Nach der Rezession
Industrie verbucht ein Auftragsplus

Die deutsche Industrie schreitet im Aufholprozess weiter voran: Im September legten die Auftragseingänge bereits den siebten Monat in Folge zu. Verstärkt wurde die Erholung vor allem durch einen Faktor.
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HB BERLIN. Die starke Nachfrage aus dem Ausland stützte die deutsche Industrie. Binnen Monatsfrist legten die Bestellungen um 0,9 Prozent zu, wie das Wirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Das war bereits das siebte Plus in Folge. Die Industrie hat damit etwa ein Drittel ihres Nachfrageeinbruchs wieder aufgeholt. Im gesamten Sommerquartal erhielt die Industrie 8,9 Prozent mehr Bestellungen. Zwar habe der Aufschwung zuletzt etwas an Fahrt verloren, erklärte das Ministerium weiter. Für das vierte Quartal sei dennoch mit einer weiteren Erholung der Industrieproduktion zu rechnen.

Analysten hatten für September mit einem Anstieg um 1,0 Prozent gerechnet, nachdem die Aufträge im August um revidiert 2,1 Prozent gestiegen waren. Grund für die weitere Belebung war die Auslandsnachfrage, die um 3,7 Prozent anstieg. Im Inland litt die Industrie dagegen unter dem Auslaufen der Abwrackprämie und sammelte 2,3 Prozent weniger Aufträge ein. Allein die Hersteller von Autos und Autoteilen erhielten zehn Prozent weniger Orders.

Gefragt waren vor allem Konsumgüter mit einem Auftragsplus von 7,5 Prozent. Trotz des Rückschlags für die Autohersteller erhielten die Investitionsgüterproduzenten 1,3 Prozent mehr Bestellungen. Deutlich nach oben ging es dabei für die Maschinenbauer, die 8,3 Prozent mehr Orders erhielten. „Die Schockstarre bei den Investitionen hat sich etwas gelöst“, sagte ein Ministeriumssprecher. Erstmals seit Februar sammelten dagegen die Produzenten von Vorleistungsgütern weniger Bestellungen ein.

Wie stark die Industrie aber immer noch unter der Krise leidet, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahr: Hier liegt das Minus immer noch bei 13,1 Prozent. Die deutsche Wirtschaft hat sich im Frühjahr aus der Rezession gelöst. Experten und Bundesbank erwarten für das dritte Quartal ein deutlich stärkeres Wachstum.

„Das Auslaufen der Abwrackprämie hat sich bei den Inlandsorders zwar negativ bemerkbar gemacht, doch insgesamt gilt: Die Erholung ist breit angelegt“, kommentierte Volkswirt Simon Junker von der Commerzbank die Konjunkturdaten. Der Aufschwung habe an Kraft gewonnen. „Daher sind wir auch optimistisch, dass es bei der Industrieproduktion eine ordentliche Entwicklung geben wird“, sagte Junker. Eine aktuelle Studie des Bankhauses kommt ebenfalls zu einem positiven Schluss: „Die Erholung gewinnt an Breite, und damit stellt der mittlerweile siebte Anstieg der Orders in Folge eine nachhaltige Belebung der Industrieproduktion in Aussicht.“ Volkswirt Jörg Lüschow von der WestLB meinte: „Die Besserung der Auftragslage hat sich fortgesetzt, wenngleich wir nach wie vor meilenweit von alten Niveaus entfernt sind und diese auch auf absehbare Zeit nicht erreichen werden.“ Er geht zudem davon aus, dass sich das Tempo der Nachfragebelebung verlangsamen wird. Die inländische Nachfrage nach Investitionsgütern sei schwach, was wegen der massiven Überkapazitäten nicht überraschend sei und einen dunklen Schatten auf den Arbeitsmarkt werfe. Bei der Auslandsnachfrage habe ein kräftiger Schub bei den Investitionsgütern eine Rolle gespielt. „Ein so deutliches Plus lässt auf Großaufträge schließen, die aus dem Euro-Raum gekommen sind“, sagt Lüschow.

Laut Postbank signalisieren die deutschen Industrieaufträge eine Fortsetzung der seit Jahresbeginn zu beobachtende Belebung. „Das sieht ganz gut aus“, sagte auch Jürgen Michels von der Citigroup. Die Auslandsnachfrage dürfte die Industrie auch am Jahresende stützen. Der Volkswirt erwartet deshalb eine recht dynamische Entwicklung. Die staatlichen Konjunkturprogramme stützten die Industrie. 2010 werde es auch wegen des starken Euro schwieriger sein, die Aufwärtsdynamik aufrecht zu erhalten. „Das Umfeld bleibt schwierig“, sagte Michels.

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