Bericht: OECD fordert von China mehr Sozialausgaben

Bericht
OECD fordert von China mehr Sozialausgaben

Chinas Aufstieg scheint unaufhaltsam. Das Reich der Mitte ist dabei, Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abzulösen. Deutschland macht es den Titel als Exportweltmeister streitig. Schon 2015 könne es gar die USA als größten Produzenten von Industriegütern ablösen, heißt es in einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der am Dienstag in Peking vorgestellt wurde. Doch der neue Wirtschaftsriese hat eine Achillesferse
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PEKING. Die mangelnde soziale Absicherung zwingt die Chinesen zum Sparen und behindert die Entwicklung des Konsumsektors, so die OECD. China müsse mehr in das Gesundheitswesen und die Erziehung stecken, fordern die OECD-Experten. Das sei Voraussetzung für eine serviceorientiertere und produktivere Wirtschaft. Nur mit höheren Sozialausgaben könnten die hohe Sparrate gesenkt und der heimische Konsum angekurbelt werden. "Zudem würden damit auch die Ungleichgewichte im Außenhandel ausgeglichen", warb Autor Richard Herd bei der Vorstellung des Berichts.

Die Chinesen halten ihr Geld für Medizin und Rente zusammen

In China ist die Sparquote der privaten Haushalte mit 20 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) dreimal so hoch wie im Schnitt der OECD-Staaten. Die Chinesen halten ihr Geld zusammen, da sie in Krankheitsfällen meist Operationen und Medikamente selber zahlen müssen und auch im Alter auf sich allein gestellt sind. Nur sieben Prozent der Chinesen haben bisher eine Krankenversicherung.

Die Regierung steuert jetzt allerdings um: Sie will ein Versicherungssystem aufbauen, das 85 Prozent der Bevölkerung abdeckt. Es wird zwar nur eine einfache Grundversorgung bereitstellen, Peking will aber auch dafür sorgen, dass Ärzte besser ausgebildet und Krankenhäuser mit modernen Geräten ausgestattet werden. Außerdem sollen steigende Zigarettenpreise die Volksgesundheit verbessern - jeder dritte Raucher der Welt ist Chinese.

Es sei an der Zeit, die eingeleiteten Reformen nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch im Bildungsbereich und bei der Rente stärker voranzutreiben, mahnen die OECD-Experten.

"Mehrausgaben für eine bessere Ausbildung können helfen, die Produktivität zu verbessern und die starken Ungleichgewichte zu reduzieren", empfehlen sie. Um den Millionen von Wanderarbeitern die Jobsuche zu erleichtern und ihren Zugang zum Sozialsystem zu verbessern, müsse das strenge chinesische Meldesystem (Hukou) schrittweise abgeschafft werden. Es stammt noch aus Maos Zeiten und teilt das Volk nach Geburtsort in Stadt- und Landbewohner auf. Wer auf der Suche nach Arbeit in die Stadt zieht, hat dort keine Anrechte auf staatliche Unterstützung.

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