Nach EZB-Zinssenkung Billiges Geld schürt Inflationsängste

Weltweit reagieren Notenbanken auf den Krisen-Virus mit einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik. Doch die Märkte reagieren enttäuscht. Ökonomen und Politiker fürchten gar eine weitere Krisenverschärfung.
Update: 05.07.2012 - 19:49 Uhr 22 Kommentare
Vorzeichen für eine Verschärfung der Krise? Die EZB senkt den Leitzins - und der Euro verliert an Wert. Quelle: Reuters

Vorzeichen für eine Verschärfung der Krise? Die EZB senkt den Leitzins - und der Euro verliert an Wert.

(Foto: Reuters)

BerlinDie Hoffnung war groß, dass die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) wenigstens ein bisschen Entspannung bringen würde. Doch bei Marktteilnehmern fällt die weitere Lockerung der Geldpolitik durch. Selbst die fast zeitgleich beschlossenen Maßnahmen anderer Notenbanken verpufften. Die Bank of England setzt im Kampf gegen die Rezession und aus Angst vor einer Ansteckung durch die Schuldenkrise in Kontinentaleuropa abermals auf die Notenpresse und stockt ihr Anleihenkaufprogramm auf. Und China senkte am Donnerstag ebenfalls die Zinsen. Entsprechend ernüchternd fallen die Reaktionen bei Ökonomen und Politikern aus.

Der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, erklärte die negativen Anlegerreaktionen und das deutliche Absacken des Euro unter die Marke von 1,25 Dollar damit, dass die Senkung des EZB-Leitzinses unter die Marke von einem Prozent wohl keine messbaren Auswirkungen auf die Realwirtschaft in den Krisenländern haben werde. „Die Interbankzinsen sind ohnehin extrem niedrig und die sicheren Langfristzinsen ebenso“, sagte Carstensen.

Entscheidend für Südeuropa seien vielmehr die Risikoprämien, und die ließen sich durch Zinsentscheide aber kaum beeinflussen. Aus Carstensens Sicht ist die Zinssenkung daher am ehesten als zusätzlicher Schritt bei der Subventionierung von schwächelnden Banken zu verstehen.

Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer, wird die EZB wohl bald wieder den Markt mit billigem Geld fluten. „Wir glauben, dass die EZB die Anforderungen weiter lockern wird, wenn die Staatsschuldenkrise in den kommenden Monaten wieder eskaliert. Möglicherweise wird sie weitere Dreijahrestender ausschreiben“, sagte Krämer Handelsblatt Online.

Zugleich äußerte der Ökonom Kritik an der heutigen Leitzinssenkung. „Die heutige Zinssenkung kann durchaus schaden, weil sie die ohnehin vorhandenen Inflationsängste vieler Deutschen schürt“, sagte Krämer. „Viele investieren ihr Geld aus Furcht vor Inflation in Immobilien, in den großen Städten legen die Immobilienpreise zum ersten Mal seit langem stark zu.“

Commerzbank-Ökonom: "Es gibt nicht mehr viele Tabus"
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22 Kommentare zu "Nach EZB-Zinssenkung: Billiges Geld schürt Inflationsängste"

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  • Wenn ich das so alles lese, wird mir vor vielem ganz "mulmig" - ich meine damit nicht die aktuelle Krise, sondern den (ENTSCHULDIGUNG) teilweisen Schwachs..... der hier geschrieben wird. Am besten wir erschiesen uns alle aus Angst vor dem Tode. Alles wird bestimmt ganz furchtbar und die Welt geht ja ohnehin unter am 21. Dezember diesen Jahres.....

  • Was bewirken niedrigere Zinsen?

    Wenig, was die Konjunktur betrifft, weil Banken nicht mehr gern Firmenkredite vergeben und angesichts drohender Eigenkapitalvorschriften Zurueckhaltung bei der Kreditvergabe ueben.

    Fuer Staaten bedeuten niedrigere Zinsen eine Entlastung. Anleger auf der anderen seite treten bei niedrigen Zinsen angesichts drohender Inflation und steigender Kreditausfallrisiken (Stichwort Schuldenschnitt) in den Kaeuferstreik. Daher muss die Zentralbank ausfallende Kaeufer ersetzen indem sie selbst Staatsanleihen kauft oder sie muss dem Markt mit Liquiditaet fluten um Zinssteigerungstendenzen entgegen zu wirken. Beides koennen wir seit geraumer Zeit beobachten. Private Anleger werden zunehmend ihre liquiden Mittel in Sachwerte lenken wie Immobilien, Aktien und Rohstoffe. Sowohl steigende Rohstoffpreise wie auch steigende Liquiditaet heizen die Inflation an. Und genau das wird die EZB Politik bewirken, ob gewollt oder nicht.

    Und das man die Liquiditaet ja wieder einsammeln kann, wenn die Inflation steigt? Wer glaubts?

  • bekanntlich kriegt man nur eine Million Kredit wenn man zwei Millionen als Sicherheit stellen kann; soviel zur Logik des deutschen Bankwesens. Mir ist schleierhaft wie die Zentralbank darauf kommt das die Banken mit billigsten Krediten die Wirtschaft ankurbeln; vielleicht sogar noch zinsgünstig? Sind etwa Kreditsicherheiten gelockert worden? Kann ich als Kreditnehmer nunmehr etwa "spekulieren"?...wie früher z.B. die Dresdner Bank wo man mal eben 240 Mille in Argentinien versenkte...

    Wie schrieb es hier jemand: in der Gesamtheit werden sich die Schulden niemals auf Grund der Zinslast nennenswert verringern; und das: ist System.

  • Also zuerst würde ich Ihnen raten keinen Kredit aufzunehmen. Das weiter zu erklären würde zu lange dauern. Der Kredit wird nicht Inflationsbereinigt sondern der nominelle Betrag (einschließlich Zinsen) ist zurück zu zahlen so wie es im Vertrag steht.

    Nehmen Sie keinen Kredit auf. Lösen Sie das Problem besser anders.

    Gold ist das Geld der Könige, Schulden das Geld der Sklaven.

  • @zappenduster

    Stramm in der Spur, kein selbstgedachter Gedanke, keine Frage auf den Lippen. Unsere Zukunft!

  • Guten Abend.

    Zuerst muss ich vorausschicken, dass ich wenig bis gar keine Ahnung habe. Doch soweit ich weiss, bedeutet ein niedriges Zinsniveau, auch dass man sich günstig Geld auch als Privatmann von der Bank bekommen könnte.

    Ich hätte dazu nämlich eine Frage. Wenn ich jetzt zur Bank gehen und mir einen Kredit geben lassen würde, die Inflation aber steigt, muss ich dann den vereinbarten Betrag zurückzahlen oder wird es dann inflationsbereinigt?

    Wie gesagt, hab ich da wenig Ahnung, bin aber dennoch recht neugierig auf eine Antwort.

    Einen schönen Abend

    Dadot

  • Sie haben ein Stuhl Problem.

  • @vriegel

    Sie machen den Eindruck ein sehr vernünftiger Mensch zu sein und Ihr Vorschlag wäre unter anderen grundlegenden Bedingung vmtl. durchführbar.

    Beschäftigen Sie sich mal etwas damit was Geld eigentlich ist und Sie werden feststellen dass keine Schuld Aufgrund des Zinses je bazahlbar ist. Nur im Einzelfall aber nicht in der Gesamtheit.

    Wir haben kein Schuldenproblem sondern ein Systemproblem.

  • Ich habe hier mal den ganz aktuellen CDU Pro-Euro-Flyer „Stabilität, Wachstum und Verantwortung in Europa“ hochgeladen. Darin enthalten sind Hintergrundinformationen zu den Beschlüssen vom 29. Juni 2012.

    Link:
    https://rapidshare.com/files/411819807/CDU_argupapier-stabilitaet-wachstum-verantwortung.pdf

    Von Deutschland ist da nichts mehr viel zu lesen, alles dreht sich nur noch um Europa und den Euro!

  • Man kann die Sache mit der Euro- und Staatschuldenkrise drehen und wenden wie man will - ich sehe nur einen konkreten Ausweg aus dem ganzen Dilemma.

    Voraussetzung dafür ist natürlich, dass sich alle Staaten zur Beseitigung ihrer jeweiligen strukturellen Defizite bereit erklären und sich auch durch den Fiskalpakt Regeln unterwerfen, die dann entsprechende Massnahmen mit sich bringen würden.

    Das aktuell größte Problem sind die ausufernde Staatsverschuldung und die stark steigenden Refinanzierungskosten für einige Länder der Eurozone. Dieses Problem in den Griff zu bekommen hat m.E. nach erst mal Priorität.

    Und wie kann man das anders in den Griff bekommen, als die Schulden aller Euro-Staaten zu vergemeinschaften? Nicht in dem Sinne, dass man alle Schulden und für immer und ewig so verbindet. Nein. Einfach nur den Teil des jeweiligen BIP's eines Landes, der über einer bestimmten Grenze zu einem fixen Zeitpunkt liegt. Am besten einen in der Vergangenheit, dann hat man exakte Zahlen vorliegen.

    Wenn also der kritische Teil der Staatverschuldung aus dem jeweiligen Haushalten raus ist, wird auch der Refinanzierungspreis für das jeweilige Land wieder in normalen Regionen liegen. Das Risiko für Deutschland düfte überschaubar sein, zumal wir ja auch weit über 60 % des BIP's liegen....

    Und wie zahlt man die so ausgelagerten Schulden ab? Auch recht "einfach". Für jedes Land gibt es einen vereinbarten Rückzahlplan. Griechenland bspw. bekommt natürlich bedingten Zahlungsaufschub. Der wird finanziert von den starken Ländern, die dafür Gegenleistungen erhalten.

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