BIP wächst um 0,6 Prozent
„Aufschwung ohne Ende“

Die deutsche Wirtschaft beschleunigt ihr Wachstum: Höhere Investitionen, steigende Konsumausgaben und mehr Exporte trieben das Bruttoinlandsprodukt zwischen Januar und März um 0,6 Prozent zum Vorquartal in die Höhe.
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WiesbadenDeutschlands Wirtschaft brummt: Ihr Wachstum hat sich im ersten Quartal trotz außenpolitischer Risiken beschleunigt. Höhere Investitionen, steigende Konsumausgaben und mehr Exporte ließen das Bruttoinlandsprodukt zwischen Januar und März um 0,6 Prozent zum Vorquartal zunehmen. Das ist der größte Zuwachs seit einem Jahr, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit diesem Ergebnis gerechnet. Im vierten Quartal 2016 war das Plus mit 0,4 Prozent kleiner ausgefallen. „Die deutsche Wirtschaft ist weiter auf Wachstumskurs“, erklärten die Statistiker. Sie trotzte damit der Unsicherheit nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump und dem näher rückenden EU-Austritt Großbritanniens.

Impulse kamen zu Jahresbeginn sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland. „Die Investitionen legten kräftig zu“, betonte das Statistikamt. Sowohl in Bauten als auch in Ausrüstungen wie Maschinen sei „deutlich mehr“ gesteckt worden, wozu niedrige Zinsen beigetragen haben dürften. Auch Verbraucher und Staat gaben etwa mehr aus. Da die steigende Inflation an der Kaufkraft der Konsumenten nagt, dürfte das Geld bei ihnen nicht mehr ganz so locker gesessen haben wie zuletzt. Wegen der besseren Weltkonjunktur wuchsen die Exporte stärker als die Importe, was ebenfalls die Konjunktur anschob. Wichtige Kunden wie die Euro- und große Schwellenländer befinden sich derzeit im Aufwind. Details will das Statistikamt am 23. Mai nennen.

„Das ist der erhoffte Jahresstart“, kommentierte DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben. „Mit dem recht kräftigen Wachstum von 0,6% erfüllen sich die positiven Geschäftserwartungen der Unternehmen zu Jahresbeginn. Dabei sind allerdings einige Sonderfaktoren zusammengekommen. Die Wirtschaft profitiert weiterhin von einem Doping durch niedrige Zinsen, günstiges Öl und einen exportfördernden Wechselkurs. Die zahlreichen globalen Unwägbarkeiten bremsen das Wachstum bisher kaum, so dass sich die Weltkonjunktur und die deutschen Exporte erholen konnten.“

Chefvolkswirt Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe sprach von einem „Aufschwung ohne Ende“. „Dass er von allen Seiten positive Impulse bekommen hat, zeigt, dass er auf einem breiten Fundament steht“, sagte Krüger. Allerdings würde die Konjunktur ohne das für Deutschland unangemessen tiefe Zinsniveau weniger brummen. „Da sich daran vorerst jedoch nichts ändern wird, dürften die Lobeshymnen auf den deutschen Aufschwung anhalten“, sagte Krüger. „Das Wachstum ist jetzt breiter abgestützt, was eine äußerst erfreuliche Nachricht ist“, sagte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. „Die Hoffnung steigt, dass es zu einem sich selbstverstärkenden Aufschwung kommt.“

Deutschland wächst damit schneller als die beiden anderen großen Volkswirtschaften der Euro-Zone: Frankreich schaffte nur ein Plus von 0,3 Prozent zum Jahresauftakt, für Italien dürfte es nach Prognose der dortigen Notenbank sogar nur zu 0,2 Prozent reichen. Die Euro-Zone insgesamt erzielte 0,5 Prozent. Für dieses Jahr rechnet die EU-Kommission mit einem Wachstum in Deutschland von 1,6 Prozent. 2016 waren es noch 1,9 Prozent – allerdings zählte das vorige Jahr auch drei Arbeitstage mehr. „Es wird ein gutes Jahr für die deutsche Wirtschaft“, erwartet Ökonomin Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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    Wie wäre es, wenn die Wirtschaft mal die aktuellen Entlastungen der Wirtschaft (geringere Finanzierungskosten, günstigere Exportbedingungen wegen EURO-Verfall, Steueroptimierung über Off Shore-Konstrukte ...) und das weitere Pampern der Finanzwirtschaft loben und die Belastung von Sparern und Rentnern kritisieren würde? Stattdessen singen sie inbrünstig das hohe Lied des Leistungsprinzips und setzen bei Familienunternehmern eine der sozialen Gerechtigkeit widersprechende Erbschaftssteuerreform durch. Nur: Erben ist keine Leistung! Eine Erbschaft ist ein "unverdientes" Vermögen! Unglaubwürdig!
    Postfaktische Welt?Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @ Lothar dM12.05.2017, 09:58 Uhr

    "Deutschland ist Exportweltmeister und hat gleichzeitig die höchsten Abgabenquoten in der Welt ... und fast niemand checkt diesen Widerspruch."

    Ein ehemaliger deutscher Aussenminister, der vor seiner politischen Laufbahn auch mal gerne Steine warf, soll folgenden Ausspruch getätigt haben:

    „Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas sind.
    Das wird immer wieder zu ‘Ungleichgewichten’ führen.
    Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal, wofür. Es kann auch radikal verschwendet werden – Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet.”

    Man kann davon ausgehen, daß die Politik sich des "deutschen Problems" bewusst ist - im Gegensatz zu den steuer- und abgabenzahlenden Bürgern.

  • Der Aufschwung ist offensichtlich - trotz (oder gerade wegen?) Mindestlohn, Frauenquote, Rente mit 63 etc. und ohne TTIP/CETA/TISA - bei der Wirtschaft angekommen. Und für die Rentner wird für 2017 eine Reduzierung der fälligen Rentensteigerung um rd. 50% angekündigt!
    Aber die sog. Wirtschaftsweisen und auch die Arbeitgeberverbände beklagen weiterhin die o.g. Errungenschaften, vermissen eine stärkere Wirtschaftsorientierung der Politik und warnen vor einer Politik der sozialen Gerechtigkeit, wie sie Martin Schulz angekündigt hat. Einerseits kritisieren sie aber, dass diese Politik noch gar nicht mit Inhalten gefüllt sei, andererseits beziffern sie dessen Kosten aber schon präzise mit über 30 Mrd. EUR. Unglaubwürdig! Unseriös! Hinterfotzig! Brauchen wir diese Verbände und diese Weisen noch? Und kürzlich bescheinigte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) dem Mindestlohn dreist eine verheerende Wirkung, obwohl doch die prognostizierten Jobverluste nicht eingetreten sind! Und die Wirtschaft fordert wieder mal Steuerentlastung, läßt aber andererseits weiterhin Menschen unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns beschäftigen! Schäbig und gierig! Und Schäuble konterkariert den Mindestlohn durch laxe Kontrollen.
    Da findet durch die aktuelle EZB-Politik ("Fluten der Finanz-Märkte mit frischem Geld") die größte Umverteilung zu Lasten von Sparern und Rentnern seit der Währungsreform von 1948 statt, und die Wirtschaft, wirtschaftsnahe Politikkreise und die sog. Wirtschaftsweisen warnen: aber nicht vor einer Verarmung von Sparern und Rentnern, sondern vor "weiteren" Belastungen der Wirtschaft (Mindestlohn, Beseitigung von Rentenungerechtigkeiten, Frauenquote, Mietpreisbremse ...), vor einer Sozialdemokratisierung ihrer Wirtschafts-Partei CDU (Hinweis für die SPD: und wenn Sie sich noch so verrenken, die Stimmen der Arbeitgeber können Sie vergessen!).
    Aber: Die deutsche Wirtschaft wächst wie seit Jahren nicht mehr! Wie wäre es, wenn die Wirtschaft mal die...

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