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Abschwung: Deutsche Wirtschaft schrumpft mit Rekord

Zurückgehende Investitionen, schwacher Export und zurückhaltende Konsumenten: Die deutsche Wirtschaft ist im Schlussquartal 2008 so stark wie noch nie seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 geschrumpft. Die pessimistischen Erwartungen von Ökonomen wurden sogar noch übertroffen.

Dunkle Wolken über Deutschland: Die Wirtschaftsleistung sinkt weiter. Quelle: dpa
Dunkle Wolken über Deutschland: Die Wirtschaftsleistung sinkt weiter. Quelle: dpa

HB WIESBADEN. Im Vergleich zum Vorquartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland bereinigt um 2,1 Prozent zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden in einer ersten Schätzung mit. Ökonomen hatten mit einem Minus von 1,8 Prozent gerechnet. Der bisherige Negativrekord lag bei minus 1,2 Prozent im ersten Quartal 1993.

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Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Euro-Zone sank von Oktober bis Dezember um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Das ist der größte Rückgang seit Gründung des Währungsraums. Experten hatten lediglich mit einem Rückgang um 1,3 Prozent gerechnet. Auch im zweiten und dritten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung. Zum Vorjahreszeitraum sank das BIP um 1,2 Prozent. Für das gesamte Jahr 2008 bleibt damit noch ein Plus von 0,7 Prozent.

Die Zahlen für Deutschland zeigen, dass sich der konjunkturelle Abschwung im vierten Quartal deutlich verstärkt hat. Im dritten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 0,5 Prozent geschrumpft, im zweiten Quartal um revidiert 0,5 (zunächst 0,4) Prozent. Im Jahresvergleich sank die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal preisbereinigt um 1,6 Prozent. Kalenderbereinigt lag das Minus bei 1,7 Prozent.

Ausschlaggebend für die negative Entwicklung waren laut Bundesamt vor allem die Anlageinvestitionen der Unternehmen und der Außenhandel. Auch die Konsumausgaben, insbesondere der privaten Haushalte, seien geringfügig niedriger als im Vorquartal gewesen. Außerdem sei es zu einer deutlichen Erhöhung der Lagerbestände gekommen.

Zuletzt ging die Wirtschaftsleistung 1987 so stark zurück. Im ersten Quartal 1987 sank das BIP um 2,5 Prozent. Der jetzige Rückgang ist allerdings viel gravierender, weil damals schon im folgenden Quartal ein Wachstum von 2,2 Prozent erreicht wurde. Das jetzige Minusquartal ist aber bereits das dritte in Folge.

Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, rechnet mit einer länger dauernden Wirtschaftskrise in Deutschland. "Die Leute, die da sagen, im Sommer geht es wieder aufwärts, das ist Blödsinn", sagte Sinn am Donnerstagabend im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten.

Zu einer zurückhaltenden Einschätzung kommt auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Aus seiner Sicht dürfte die deutsche Wirtschaft auch im ersten Quratal erneut "empfindlich" geschrumpft sein, sagte er im Gespräch mit Handelsblatt.com. Schließlich seien die Auftragseingänge bis zuletzt gefallen. Danach komme es darauf an, dass sich der durch die Lehman-Pleite ausgelöste "Unsicherheitsschock" weiter nachlässe. "Die Unsicherheit muß auf ein akzeptables Niveau fallen, damit die US-Verbraucher wieder kaufen und die Unternehmen wieder investieren", erläuterte Krämer. Dessen ungeachtet erwartet er, dass die deutsche Wirtschaft nach der Jahresmitte "zumindest aufhört zu schrumpfen". Diesem Ende der Rezession werde aber kein starker Aufschwung folgen, sondern "eine blutleere Aufwärtsbewegung", die den Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht stoppen könne, ist sich der Ökonom sicher. "Denn in den USA und vielen westeuropäischen Ländern dürften die Häuserpreise noch bis weit in das Jahr 2010 hinein fallen, das dämpft dort den Konsum und belastet die exportorientierte deutsche Wirtschaft."

Eingermaßen gelassen reagierte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, auf die jetzt veröffentlichte BIP-Zahl. Es gehe aber jetzt weniger um die Tiefe des Einbruchs, als mehr um die Dauer, sagte er im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Die Konjunkturprogramme rund um die Welt werden in der zweiten Jahreshälfte auch in Deutschland etwas Entlastung bringen", ist sich Kater sicher. Aber die Erholung werde "flach" ausfallen. "Positive Quartalsraten noch in diesem Jahr sind jedoch wahrscheinlich."

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