Arbeitsmarkt
Zahl der Solo-Selbstständigen auf 2,31 Millionen gestiegen

Trotz guter Konjunktur gibt es wieder mehr kleine Selbstständige in Deutschland. Die vermeintliche Allzweckwaffe gegen Erwerbslosigkeit bringt jedoch meist ein schlechtes Einkommen und soziale Absicherung mit sich.
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BerlinDie Zahl der Solo-Selbstständigen ist seit dem Jahr 2000 deutlich auf 2,31 Millionen im vergangenen Jahr gestiegen. Damals gab es noch 1,84 Millionen Selbstständige ohne eigene Beschäftigte. Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamts hervor, die die Linken im Bundestag angefragt hatten und die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

Solo-Selbstständige haben dabei ein vergleichsweise niedriges Einkommen. Im vergangenen Jahr lag ihr monatliches Nettoeinkommen im Schnitt bei 1567 Euro.

Bis 2012 war die Zahl der Solo-Selbstständigen fast kontinuierlich bis auf 2,46 Millionen in die Höhe gegangen. Dann sank sie wieder auf 2,30 Millionen im Jahr 2015, um nun wieder leicht anzusteigen.

Weit weniger Veränderungen gab es bei den Selbstständigen mit eigenen Beschäftigten. Deren Zahl lag im vergangenen Jahr bei 1,83 Millionen, 2000 waren es 1,8 Millionen. Sie verfügten im Jahr 2016 über ein monatliches Nettoeinkommen von im Schnitt 2866 Euro, abhängig Beschäftigte über 1630 Euro.

2016 bezogen etwas mehr als 105 000 Selbstständige ergänzende Hartz-IV-Leistungen. Die Vize-Chefin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, die die Daten angefragt hatte, sagte: „Der Weg in die Selbstständigkeit ist für viele auch ein Weg in eine prekäre Tätigkeit, von der man nicht leben kann.“

Insbesondere bei Solo-Selbstständigen sei die berufliche Situation auch Ausdruck zu weniger regulärer Arbeitsplätze oder eines Outsourcings von Unternehmen. „Oft war die Entscheidung zur Selbstständigkeit keine freiwillige.“ Durch die Einführung der Förderung als sogenannte Ich AG im Zuge der Hartz-Gesetze sei die Solo-Selbstständigkeit zu einer Allzweckwaffe gegen Erwerbslosigkeit auserkoren worden. Für viele sei es aber eine Sackgasse gewesen.

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung für das Bundesarbeitsministerium aus dem vergangenen Jahr begünstigte auch das starke Wachstum des Kreativsektors die Ausbreitung der Solo-Selbstständigkeit. Betriebe und Behörden lagerten demnach viele Funktionen an Freiberufler aus, um Kosten zu sparen. Typisch seien dafür der Mediensektor sowie Sozial- und Pflegedienste.

Oft sei eine Existenzgründung mangels ausreichender regulärer Jobs in Angriff genommen worden - stark befeuert durch Förderung zuvor arbeitsloser Gründer. Begleitet wurde der Trend laut der Studie von einer Zunahme an Teilzeit sowie einer schwachen Einkommensentwicklung bei den Alleinunternehmern. In den vergangenen Jahren habe der Arbeitsmarkt aber oft bessere Beschäftigungsalternativen geboten.

Zimmermann sagte: „Grundsätzlich fühlen sich viele Selbstständige allein gelassen mit ihren Problemen und zu wenig gefördert.“ Eine neue Bundesregierung müsse vor allem für kleine Selbstständige bessere Rahmenbedingungen schaffen - etwa durch die Einführung eines Mindesthonorars für Solo-Selbstständige. Ein großes Problem sei zudem die soziale Absicherung.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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