Außenhandel

Geschäft deutscher Exporteure stagniert

Der deutsche Export knackt im Oktober zwar die Marke von einer Billion Euro, dennoch enttäuscht der Start ins Schlussquartal 2016. Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sorgt für Verunsicherung.
1 Kommentar
Die deutschen Exporte haben im Oktober nur schwach zugelegt. Quelle: dpa
Container im Hamburger Hafen

Die deutschen Exporte haben im Oktober nur schwach zugelegt.

(Foto: dpa)

WiesbadenDie Schwäche des Welthandels und sinkende Nachfrage aus der Europäischen Union haben die deutsche Exportwirtschaft im Oktober gebremst. Die Ausfuhren verringerten sich gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent auf 101,5 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Weniger Waren „Made in Germany“ gingen sowohl in EU-Länder als auch in Staaten außerhalb der Union. Die Importe verringerten sich um 2,2 Prozent auf 82,2 Milliarden Euro.

Der Branchenverband BGA sprach von einem „miesen“ Start des deutschen Außenhandels in das Schlussquartal. „Die Oktober-Zahlen zeigen deutlich, wie abhängig die deutschen Unternehmen von einem stabilen internationalen Wirtschaftsumfeld sind“, erklärte BGA-Präsident Anton Börner. Die internationale Unruhe auch in der Politik hinterlasse Spuren. Als ein Beispiel nannte Börner die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen (Brexit-Votum).

Zuletzt rechnete der BGA für dieses Jahr mit einem leichten Plus der Ausfuhren von maximal zwei Prozent auf 1.220 Milliarden Euro. In den ersten zehn Monaten stiegen die Exporte um 0,3 Prozent auf 1.002 Milliarden Euro.

Westen hui, Osten pfui
Tops: USA
1 von 8

Seit 1961 war Frankreich ununterbrochen der wichtigste Exportkunde der deutschen Wirtschaft – die USA haben diese Ära nun beendet. Die Ausfuhren in die weltgrößte Volkswirtschaft zogen um rund ein Fünftel auf mehr als 105 Milliarden Euro an. Ein Grund dafür ist das robuste Wachstum dort, ein weiterer der schwache Euro. Er macht deutsche Waren in den USA billiger und schiebt den Absatz an.

Indien
2 von 8

Das große Schwellenland ist 2015 wirtschaftlich schneller gewachsen als das benachbarte China. Das zahlt sich für die deutschen Unternehmen aus: Deren Exporte nach Indien legten um rund zehn Prozent zu. Allerdings ist der Umsatz mit mehr als neun Milliarden Euro noch bescheiden. Zum Vergleich: der mit China ist etwa sieben Mal so groß. Experten sehen daher noch viel Luft nach oben.

Großbritannien
3 von 8

Das Vereinigte Königreich gehört zu den am schnellsten wachsenden Industrieländern. Das lässt die Kassen der deutschen Unternehmen klingeln, deren Ausfuhren auf die Insel um rund 14 Prozent auf mehr als 83 Milliarden Euro anzogen. Der schwache Euro sorgt auch hier für einen zusätzlichen Schub.

Euro-Zone
4 von 8

Nach Jahren der Krise kommt das Geschäft mit den Euro-Ländern wieder in Schwung. Der Export in die 18 Staaten kletterte um 5,9 Prozent auf 435 Milliarden Euro. Mehr als 36 Prozent der deutschen Ausfuhren landen in der Währungsunion – mehr als doppelt so viel wie in den beiden größten Volkswirtschaften USA und China zusammen.

Flops: China
5 von 8

Die Zeit des überschäumenden Wachstums im China-Geschäft ist erst einmal vorbei. 2015 sanken die Ausfuhren ins Reich der Mitte – zum ersten Mal seit 1997. Sie nahmen um mehr als vier Prozent auf gut 65 Milliarden Euro ab. Für 2016 erwarten die meisten Experten bestenfalls eine leicht anziehende Nachfrage. China bleibt trotzdem einer der fünf größten Abnehmer deutscher Waren.

Russland
6 von 8

Rezession, Ölpreiseinbruch, westliche Sanktionen: War Russland noch vor wenigen Jahren der am schnellsten wachsende deutsche Exportmarkt, so gehört er wegen dieser drei Faktoren inzwischen zu den am kräftigsten schrumpfenden. Um ein Viertel sind die Umsätze eingebrochen, nachdem es 2014 ähnlich stark nach unten ging. Experten erwarten erst 2017 wieder ein Plus.

Brasilien
7 von 8

Viele Unternehmen setzten lange Hoffnungen in die größte Volkswirtschaft Südamerikas. Doch sinkende Rohstoffpreise und Korruption setzen Brasilien zu. Die Folge: Die deutschen Exporte dorthin schrumpften um rund drei Prozent.

Auch gegenüber dem Vormonat sorgten die Zahlen für Enttäuschung. Zwar legten die Ausfuhren binnen Monatsfrist um 0,5 Prozent zu. Volkswirte hatten jedoch mit einem Anstieg von 0,9 Prozent gerechnet. Der Export als einstiger Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft komme nach wie vor nicht richtig in Schwung, erklärte ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

Für Verunsicherung sorgte nach Einschätzung des Ifo-Instituts zuletzt auch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Die Unternehmen erwarten den Angaben zufolge einen langsameren Anstieg der Ausfuhren. Trump war im Wahlkampf gegen Freihandel zu Felde gezogen.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Außenhandel - Geschäft deutscher Exporteure stagniert

1 Kommentare zu "Außenhandel: Geschäft deutscher Exporteure stagniert"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%