Nach unerwartet schwachem BIP: Wachstumsprognosen gehen nach unten

Nach unerwartet schwachem BIP
Wachstumsprognosen gehen nach unten

Wegen des überraschend schwachen Jahresschlusses 2004 gehen die Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum nach unten. Erste Bankenvolkswirte schraubten noch am Dienstag ihre Vorhersagen für 2005 herunter.

HB BERLIN. „Die Prognosen sind damit hinfällig geworden“, sagte Carsten-Patrick Meier vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel am Dienstag. Weil die Wirtschaftsleistung am Jahresende 2004 völlig überraschend um 0,2 % zum Vorquartal schrumpfte, startet die Wirtschaft aus rechnerischen Gründen mit einer Belastung ins neue Jahr - Experten sprechen von einem „negativen statistischen Überhang“. Selbst wenn die Wirtschaft schon - wie allgemein erwartet - Anfang 2005 wieder wächst, tut sie dies von einer niedrigeren Ausgangsbasis aus.

Auch Wolfgang Nierhaus vom Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) sagte: „Unsere Prognose (von 1,2 % Wachstum im Gesamtjahr 2005) ist jetzt außerordentlich ehrgeizig geworden. Wir müssten jetzt deutlich mehr konjunkturelle Dynamik bekommen, um das noch zu erreichen.“ Dagegen bekräftigte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) die Regierungsprognose eines Wachstums von 1,6 % in diesem Jahr. Auch der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz hielt trotz der unerwarteten Zahlen an der Vorhersage des Sachverständigenrates von 1,4 % fest. Damit gehören beide derzeit zu den Optimisten, denn die meisten Volkswirte halten nun allenfalls ein Prozent Wachstum für wahrscheinlich.

Wegen des schwachen zweiten Halbjahres 2004 müsste das IfW rein rechnerisch nach Worten von Meier 0,6 %punkte von seiner Wachstumsprognose von 0,8 % für 2005 abziehen. „Wir werden das allerdings auf keinen Fall so fortschreiben, sondern unsere Prognose überarbeiten. Das ist jetzt eine komplett andere Geschichte.“ Ifo-Experte Nierhaus sagte, anstelle eines erwarteten positiven Beitrags von 0,2 bis 0,3 % sei der Überhang nun negativ: „Für den Jahresdurchschnitt 2005 verlieren wir jetzt sogar 0,1 %punkte.“ Das Ifo war bisher von einem Wachstum von 1,2 % ausgegangen.

Viele Banken-Volkswirte überarbeiten nun ihre Vorhersagen für die deutsche Wirtschaft. Die Volkswirte der WestLB senkten ihre Prognose von bislang 1,25 % auf 0,75 %. Die HypoVereinsbank schraubte ihre Erwartung auf 0,8 von bisher 1,2 % Wachstum 2005 zurück. Auch die Commerzbank setzt nun Fragezeichen hinter die Entwicklung im laufenden Jahr. „Angesichts des nun negativen statistischen Überhanges für dieses Jahr ist unsere Prognose eines Zuwachses des Bruttoinlandsproduktes um 1,3 % nur noch bei einer kräftigen Belebung im ersten Quartal zu erreichen“, schrieben die Ökonomen in einer Analyse der Daten.

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