Bruttoinlandsprodukt
Japans Wirtschaft wächst überraschend stark

Zum zweiten Mal in Folge meldet die japanische Regierung ein Wirtschaftswachstum. Hintergrund dafür sind vor allem Veränderungen auf dem Immobilienmarkt. Doch auch die Höhe der Löhne spielt eine Rolle.
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TokioDie japanische Wirtschaft hat die USA und die Euro-Zone zu Jahresbeginn abgehängt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltweit drittgrößten Volkswirtschaft wuchs von Januar bis März mit einer unerwartet hohen Jahresrate von 2,4 Prozent, wie die Regierung am Mittwoch in Tokio mitteilte.

Das ist mehr als doppelt so viel wie Ende 2014. Die USA schafften nur ein Plus von 0,2 Prozent, die Euro-Zone von 1,6 Prozent. Allerdings sehen die meisten Experten den Aufschwung noch längst nicht in trockenen Tüchern, da die Japaner ihren privaten Konsum kaum erhöhten und die Unternehmen bei Investitionen knausern.

„Das Wachstum sieht auf den ersten Blick gut aus“, sagte der Chefvolkswirt des Instituts Dai-ichi, Yoshiki Shinke. "Aber es gibt nicht viel zu jubeln." Der größte Beitrag zum kräftigen Wachstum kam von den Lagerbeständen. Die Unternehmen produzierten zwar mehr, was das BIP ankurbelte.

Aber ein großer Teil davon wurde noch gar nicht verkauft, sondern stapelt sich in den Lagern. "Ohne den Lagereffekt wäre das Wachstum mit 0,7 Prozent recht mager ausgefallen", sagte der Chefökonom des Norinchukin-Instituts, Takeshi Minami. Der hohe Lagerbestand könnte sich noch als Konjunkturbremse erweisen. Die Unternehmen dürften erst einmal bestrebt sein, ihre Bestände abzubauen, ehe sie die Produktion hochfahren.

Die privaten Konsumausgaben, die etwa 60 Prozent des BIP ausmachen, stiegen lediglich um 0,4 Prozent. Die Investitionen legten ebenfalls in dieser Größenordnung zu und wuchsen damit nur halb so stark wie erwartet. Wirtschaftsminister Akira Amari forderte die Unternehmen auf, mehr zu riskieren und zu investieren. "Es ist wichtig, dass die Manager ihre deflationäre Mentalität ablegen", sagte er. "Was die Stimmung angeht, so hat Japan die Deflation noch nicht hinter sich."

Die Wirtschaft litt jahrelang unter fallenden Preisen auf breiter Front, was Umsätze und Löhne drückte. Um diese Deflation zu beenden, pumpt die Zentralbank viel billiges Geld in den Markt. Das schwächt auch die heimische Währung, wodurch japanische Produkte auf wichtigen Exportmärkten billiger werden.

Die Zentralbank entscheidet am Freitag das nächste Mal über ihre Geldpolitik. Experten gehen nicht davon aus, dass sie von ihrem Kurs abrückt. (geschrieben Rene Wagner, redigiert von Christian Krämer; bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1312 oder 030-2888 5168.)

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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