Bank of Japan
Ölpreisfall verschärft Kampf gegen Deflation

Japans Währungshüter bleiben auf Kurs, trotz enttäuschender Wachstumsdaten öffnet die Zentralbank die Geldschleusen nicht weiter. Der Kampf gegen die Deflation könnte aber wegen des Ölpreisverfalls schwieriger werden.
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TokioJapans Zentralbank will trotz enttäuschender Wachstumsdaten die Geldschleusen vorerst nicht noch weiter öffnen. Das beschloss die Bank von Japan (BoJ) am Mittwoch. Angesichts des jüngsten Preisverfalls beim Öl herrschen in Marktkreisen zunehmend Bedenken, dass der Kampf der Zentralbank gegen die jahrelange Deflation mit stetig fallenden Preisen komplizierter werden könnte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte dagegen kürzlich wegen einer auch in Europa drohenden Deflation den Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen im Umfang von gut 1,1 Billionen Euro angekündigt.

In den USA deutet sich indes eine Zinserhöhung an. Noch allerdings hält die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am historisch niedrigen Leitzins fest. Die niedrige Inflation lässt manche Experten bezweifeln, ob sich daran so schnell etwas ändert.

Japans Zentralbank strebt ein Inflationsziel von 2,0 Prozent an. Zwar senkte sie angesichts des Ölpreisverfalls kürzlich ihre Inflationserwartung für das am 1. April beginnende neue Steuerjahr von 1,7 Prozent auf 1,0 Prozent. Die Notenbank ist dennoch zuversichtlich, das Ziel im Verlauf des kommenden Fiskaljahres zu erreichen.

Billigeres Öl sei für das rohstoffarme Japan letztlich gut und könne langfristig helfen, dass die Preise anziehen, hatte Zentralbankchef Haruhiko Kuroda kürzlich erklärt. Die BoJ hatte erst Ende Oktober die geldpolitischen Zügel überraschend weiter gelockert.

Derweil hoben die Währungshüter ihre Einschätzung der Exportlage und Industrieproduktion an. Die Nachfrage aus Übersee wie auch die Bereinigung der Lagerbestände hätten dazu beigetragen, dass die Ausfuhren wie auch die Produktion gestiegen seien, erklärte die BoJ. Insgesamt habe die japanische Wirtschaft ihre moderate Erholung fortgesetzt.

Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, so die Notenbank. Allerdings gebe es Risikofaktoren für Japans Wirtschaft. Dazu zählten die Schuldenkrise sowie niedrige Inflation in Europa wie auch der Verlauf der wirtschaftlichen Erholung in den USA.

Japan war nach einer Anhebung der Mehrwertsteuer zum 1. April vergangenen Jahres in eine Rezession gerutscht, konnte diese aber im Schlussquartal 2014 wieder überwinden. Allerdings fiel das Wachstum mit einer hochgerechneten Jahresrate von 2,2 Prozent deutlich schwächer aus als von Ökonomen erwartet. Dies zeigt nach Ansicht von Analysten, wie schwierig es für Regierung und Zentralbank ist, das Land aus der 20-jährigen Stagnation herauszuholen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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