Ausblick für 2016
Kratzer im Lack der deutschen Wirtschaft

Das Handelsblatt Research Institute sagt ein enttäuschendes Jahr 2016 für die deutsche Wirtschaft voraus. Die Gründe sind vielseitig, die Entwicklung hatte sich abgezeichnet. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Das exportorientierte Geschäftsmodell entwickelt sich zu einer Belastung für die deutsche Wirtschaft. Die deutliche Abkühlung in den Schwellenländern und die schwache Entwicklung des Welthandels werden nach Einschätzung des Handelsblatt Research Institute (HRI) dazu führen, dass sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland von 1,7 Prozent im laufenden Jahr auf 1,4 Prozent im kommenden Jahr abkühlt.  Damit liegt das HRI mit seiner ersten Wachstumsprognose deutlich unter dem aktuellen Konsens der Bankenvolkswirte und Forschungsinstitute.

Um einen halben Prozentpunkt wird der Außenhandel nach den Berechnungen des HRI die BIP-Wachstumsrate drücken, statt wie bisher üblich die von der Binnenwirtschaft erwirtschaftete Wachstumsrate aufzustocken. Dafür gibt es drei Gründe: Das verringerte globale Trendwachstum, die nachlassende Dynamik des Welthandels und die kräftig steigende Nachfrage nach Importwaren in Deutschland.

Die Abschwächung der Exporte zeichnet sich schon seit Monaten in den amtlichen Statistiken ab: Der Auftragseingang der deutschen Industrie aus dem Ausland lag im Oktober um 2,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Aufträge aus Ländern außerhalb des Euro-Raums gingen sogar um 7,2 Prozent zurück.

Deshalb erwartet das HRI, dass die Exporte im kommenden Jahr nur noch um 2,1 Prozent zunehmen, obwohl sich das Geschäft mit der Euro-Zone belebt hat.  Die Nachfrage aus Deutschland nach ausländischen Waren und Dienstleistungen wird hingegen fast doppelt so schnell steigen – um 3,8 Prozent. Das drückt  den Außenbeitrag in den negativen Bereich und senkt die BIP-Wachstumsrate.

Getragen wird das Wachstum der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr von einem weiterhin starken privaten Konsum und von kräftig steigenden Staatsausgaben, unter anderem durch die Aufwendungen für die Betreuung und Unterbringung der mehr als eine Million Flüchtlinge.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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