als Reaktion auf witterungsbedingte Überzeichnungen im ersten Quartal, das noch ein BIP-Plus von 0,7 Prozent gebracht hatte. Sie gaben aber auch zu bedenken: „Der nun sichtbare BIP-Rückgang geht (...) über diesen Gegeneffekt hinaus.“ Vermutlich zeigten sich „konjunkturelle Bremsspuren“ im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise. Für den Fall, dass sich die Krise nicht weiter verschärfe und keine weiteren gravierenden Sanktionsstufen gegen Russland folgten, sei aber zu erwarten, dass die gegenwärtige Schwäche nur vorübergehend sei. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt werteten die Beamten weiter als entspannt.

In der Koalition hieß es, die Konjunkturentwicklung werde aufmerksam verfolgt, Sorgen bestünden aber noch nicht. Erst am Mittwoch hatte Wirtschafts-Staatssekretär Rainer Sontowski Reuters gesagt, die Regierung halte weiter an ihrer BIP-Prognose für 2014 fest. Sie erwartet in diesem Jahr ein BIP-Wachstum von 1,8 Prozent. Zahlreiche Banken-Ökonomen hatten dagegen ihre Erwartungen zuletzt auf etwa 1,5 Prozent heruntergeschraubt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Monatsbericht: Steuerquellen sprudeln trotz Konjunkturschwäche"

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  • Aber nicht ein Politker denkt daran die Staatsschulden zu veringern. Aktuell sind es über 6,5 Billionen Euro mit 1450 Jahren Tilgungszeit und 49 verschuldetet Generationen. Man kann es nicht oft genug wiederholen denn die Politik lügt schamlos , wie auch die Arbeitslosenzahlen , die Schulden nach unten. Und NUR und ausnahmslos machen die Politiker und deren Helfer in Amtsstuben und Behörden diese Schulden. Aber keiner macht was ..... und alle wollen gewählt werden ! Ja ist das denn nicht schön ?

  • Das perfide und asoziale EEG sorgt schon alleine dafür, dass wir als deutsche Bürger immer mehr MWST zahlen müssen. Weitere Öko und sonstige unnütze Steuerabgaben kommen hinzu. Wenn es um die Fantasie von neuen Steuern und Abgaben geht, ist der Bund sehr erfolgreich dem deutschen Bürger immer mehr und höhere Steuern und Abgaben aufs Auge zu drücken. Es wird Zeit, dass dieser etablierte Parteienfilz im Deutschen Bundestag abgewählt wird!

  • Die Nachricht liest sich zuerst positiv.
    Aber im täglichen Leben fühlt man sich als Arbeitnehmer immer stärker belastet.
    Kaum wird in Zukunft 1€ mehr Einnahmen prognostiziert, wird er heute schon schnell an nicht arbeitende Wählerschaft verteilt.

    Erst Schulden zurück zahlen und dann können die eingesparten Zinsen verteilt werden. Zinsen sind die zweitgrößte Ausgabe im Bund. Die könnte man gut für Infrastruktur und Bildung gebrauchen. Denn Rohstoffe werde in Dtl. wohl nicht mehr wachsen.

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