Anleihenkäufe

Händler rechnen mit größeren EZB-Geldspritzen

Experten gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldspritzen in absehbarer Zeit erhöhen wird. Grund sind die wachsenden Konjunktursorgen. Zuletzt hatte die EZB das Tempo ihrer Anleihenkäufe gedrosselt.
Experten glauben, dass die Europäische Zentralbank das Volumen für ihre Anleihenkäufe erhöhen wird. Mit ihrer Geldschwemme will die EZB eine Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und abflauenden Investitionen verhindern, die eine Wirtschaft lähmen kann. Quelle: dpa
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Experten glauben, dass die Europäische Zentralbank das Volumen für ihre Anleihenkäufe erhöhen wird. Mit ihrer Geldschwemme will die EZB eine Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und abflauenden Investitionen verhindern, die eine Wirtschaft lähmen kann.

(Foto: dpa)

Frankfurt/MailandAngesichts wachsender Konjunktursorgen wird die EZB ihre Geldspritzen nach Ansicht von Experten in absehbarer Zeit vergrößern. Eine am Montag veröffentlichte Reuters-Umfrage unter 21 Händlern ergab, dass elf der Experten auf eine Aufstockung des Wertpapierkaufprogramms binnen sechs Monaten tippen.

Ein weiterer rechnet damit, dass die Ausweitung innerhalb eines Jahres kommen wird. Dabei gehen die Experten davon aus, dass der monatliche Umfang der Käufe von zurzeit 60 Milliarden Euro auf 70 bis 80 Milliarden gesteigert werden könnte.

Neun Händler erwarten aber, dass die Europäische Zentralbank (EZB) das Volumen nicht verändern wird. Auch die deutsche EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger sieht derzeit keinen Grund, die Geldspritzen – im Fachjargon QE genannt – zu verstärken: „Für mich ist es noch zu früh, um über konkrete Maßnahmen zur Ausweitung von QE zu sprechen“, sagte sie in Mailand.

Zuletzt hat die EZB das Tempo bei ihren Anleihenkaufprogramm sogar etwas gedrosselt. Seit dem Start am 9. März erwarben die EZB und die nationalen Notenbanken inzwischen insgesamt Anleihen im Gesamtumfang von 337,8 Milliarden Euro. Mit den Ankäufen der Staatsbonds und weiterer Wertpapiere will die EZB die Wirtschaft ankurbeln und die Kreditvergabe anregen.

So hilft die EZB den Schuldenmachern
Italien profitiert
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Die EZB hat Anfang März ihr neues Anti-Krisen-Programm gestartet. Sie „druckt“ frisches Geld und kauft damit Wertpapiere. Fachleute nennen dies quantitative Lockerung oder schlicht „QE“ („Quantitative Easing“). EZB-Präsident Mario Draghi hatte die Märkte seit Monaten darauf vorbereitet. Im Januar gab der EZB-Rat mit breiter Mehrheit grünes Licht – gegen den Widerstand etwa von Bundesbankpräsident Jens Weidmann und dem deutschen EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger. Seitdem preisen die Märkte das „QE“. Die Rendite für italienische zweijährige Staatsanleihen ist seit Jahresbeginn deutlich gefallen.

Rendite (Jahresbeginn): 0,53 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,29 Prozent
Quelle: Bloomberg

Langfristig günstiger
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Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen ist ebenfalls zurückgegangen. Italien kann sich damit deutlich günstiger Geld am Markt leihen. Das Land fiel während der Krise 2012 nicht nur wegen seiner Schulden, sondern auch wegen politischer Querelen auf. Die Zinsen lagen dementsprechend 2011/2012 bei fast sieben Prozent. Rund drei Jahre später sind die heutigen Zinsen für das Land deutlich niedriger.

Rendite (Jahresbeginn): 1,89 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,37 Prozent
Quelle: Bloomberg

Starkes Portugal
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Am stärksten profitierten in der ersten Woche der EZB-Geldflut portugiesische Staatsanleihen. Die Rendite der 30-jährigen Anleihen aus Portugal fiel die sechste Woche in Folge und erreichte Mitte März ein Rekordtief. Auch für zweijährige Staatsanleihen ging es bei der Rendite deutlich abwärts. Zu Krisenzeiten lag die Rendite hier noch über 20 Prozent. Heute liegt sie nahe Null.

Rendite (Jahresbeginn): 0,42 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,11 Prozent
Quelle: Bloomberg

Rendite auf Vorkrisenniveau
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Auch bei der Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen ging es nach unten. Die Differenz zur Rendite der  Bundesanleihen sank auf 130 Basispunkte – die kleinste Differenz seit April 2010. Die Renditen zeigen auch sehr deutlich, warum am Aktienmarkt Kauflaune herrscht: Mit Staatsanleihen kann man kaum noch Rendite erwirtschaften. Zum Vergleich: Im Sommer 2012 zahlte Portugal für seine zehnjährigen Anleihen mehr als 17 Prozent Zinsen.

Rendite (Jahresbeginn): 2,69 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,75 Prozent
Quelle: Bloomberg

Spanien kommt günstiger an Geld
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Auch Spaniens Staatsanleihen sind seit Jahresbeginn beliebter. Die steigende Nachfrage ließ die Rendite konstant fallen. Zum Vergleich: Im Sommer 2012 forderten Anleger am Markt noch fast sieben Prozent Rendite für zweijährige spanische Staatspapiere.

Rendite (Jahresbeginn): 0,4 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,16 Prozent
Quelle: Bloomberg

Renditen weit unter Krisenniveau
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Im Sommer 2012 zahlte Spanien mehr als sieben Prozent Zinsen für seine zehnjährigen Staatsanleihen. Im Sommer 2012 kam dann Draghis Versprechen „alles zu tun, was nötig sei“, um den Euro zu retten. Seitdem ging es bei den Renditen der Staatsanleihen konstant abwärts. Anfang 2015 betrugen die Zinsen nur noch 1,6 Prozent und fielen als Folge des „QE“ der EZB noch weiter.

Rendite (Jahresbeginn): 1,6 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,34 Prozent
Quelle: Bloomberg

Deutschland: Geld leihen und dafür zahlen
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Eine besondere Situation zeigt sich bei den Bundesanleihen. Bei zweijährigen Staatspapieren der Bundesrepublik bekamen Anleger zu Jahresbeginn eine negative Rendite. Sprich: Investoren zahlen Geld, um Deutschland ihr Geld zu leihen. Durch die Staatsanleihekäufe der EZB ist die Rendite sogar noch weiter ins Minus gerutscht.

Rendite (Jahresbeginn): - 0,1 Prozent
Rendite (18.03.2015): - 0,23 Prozent
Quelle: Bloomberg

Dabei hat sie Fortschritte erzielt. Allerdings haben sich die Hoffnungen auf ein Anziehen der unerwünscht niedrigen Inflation bislang nicht erfüllt. Die Jahresteuerung lag zuletzt bei 0,1 Prozent. Experten erwarten für die am Mittwoch anstehenden September-Daten, dass die Preise sogar auf dem Niveau des Vorjahresmonates verharren.

Die EZB strebt eine Teuerungsrate nahe zwei Prozent an, da diese als ideal für die Wirtschaftsentwicklung gilt. Doch dieses Ziel wird laut der Prognose der EZB selbst im Jahr 2017 nicht erreicht werden.

Die EZB will mit ihrer Geldschwemme eine Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und abflauenden Investitionen verhindern, die eine Wirtschaft lähmen kann. Diese Gefahr sieht Lautenschläger allerdings nicht. Sie verweist darauf, dass die niedrige Inflationsrate hauptsächlich durch den Ölpreisverfall bedingt sei.

Die EZB solle über solche Preisschwankungen hinwegsehen.

  • rtr
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