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Beruhigung der Finanzkrise: Banken zahlen EZB 137 Milliarden Euro zurück

Mehr als die Hälfte der beteiligten Banken zahlen der EZB noch vor Ablauf der Frist Geld zurück, insgesamt 137 Milliarden - mehr als von Analysten erwartet. Das liegt jedoch nicht nur an der abflauenden Finanzkrise.

Mit der Beruhigung der Finanzkrise beginnen erste Banken aus der Euro-Zone sich wieder vom Tropf der Europäischen Zentralbank (EZB) zu lösen. Quelle: SAP/dpa
Mit der Beruhigung der Finanzkrise beginnen erste Banken aus der Euro-Zone sich wieder vom Tropf der Europäischen Zentralbank (EZB) zu lösen. Quelle: SAP/dpa

FrankfurtMit der Beruhigung der Finanzkrise beginnen erste Banken aus der Euro-Zone sich wieder vom Tropf der Europäischen Zentralbank (EZB) zu lösen. Wie die EZB am Freitag in Frankfurt mitteilte, wollen kommende Woche 278 Institute die erste Gelegenheit nutzen und insgesamt 137,2 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen. Damit geben mehr als die Hälfte der beteiligten Häuser zur vorzeitigen Ablösung entschlossen.

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Das Geld hatten sie sich Ende 2011 von ihr beim ersten von zwei je drei Jahre laufenden Refinanzierungsgeschäften geliehen. Für die EZB beginnt damit der schrittweise Ausstieg aus ihren zahlreichen Krisenmaßnahmen, mit denen sie viele angeschlagene Banken seit Jahren päppelt. Von Reuters befragte Analysten und Geldmarktexperten hatten damit gerechnet, dass zunächst rund 100 Milliarden Euro an die Zentralbank zurückfließen.

So ist die Bankenaufsicht organisiert

  • Nationale Behörden

    Bei der Kontrolle der Banken in Europa sind derzeit in erster Linie die nationalen Behörden entscheidend.

  • EBA

    Seit Anfang 2011 gibt es auf europäischer Ebene zwar die EBA (European Banking Authority) in London. Die Behörde hat allerdings kaum Durchgriffs- und Weisungsrechte.

  • Bafin und Bundesbank

    In Deutschland sind die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und die Deutsche Bundesbank für die Überwachung verantwortlich. Die Notenbank ist für die operative Aufsicht zuständig, die Bafin übernimmt die Verantwortung für die hoheitlichen Maßnahmen.

  • EZB

    Nach einem Beschluss des Euro-Gipfels vom Juni soll es künftig eine mächtige europäische Aufsicht geben, und zwar von der Europäischen Zentralbank (EZB).

Welche Banken das Geld zurückgeben, blieb zunächst unklar. Einige Institute, etwa die Commerzbank oder die britische Lloyds, haben bereits angekündigt, zunächst einen Teil des geliehenen Geldes an die EZB zurück zu überweisen. Die Institute nutzen die Option, bereits nach einem Jahr das Geld zurückzugeben, da inzwischen mehr und mehr Banken wegen der abflauenden Krise wieder auf anderen Wegen und billiger als bei der Zentralbank an frische Liquidität kommen. Die EZB hatte im Dezember 2011 und Februar 2012 zusammen gut eine Billion Euro ausgereicht, um Probleme an den Geldmärkten zu lindern.

Krisen-Zitate „Bald kauft die EZB auch alte Fahrräder"

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Während sich die Lage der Geldhäuser in den Kernländern der Währungsunion seitdem deutlich gebessert hat, ist es etwa für griechische Banken nach wie vor kaum möglich, auf dem freien Geldmarkt an Mittel zu kommen. Insgesamt gesehen hat sich die Lage am Geldmarkt in den zurückliegenden Monaten spürbar entspannt, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi im Juli erklärt hatte, den Euro und die Euro-Zone mit allen Mitteln verteidigen zu wollen. Mit der Rückzahlung, die von nun an Woche für Woche möglich ist, sinkt die in der Krise aufgeblähte Bilanzsumme der EZB. Zugleich dürfte auch der für den Interbankenmarkt wichtige Referenzzinssatz EONIA schrittweise steigen, weil weniger Liquidität zirkuliert und die Überschussliquidität sinkt.

EZB-Anleihe-Programm zur Lösung der Euro-Krise

  • Mehr Transparenz

    Die EZB hatte im Mai 2010 nach einem Wochenende hektischer Rettungsaktionen der Euro-Staaten für Griechenland spontan ein Anleihekaufprogramm beschlossen. Die Konditionen des „Securities Market Programme (SMP)“ blieben weitgehend im Dunkeln. Die EZB gab lediglich im Nachhinein wöchentlich bekannt, welche Summen an Staatspapieren aus dem Markt genommen wurden, ohne dabei die Länder zu nennen. Zu beobachten war im Handel aber, dass die Zentralbank zunächst Griechenland und dann Irland und Portugal stützte, die unter den Rettungsschirm EFSF geschlüpft waren. Im Sommer 2011 folgten Spanien und Italien. Das Interventionsvolumen von SMP beläuft sich auf 209 Milliarden Euro.

  • Verzicht auf Limits

    So wie unter dem alten Programm nennt die EZB unter dem neuen Plan namens OMT („Outright Monetary Transactions“) vorab keine Summe über mögliche Anleihekäufe. Mit dem Verzicht auf ein Limit signalisiert die Zentralbank, dass sie einen langen Atem hat. Die Notenbank will sich bei den Laufzeiten der betroffenen Staatspapiere auf eine Spanne von einem Jahr bis drei Jahren beschränken. Begründet wird das mit dem Ziel des Programms: Der EZB geht es nicht darum, die Anleihezinsen zu drücken, um den Regierungen die Staatsfinanzierung zu verbilligen.

  • Niedrige Zinsen kommen nicht beim Verbraucher an

    Sie begründet ihr Eingreifen damit, dass die hohen Zinsen auf Staatspapiere indirekt die Kreditzinsen für die Verbraucher nach oben treiben. Der rekordtiefe Leitzins der Notenbank von 0,75 Prozent komme bei den Bankkunden nicht an. Die Übertragung der auf stabile Preise zielenden Geldpolitik sei damit gestört. Als Zeitraum für das Durchwirken der Leitzinsen auf die Marktzinsen veranschlagt die Zentralbank etwa drei Jahre.

  • Keine Hilfe ohne Spar- und Reformprogramm

    Als Lehre aus der Hilfsaktion für Italien will die EZB in Zukunft nur den Ländern unter die Arme greifen, die den Rettungsfonds EFSF und seinen Nachfolger ESM um Hilfe bitten. Es kann sich dabei um ein umfangreiches Hilfsprogramm zu Staatsfinanzierung handeln oder um vorbeugende Kreditlinien bei ersten Finanzierungsengpässen. Die Regierungen müssen sich als Gegenleistung zu einem strikten Spar- und Reformprogramm verpflichten. Im vergangenen Jahr hatte die italienische Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi die Reformbemühungen gedrosselt, als die Zinsen dank EZB-Anleihekäufen sanken. Die EZB wird künftig im Nachhinein bekanntgeben, von welchen Ländern sie Staatsanleihen gekauft hat.

  • EZB verzichtet auf Privilegien

    Bisher genoss die EZB einen bevorzugten Gläubigerstatus. Damit würde die Notenbank bei einem Ausfall von Anleihen entschädigt, während viele Privatanleger Verluste hinnehmen müssen. Das wirkt abschreckend auf private Anleihekäufer und erschwert die angestrebte Entspannung bei den Zinsen. Die EZB will deshalb künftig auf das Privileg verzichten. Sie muss deshalb so wie die beteiligten nationalen Notenbanken im Pleitefall Verluste hinnehmen.

  • Inflationsbremse bleibt angezogen

    Wie bisher will die EZB verhindern, dass durch den Aufkauf von Staatsanleihen die Geldmenge wächst, weil den bisherigen Besitzern der Anleihen frisches Geld zufließt. Die Notenbank erreicht das, indem sie die Anleihekäufe neutralisiert. Über ihre Geldmarktgeschäfte entzieht die EZB den Banken das Geld, das sie zuvor für Staatsanleihen neu geschaffen hat.

Die beiden drei Jahre laufenden Refinanzierungsgeschäfte der EZB sind Bestandteil eines Rundum-sorglos-Pakets der Notenbank für die Geschäftsbanken der Währungsunion. Diese erhalten von ihr Woche für Woche bei den regulären Refinanzierungsgeschäften zudem unbegrenzt Geld zum Leitzins von 0,75 Prozent. Außerdem hat die Notenbank seit Anfang 2012 die Mindestreservepflicht für die Institute von zwei auf ein Prozent ihrer Einlagen gesenkt und verlangt von den Geldhäusern im Gegenzug für Liquidität nur noch Sicherheiten von deutlich niedrigerer Qualität als vor der Krise. Mit all diesen Maßnahmen will die EZB die Banken flüssig halten und eine Kreditklemme verhindern.

Alles zu den neuen Euro-Scheinen

  • Eine Mammutaufgabe

    Derzeit sind Fünf-Euro-Scheine im Wert von 7,7 Milliarden Euro im Umlauf. Bei einem Gesamtbestand von rund 900 Milliarden Euro in Papiergeld sollen die Zehner, Zwanziger, Fünfziger, Hunderter, Zweihunderter und Fünfhunderter erst in den Jahren darauf folgen.

  • Grund des Austauschs

    Fälschern soll das Handwerk schwerer gemacht und die zuletzt im Juli veröffentlichte Falschgeld-Bilanz der EZB verbessert werden. Die kann sich sehen lassen: Im ersten Halbjahr wurden 251.000 gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr gezogen, 15,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zur gleichen Zeit waren 14,6 Milliarden echte Banknoten in Umlauf.

  • Neue Sicherheitsmerkmale

    Drei neue Sicherheitsmerkmale hat Draghi bereits verraten: Der aufgedruckte Wert des Geldscheins ändert seine Farbe beim Kippen von Smaragdgrün in tiefes Blau, und für das Wasserzeichen und das Hologrammporträt wurde als Motiv die griechische Mythenfigur Europa gewählt.

  • Die Kosten

    Die Merkmale der neuen Fünf-Euro-Banknoten seien hochmodern - und „deshalb geringfügig teurer zu produzieren als die alten, die im Durchschnitt weniger als acht Cent gekostet haben“, heißt es in der EZB. Weil die neuen Scheine aber länger haltbar sein sollen, sei die Kostensteigerung „insgesamt sehr begrenzt“.

  • Hier wird gedruckt

    Die Druckaufträge für die Produktion der verschiedenen Stückelungen verteilen die Nationalen Zentralbanken untereinander. Wer keine eigene Druckerei besitzt wie etwa die Bundesbank, vergibt die Aufträge. Wer eine eigene Druckerei hat, ist dazu nicht verpflichtet.

  • 30.01.2013, 10:19 UhrMazi

    Im Artikel heißt es:
    "Bafin und Bundesbank
    In Deutschland sind die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und die Deutsche Bundesbank für die Überwachung verantwortlich. Die Notenbank ist für die operative Aufsicht zuständig, die Bafin übernimmt die Verantwortung für die hoheitlichen Maßnahmen."

    Die BaFin führt aus:
    "Der Verwaltungsrat überwacht die Geschäftsführung der Bundesanstalt und berät sie bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Außerdem entscheidet er über das Budget der BaFin, das ausschließlich von den beaufsichtigten Unternehmen finanziert wird und damit nicht zum Bundeshaushalt gehört."
    ...
    "Die beaufsichtigten Kreditinstitute entsenden fünf, die Versicherungsunternehmen vier und die Kapitalanlagegesellschaften einen Vertreter."

    Soweit zur Unabhängigkeit und dem Wert der Aufsicht.

  • 26.01.2013, 10:00 UhrLuetzower-Jaeger

    Lesart:
    Wenn Banken von 1 Billion Schulden ca. 137 Mrd tilgen ist das dann ein Erfolg oder nur eine 13,7% Tilgung? Wo hat sich bei dieser Meldung bloss die Brisanz für die EUR Pyramiden-Krise versteckt?

  • 25.01.2013, 22:12 UhrDr.NorbertLeineweber

    Draghi ist der gefährlichste Notenbanker aller Zeiten. Das ist jetzt in der Tat der totale Draghi.

    Die Ankündigung Draghis die Staatsschulden durch die Notenpresse zu finanzieren ist damit unmittelbar gegeben. Im ESM sind Rettungsgelder, die quasi oberfaul und uneinbringbar sind. Und gleichwohl wird der ganze Schrott aufgekauft. Die EZB hat den Zirkus um Davos geschickt genutzt um die fundamentalste Entscheidung der letzten beiden Jahre fast klammheimlich durchzudrücken. Ab sofort sagt auch der Leineweber: Die Notenpresse wird zur Finanzierung der Staatshaushalte eingesetzt. Das war bis heute noch nicht klar, vgl. fortunanetz 22. August 2012. Jetzt sind alle Dämme gebrochen.
    Dass die Meldung einer läppischen Rückzahlung der einen Billion lanciert wurde ist unfassbar. Und kein Journalist merkt`s!

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