Nachgefragt
Posen: „Millionen neue Jobs sind möglich“

Das Handelsblatt spricht mit Adam Posen über Probleme und Chancen des deutschen Arbeitsmarktes. Posen ist Senior Fellow am Institute for International Economics in Washington.

Handelsblatt: Woran krankt der deutsche Arbeitsmarkt?

Posen: Bundeskanzler Schröder hat mit den Hartz-IV-Reformen einen wichtigen strukturellen Mangel beseitigt. Dieses Paket wird allerdings erst in drei bis vier Jahren den Jobmarkt entlasten. In Deutschland werden aber nach wie vor zu wenig finanzielle und intellektuelle Ressourcen von den alten zu den neuen Industrien verlagert.

In Berlin findet am Donnerstag ein großer Jobgipfel statt. Hätten Sie eine Sofortlösung parat?

Ich würde Unternehmern, die gering qualifizierte Arbeitnehmer einstellen, staatliche Zuschüsse zahlen. Das könnte innerhalb von zwei Jahren rund 200 000 neue Jobs bringen. Zweitens würde ich eine Deregulierungsinitiative starten. Zu viele Berufe werden durch Anforderungen wie Meisterbriefe oder Diplome blockiert.

Was müsste mittelfristig geändert werden?

Deutschland braucht innerhalb der nächsten zwei bis fünf Jahre einen Angriff auf die durch die öffentliche Hand geschützten Banken. Die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und die Kreditanstalt für Wiederaufbau müssten ihre Ressourcen am Markt ausrichten und versuchen, höhere Renditen zu erzielen. Das würde dazu führen, dass Geld an besseren Orten investiert wird. Und die Sparer hätten mehr Geld in der Tasche.

Und wie lautet Ihr Langzeitrezept?

Zunächst müsste das Steuersystem umgekrempelt werden. Derzeit ruht die Steuerlast in unverhältnismäßig hohem Maße auf dem Faktor Arbeit. Es sollten jedoch mehr das Kapitalvermögen und Immobilien besteuert werden. Dann würde ich für eine Kürzung der Sozialleistungen plädieren. Die Renten sollten sich nicht mehr an den Lohnsteigerungen, sondern an der Inflationsrate orientieren. Dadurch sinken die Lohnnebenkosten, während Konsum und Investitionen steigen.

Wenn alle Maßnahmen greifen: Wie stark könnte die Arbeitslosigkeit vermindert werden?

Wir haben in Deutschland rund fünf Millionen Arbeitslose und noch einmal drei Millionen Menschen, die dem Jobmarkt nicht zur Verfügung stehen. Für jede der beiden Gruppen wären rund 1,5 Millionen neue Stellen möglich, macht also insgesamt drei Millionen Arbeitsplätze.

Die Fragen stellte Michael Backfisch.

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