Anleihekaufprogramm
Institute raten EZB derzeit von größeren Geldspritzen ab

Seit Monaten sind die Geldschleusen der EZB weit geöffnet: Mit einem 1,14-Billionen-Euro-Programm versuchen die Währungshüter, die Inflation anzukurbeln – vergeblich. Experten raten, das Programm auslaufen zu lassen.

BerlinTrotz zuletzt sinkender Preise in der Euro-Zone raten führende deutsche Wirtschaftsinstitute der EZB von einer Ausweitung ihrer Geldspritzen ab. „Aus Sicht der Institute besteht derzeit kein Anlass, eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms über den September 2016 hinaus oder eine Aufstockung der monatlichen Käufe in Erwägung zu ziehen“, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Gutachten der Forscher. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Bundesbank, die zuletzt immer wieder vor voreiligen Schritten gewarnt hatte.

Die Forscher weisen zudem daraufhin, dass nach dem bestehenden Regelwerk eine Verlängerung oder Aufstockung des Anleiheprogramms schwerlich möglich wäre. „Bereits jetzt deutet sich an, dass insbesondere die Staatsanleihen einiger Mitgliedsländer dafür nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen würden.“ Dies deckt sich mit jüngst veröffentlichten Modellrechnungen der Großbank UniCredit: Demnach könnten die Währungshüter über das geplante Ende des Programms hinaus zum Beispiel nur noch sieben Monate weiter deutsche Bonds im bisherigen Volumen aufkaufen, bis sie an Grenzen stoßen würden. Das EZB-Programm, das neben Staatsanleihen auch weitere Wertpapierkäufe umfasst, soll bis Ende September 2016 laufen und ist 1,14 Billionen Euro schwer.

Zuletzt waren am Markt wegen der unerwünscht niedrigen Inflation Spekulationen aufgekommen, die Europäische Zentralbank (EZB) könne das Programm ausweiten. Der EZB-Rat hat lediglich seine Bereitschaft signalisiert, bei Bedarf nachzulegen. Die Währungshüter streben mittelfristig eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an, sind von diesem Ziel aber meilenweit entfernt. Nach Ansicht der Institute liegt dies vor allem am stark gesunkenen Rohölpreis: „Auf den daraus resultierenden Rückgang der Inflationsrate sollte eine Notenbank nicht reagieren, solange er als temporär eingestuft werden kann.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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