Arbeitsmarktstatistik
Zahl der Leiharbeiter mehr als verdoppelt

In zehn Jahren ist die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland um 129 Prozent gestiegen. Die Linksfraktion, die die Anfrage gestellt hatte, fordert nun von der Regierung, das Zwei-Klassensystem am Arbeitsmarkt zu beenden.
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BerlinDie Zahl der Leiharbeitskräfte in Deutschland ist zwischen 2004 und 2014 um rund 439.000 auf 779.000 gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 129 Prozent binnen zehn Jahren, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, die der Nachrichtenagentur afp am Freitag vorlag. Knapp zwei Drittel und damit das Gros der Leiharbeiter sind zwischen 25 und 50 Jahre alt. Den höchsten Anstieg gab es aber bei den Älteren: Zwischen 2004 und 2014 stieg die Zahl der Leiharbeiter bei den 50- bis 65-Jährigen von rund 37.800 auf knapp 162.000. Das entspricht laut Linksfraktion einem Zuwachs um 328 Prozent.

Wie aus der Antwort der Bundesregierung weiter hervorgeht, sind fast drei Viertel der insgesamt rund 779.000 Leiharbeiter Männer (72 Prozent); 28 Prozent sind Frauen. Gegenüber 2013 stieg deren Zahl zuletzt um 4,3 Prozent.

Der durchschnittliche monatliche Bruttolohn eines Leiharbeiters lag Ende 2013 bei 1700 Euro. Damit verdienten Leiharbeiter laut Linkspartei nur 57 Prozent des mittleren Entgelts aller Beschäftigten.

Dies spiegelt sich demnach auch in den Niedriglohnanteilen wieder. Während bezogen auf alle Vollzeitbeschäftigten bereits jeder Fünfte (20 Prozent) ein Bruttomonatsentgelt unterhalb der Niedriglohnschwelle von 1973 Euro erhält, sind es in der Leiharbeit mit 65 Prozent sogar fast zwei Drittel der Vollzeitbeschäftigten. Im Osten lag der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten unter den Leiharbeitern mit knapp 81 Prozent deutlich höher als im Westen (rund 61 Prozent).

Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Klaus Ernst, forderte die Bundesregierung auf, das „Zwei-Klassensystem am Arbeitsmarkt zu beenden“. Besorgniserregend sei vor allem die Zunahme der Leiharbeit bei Älteren. „Wer über 50 Jahre alt ist und arbeitslos wird, dem droht das Absacken in eine Beschäftigung zweiter Klasse“, erklärte Ernst. Leiharbeit müsse vom ersten Tag an gleich bezahlt werden. Zudem müsse die Einsatzdauer „auf maximal drei Monate“ begrenzt sein.

Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag eine Begrenzung der Leiharbeit auf maximal 18 Monate vorgesehen. Außerdem soll der Lohn von Leiharbeitern nach neun Monaten dem Lohn der Stammbelegschaft angepasst werden. Laut der kleinen Anfrage der Linken dauern derzeit 52 Prozent der Arbeitsverhältnisse in der Leiharbeit weniger als drei Monate und 48 Prozent länger als drei Monate.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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