Analyse
Wie sich die US-Steuerreform auf die Zinskosten auswirkt

Durch die geplante Steuerreform entgehen den USA in den nächsten Jahren Einnahmen in Billionenhöhe. Experten sind sich sicher, dass die Staatsverschuldung weiterhin schneller als die Wirtschaft wachsen wird.
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WashingtonDie geplante Steuerreform setzt den US-Staatshaushalt unter Stress. Nicht nur neue Schulden muss er verkraften, sondern auch höhere Zinsausgaben. „Die Schulden werden weiter schneller wachsen als die Wirtschaft”, befürchtet Analystin Susan Irving vom Government Accountability Office, wie der dem Kongress unterstellte überparteiliche Rechnungshof heißt. „Die Zinskosten der Regierung werden steigen, andere Bereiche des Haushalts werden belastet, während zugleich die Möglichkeit zur Reaktion auf unvorhergesehene Ereignisse begrenzt werden.”

Schon in diesem Jahr muss der Staat nach Regierungsangaben 274 Milliarden Dollar an Zinsen bezahlen, so viel wie nie zuvor. Bis 2022 dürfte diese Summe den Haushaltsplanungen zufolge auf 528 Milliarden Dollar steigen. Das entspricht fast elf Prozent der Gesamtausgaben, während es derzeit lediglich knapp sieben Prozent sind. Damit steigen die Zinskosten schneller als alle anderen wichtigen Ausgaben des Staates. Das Geld fehlt an anderer Stelle.

Mit der Steuerreform, mit der vor allem Besserverdiener entlastet werden sollen und der Steuersatz auf Unternehmensgewinne von aktuell 35 auf 20 bis 22 Prozent sinken soll, entgehen dem Staat in den kommenden zehn Jahren Einnahmen in Billionenhöhe. Und das bei einem Schuldenstand von schon jetzt mehr als 20 Billionen Dollar. „Das trägt dazu bei, dass mehr Staatsanleihen ausgegeben werden müssen”, erwartet daher die Zinsstrategin von Societe General in New York, Subadra Rajappa. Nach Prognose des Congressional Budget Office - einer Behörde des Kongresses - wird sich der jährliche Fehlbetrag des Staates in den kommenden zehn Jahren auf etwa 2,8 Billionen Dollar verdoppeln. Kommen mehr Anleihen auf den Markt, müssen Anleger in der Regel mit höheren Renditen zum Kauf animiert werden. „Es wird noch eine Weile dauern, bis der Markt wirklich gesättigt ist”, glaubt Geldmarktexperte Thomas Simons von Jefferies in New York. „Aber nicht mehr lange.”

Seit der Finanzkrise 2009 sind die Zinskosten durch die extrem lockere Geldpolitik der Notenbank Fed und deren Anleihenkäufe niedrig geblieben, obwohl sich die Staatsschulden in dieser Zeit verdoppelt haben. Doch die Fed hat bereits begonnen, ihre Zinsen anzuheben und ihre Anleihenkäufe zurückzuschrauben. Beides spricht für deutlich höhere Zinskosten für den Staat.

Nur in einem Fall könnten die Finanzierungskosten des Staates doch noch gering bleiben, sagen Experten. Nämlich dann, wenn die umstrittene Steuerreform das Wirtschaftswachstum nicht wie gewünscht ankurbelt und dadurch auch die Inflation sehr niedrig bleibt. Die Rendite der zehnjährige US-Staatsanleihe ging von 1981 bis 1986 von 15,5 auf sieben Prozent zurück, obwohl sich in dieser Zeit die Staatsschulden auf 2,1 Billionen Dollar mehr als verdoppelten. Der Grund: Die Inflationsrate ging kräftig zurück.

Je niedriger die Teuerungsrate ist, desto geringer ist der Aufschlag, den Investoren vom Staat als Entschädigung für steigende Preise verlangen, um eine reale Rendite zu erzielen. „Es kommt gar nicht so sehr auf das Anleihenangebot an, das lenkt nur vom Großen und Ganzen ab”, ist sich deshalb Marktanalyst Lou Brien von DRW Trading in Chicago sicher. „Es geht vor allem um die Inflation und die Inflationserwartungen.”

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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