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Brandbrief: Mitarbeiter schämt sich für den IWF

20 Jahre Jahre war Peter Doyle Ökonom beim Internationalen Währungsfonds. Jetzt wirft er hin – und rechnet in einem Brandbrief ab: Der IWF habe in der Eurokrise versagt. Auch Direktorin Lagarde bekommt ihr Fett weg.

Ein Mitarbeiter kehrte dem IWF den Rücken - und hinterließ einen Brandbrief. Quelle: AFP
Ein Mitarbeiter kehrte dem IWF den Rücken - und hinterließ einen Brandbrief. Quelle: AFP

WashingtonEs ist geballter Frust auf 30 Zeilen. „Nach 20 Jahren Dienst“, schreibt der Ökonom Peter Doyle in seinem Brandbrief, „schäme ich mich dafür, jemals mit dem Fonds etwas zu tun gehabt zu haben“.

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Gemeint ist sein Arbeitgeber, der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington, und Doyle lässt kein gutes Haar an ihm. Der IWF habe Warnungen vor der Eurokrise unterdrückt und er versage, weil er zu europäisch ausgerichtet sei. Deshalb, so Doyle, werde er die Institution verlassen.

Lösungsideen Ökonomen warnen vor „Krisen-Propaganda“

Die Politik kommt nur im Schneckentempo voran. Der Fonds dringt auf rasche Lösungen.

Der Brief, den der US-Nachrichtensender CNN am Freitag dokumentierte, datiert auf den 18. Juni und ist an den Chef des Exekutivdirektoriums gerichtet, Shakour Shaalan. Und er ist eine Komplett-Abrechnung.

So sei es etwa „ein Fehler erster Klasse“ des IWF gewesen, nicht vor den Gefahren der aufziehenden Krise zu warnen, schreibt Doyle. Die Folge: „Leid für viele“, darunter Griechenland. Wegen der Unfähigkeit des IWF stehe nun der Euro als zweite globale Reservewährung am Abgrund, während der Fonds den Entwicklungen nur noch hinterherlaufen könne.

IWF und Weltbank

Doyle gilt beim IWF ein geschätzter Ökonom, berichtete CNN unter Berufung auf Mitarbeiter. Laut „Wall Street Journal“ ist er als Berater in der Europa-Abteilung tätig und an der Überwachung der Hilfsprogramme für Griechenland, Portugal und Irland beteiligt.

Zuvor war Doyle demnach als Divisionschef fest angestellt und für Nicht-Euro-Länder Schweden, Dänemark und Israel zuständig. Sein Positionswechsel zum Berater fällt laut WSJ zusammen mit der Restrukturierung der Abteilung, wodurch viele Mitarbeiter durch Außenstehende ersetzt wurden. Doyle will den IWF offenbar im Herbst verlassen.

Warum der IWF so wichtig ist

  • Was ist der IWF?

    Der Internationale Währungsfonds (IWF), der zusammen mit den EU-Staaten zur Rettung der Staatsfinanzen der Euro-Wackelkandidaten einspringen soll, ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er wurde zusammen mit der Weltbank im Juli 1944 bei der Währungskonferenz in Bretton Woods im US-Staat New Hampshire gegründet.

  • Wer sind die Mitglieder im IWF?

    Dem IWF mit Hauptsitz in Washington (englisch: IMF für International Monetary Fund) gehören heute 186 Staaten an. Das Stimmrecht der Mitgliedsländer richtet sich nach ihrem Kapitalanteil. Dementsprechend zählen die USA (mit 16,77 Prozent), Japan (6,02 Prozent) oder auch Deutschland (5,88 Prozent) zu den Schwergewichten des IWF. Gambia hingegen kommt auf nur 0,03 Prozent und Haiti auf 0,05 Prozent.

  • Welche Aufgabe hat der IWF?

    Hauptaufgabe ist die Wahrung einer stabilen Währungsordnung. Dazu zählt vor allem auch die Verhinderung von Finanzkrisen - wie etwa 1994/1995 in Mexiko oder 1997/1998 in Asien

  • Welchen Staaten hat der IWF in den letzten Jahren geholfen?

    In der jüngeren Vergangenheit griff der IWF auf Ersuchen der jeweiligen Regierungen beispielsweise in der Ukraine, Island, Ungarn, Pakistan und eben auch im Euro-Staat Griechenland ein. Für die betroffenen Staaten ist das mit strengen Auflagen für die Sanierung ihrer Finanzen verbunden.

  • Wer leitet den IWF?

    An der Spitze des Internationalen Währungsfonds steht traditionell ein Europäer. Dagegen wird die Weltbank von einem Amerikaner geführt. Bislang einziger deutscher IWF-Direktor war Horst Köhler. Er hatte das Amt inne, bevor er 2004 zum Bundespräsidenten gewählt wurde.

  • 22.07.2012, 10:40 UhrJosef_Landmann

    Liebe Foristen,
    fällt Ihnen auch auf, dass wir in Europa "standardisiert" werden? Wir sollen europäisch denken, man hat uns den Euro aufgezwungen, man zwingt uns diese manipulierten Einheitsnachrichten auf, man erstickt eigenständiges Denken bereits mit dem Smartphone im Keim. Lesen Sie sich doch bitte die Teilnehmerliste der Bilderberger durch und bilden Sie sich eine eigene Meinung.

  • 21.07.2012, 17:56 Uhrmargrit117888

    malvin
    Sie haben Recht.
    Hier geht gehörig was schief.
    Deutschland ist in keiner europ. oder Welt-Institution präsent, aber zahlen sollen wir.
    Hier stimmt gewaltig was nicht und zeigt auch deutlich, dass Merkel ganz bewußt dass deutsche Volk verrät und verkauft.
    Denn Merkel selbst verhindert die Besetzung mit Deutschen

  • 21.07.2012, 16:48 Uhrnetshadow

    Wir brauchen deutlich mehr kritische, hinterfragende Bürger, von ganz "unten" an.
    Die Piraten bekommen genau deshalb Stimmen, weil sie für Transparenz stehen. Sogar ohne viel Presseaufhebens machen diese in den Kommunen ihre Arbeit. Zum Beispiel in Münster/W.
    Es müssen bessere Onlinesysteme der Rathäuser geschaffen werden, um anstehende Beschlüsse, Bauvorhaben, Interessenabnickerei, Ampel an Wilhelm-Busch-Str. 25, Flugschneisen etc. schnell einsehen zu können. Wer stimmt wofür, was ist das da für ein Pappenheimer in Reihe 3 vom Rathaus? Genauso für die Länderparlamente.
    Es gibt ein Informationsgesetz, wonach Behörden bestimmte Dokumente offenlegen müssen. Leute, die das anfordern werden vertröstet, beruflich kalt gestellt.
    Der Bürger läuft vor Gummiwände bei Behörden, die sich selbst erhalten zu suchen.
    Gemeinden mit kritischen Bürgern haben weniger Schulden. Ja, es gibt sogar welche ganz ohne Schulden, und die haben trotzdem ein Schwimmbad.
    Was soll dieser Mist mit HartzIV bundesweit zum Beispiel. Jede Kommune weiss selbst wie sie ihre Nachbarn untersützen muß, damit sie sich als vollwertige Mitglieder fühlen, auch wenn sie arbeitslos und krank sind. Dafür genügen Richtlinien.
    Wir sind in der schon bestehenden Informationsgesellschaft noch nicht angekommen, könnten damit aber so manchen egoistischen Lobbyisten kippen, und unfähigen Abgeordneten sowieso.
    Zur Demokratie gehört auch die Mitbestimmung bei Strukturen, deren Modifikation und deren Schaffung, und damit auch Änderungen.

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