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Arbeitsmarkt: Unternehmen horten ihre Arbeitskräfte

Volkswirte rätseln über die enorme Widerstandskraft des deutschen Arbeitsmarktes. Die Kurzarbeit allein erklärt nicht, warum die Beschäftigung bisher kaum sinkt. Ein Faktor ist die hohe Spezialisierung bei deutschen Unternehmen. Warum Hiobsbotschaften von der Arbeitsagentur ausbleiben.

Fachkräfte müssen trotz Krise selten mit einer Entlassung rechnen, so Wissenschaftler. Quelle: dpa
Fachkräfte müssen trotz Krise selten mit einer Entlassung rechnen, so Wissenschaftler. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Sinkt die Auslastung der Betriebe, sinkt die Nachfrage nach Arbeitskräften – und, wenn der Lohn etwa aufgrund von Tarifverträgen nicht sinken kann, steigen die Arbeitslosenzahlen. Je stärker der Produktionseinbruch, desto stärker steigt die Arbeitslosigkeit, – das lernte bislang jeder Volkswirt in einer seiner ersten Vorlesungen.

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Doch die aktuelle Krise zeigt, dass das so nicht stimmt. „Den meisten Experten ist schleierhaft, warum Deutschland bisher so glimpflich davongekommen ist“, räumt Hilmar Schneider vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) ein.

Die exportabhängigen Industrienationen Deutschland und Japan erlitten im vergangenen Winter besonders starke Produktionseinbrüche als Folge der globalen Finanzkrise. Innerhalb von fünf Quartalen sanken die japanische Industrieproduktion um 28 Prozent und die deutsche um 20 Prozent. Die gesamte Wirtschaftsleistung sank um rund acht Prozent in Japan und sechs Prozent in Deutschland und damit deutlich stärker als in den USA, wo die globale Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Ursprung hatte.

Hiobsbotschaften bleiben aus

Doch am deutschen Arbeitsmarkt passierte (fast) nichts. Monat für Monat warteten staunende Volkswirte auf den scheinbar unausweichlichen Beginn der Hiobsbotschaften aus Nürnberg – vergeblich. „Allein mit Kurzarbeit ist dieses Phänomen nicht zu erklären. Offensichtlich horten die deutschen Unternehmen Arbeitskräfte, weil sie bald wieder mehr Aufträge erwarten“, sagt der IAB-Arbeitsmarktexperte Herbert Brücker.

Ein klares Indiz dafür sei der Einbruch der Produktivität pro Stunde, so der Ökonom des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung. Im Klartext: Die Unternehmen bezahlen ihre Mitarbeiter unverändert, selbst wenn die Pausen angesichts des Arbeitsmangels etwas länger ausfallen als in Boomzeiten.

Ein Grund für den stabilen deutschen Arbeitsmarkt könnte das Portfolio der Industrie sein, die sehr stark mit Nischenprodukten auf dem Weltmarkt agiert, – das erfordert Know-how. Viele Unternehmen profitierten vom Export in Boomregionen.

Anderseits führte die lange Stagnationsphase in Deutschland zu Lohnzurückhaltung, so dass manches Unternehmen Finanzpolster aufbauen konnte, von denen es nun zehrt. „Wegen der hohen Spezialisierung müssen die Unternehmen dafür sorgen, auch in einer Krise ihre Arbeitskräfte halten zu können“, sagt IZA-Mann Schneider.

  • 24.11.2009, 14:45 UhrAnonymer Benutzer: Wolfgang Ohndorf

    Endlich scheinen auch die berufs-Volkswirte dahinter zukommen, dass die Entwicklung des Arbeitsmarktes von wesentlich komplexeren bedingungen abhaengt als nur von den (aktuellen) Schwankungen der Auftragseingaenge. Der Schock des Fachkraeftemangels von 2007/2008 sitzt zurecht tief bei den meisten Unternehmen.

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