Nach neuen Anschlägen
Analysten: Aufschwung noch nicht in Gefahr

Nach Einschätzung von Volkswirten stellen die jüngste Welle von Anschlägen und die instabile Lage im Irak noch keine Gefahr für die erwartete Erholung der Weltwirtschaft dar.

HB BERLIN. Die geopolitische Lage bleibe zwar ein Risikofaktor für die Konjunkturentwicklung, sagte Ralph Solveen von der Commerzbank Reuters am Montag: „Einen Anlass, unsere Prognosen zu ändern, haben wir derzeit aber nicht.“ Deutsche Bank-Analystin Manuela Preuschl sagte, die Anschläge auf zwei Synagogen am Samstag in Istanbul unterstrichen, dass man geopolitische Risiken nicht aus den Augen verlieren dürfe. Die bereits bisher geltenden Risikoszenarien müssten zur Zeit aber nicht geändert werden.

Die Angst vor weiteren Anschlägen hat am Montag an den internationalen Devisenmärkten den Dollar und den Yen unter Druck gebracht. Auch der Deutsche Aktienindex (Dax) reagierte auf die Bombenanschläge in Istanbul mit mindestens 23 Toten zu Handelsbeginn mit deutlichen Kursverlusten, während die Rentenmärkte zulegten. Die Zeitung „el Kuds el Arabi“ hatte am Sonntag erklärt, in einer E-Mail habe sich eine El Kaida-Gruppe zu den Anschlägen bekannt. Auch die türkische Regierung vermutet Verbindungen zu El Kaida.

Holger Schmieding von der Bank of America sagte, noch sei nicht einzuschätzen, ob die Risikoscheu an den Finanzmärkten wachsen werde. Grundsätzlich gelte aber: „Die Märkte haben registriert, dass die Weltwirtschaft auf einen Aufschwung zusteuert. Es würde eines erheblichen Schocks bedürfen, um die Stimmung grundsätzlich zu kippen - diesen Schock haben wir nicht.“ Der Markt beobachte aber sehr aufmerksam, ob der Risikofaktor Terrorismus zurückkomme: „Das ist ein Thema, über das man spricht, aber dass die Märkte noch nicht dominiert.“ Nach Einschätzung von Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt besteht mittelfristig die Gefahr, dass der Welthandel wegen geopolitischer Risiken nicht so dynamisch wachsen wird wie erhofft. Sollte der Ölpreis wegen der Lage im Irak anhaltend hoch bleiben, könnten sich auch die Konjunktur- und Inflationsaussichten ändern. Derzeit akzentuierten die Anschläge vor allem, dass die Frage, wie nachhaltig der erwartete Aufschung der Weltwirtschaft sein werde, noch nicht geklärt sei.

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