_

Bundesbankpräsident: Weber geißelt Käufe von Anleihen

Die EZB hat bereits für 35 Mrd. Euro Staatsanleihen aufgekauft. Grund genug für Bundesbankpräsident Axel Weber, die Kritik an dem Programm zu verschärfen. Der Konflikt mit EZB-Chef Jean-Claude Trichet spitzt sich zu.

Axel Weber findet deutliche Worte. Quelle: Reuters
Axel Weber findet deutliche Worte. Quelle: Reuters

PARIS/FRANKFURT. Bundesbankpräsident Axel Weber hat gefordert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Ankauf von Staatsanleihen so schnell wie möglich wieder beendet. „Die Operation muss zielgenau und eng begrenzt umgesetzt werden“, forderte Weber am Montag in Mainz. Er stellte sich damit in Gegensatz zur offiziellen EZB-Linie, derzufolge die Käufe unlimitiert sind und so lange weitergehen sollen, wie der Anleihemarkt Funktionsstörungen aufweist. Weber kritisierte mit deutlichen Worten erneut, dass die EZB überhaupt Anleihen aufkauft. Der EZB-Rat hatte das gegen sein Votum beschlossen. „Die Geldpolitik hat in der Krisenbewältigung neue Wege eingeschlagen, die ich angesichts der damit verbundenen stabilitätspolitischen Risiken nach wie vor kritisch sehe“, sagte er.

Anzeige

Anleihen für 35 Mrd. Euro gekauft

Die EZB hat das Ankaufprogramm Anfang Mai im Zuge der griechischen Schuldenkrise beschlossen. Über den geplanten Gesamtumfang und Zeitrahmen der Aktion schweigt sie sich jedoch aus. Die EZB teilte am Montag aber mit, dass die im Euro-System zusammengeschlossenen 16 nationalen Notenbanken bisher Staatsanleihen im Wert von 35 Mrd. Euro gekauft haben. Damit hat das Volumen der Käufe Woche für Woche abgenommen, von 16,5 Mrd Euro in der ersten über zehn Mrd. Euro in der zweiten Woche auf 8,5 Mrd. Euro in der dritten Woche.

Weber forderte, der Kauf von Staatsanleihen im Sekundärmarkt dürfe eng gefasste Schwellenwerte nicht überschreiten. Die Operation solle enden, wenn die Finanzhilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds voll greifen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet verteidigte dagegen erneut die ungewöhnliche Maßnahme. Diese beeinflusse die geldpolitische Ausrichtung der Notenbank nicht, betonte der EZB-Chef. Weil die Zentralbank die Papiere auf dem Sekundärmarkt kauft, sieht Trichet auch keinen Verstoß gegen den Geist der europäischen Verträge. „Wir halten uns an die Prinzipien des Vertrags, der Preisstabilität, sowie die Unabhängigkeit der Zentralbank vorsieht“, sagte Trichet am Montag in Wien. Der EU-Vertrag verbietet der EZB, Staatsanleihen direkt von den emittierenden Staaten zu kaufen.

Der Präsident der Bank von Italien, Mario Draghi, assistierte Trichet. Wie Weber ist er Anwärter auf die Nachfolge von Trichet. Die Finanzstabilität sei akut in Gefahr gewesen sagte Draghi. Die Käufe würden eingestellt, sobald die Märkte von sich aus wieder die Anleihen der betroffenen Länder handelten. Auch das irische EZB-Ratsmitglied Patrick Honohan ging auf Gegenkurs zu Weber. Er bezeichnete die Anleihekäufe als wichtige neue Instrumente, die man bisher nicht benutzt habe. Die Entscheidung dies zu tun „war genau die richtige Art von prompter Initiative.“

Der Handel mit griechischen Staatsanleihen ist abseits der Käufe der EZB praktisch zum Erliegen gekommen. Seit Beginn des Ankaufsprogramms der EZB beträgt die Rendite zehnjähriger griechischer Anleihen, abgesehen von Schwankungen in den ersten Tagen, um die sechsdreiviertel Prozent, was einem Aufschlag gegenüber deutschen Anleihen von rund fünf Prozentpunkten entspricht.

Kontroverse um French Connection

Webers neuerlicher Protest gegen das EZB-Programm scheint einen von der Bundesbank offiziell zurückgewiesenen Bericht des „Spiegel“ vom Wochenende zu unterfüttern. Demzufolge herrscht in der Bundesbank große Unzufriedenheit darüber, dass unter dem französischen EZB-Chef mit dem Ankaufsprogramm vor allem französischen Banken geholfen werde, die sehr stark in Griechenland engagiert wären. Frankreichs Banken weisen jedoch eine Vorzugsbehandlung von sich. „Auch französische Banken haben der Regierung versprochen, ihre Griechenland-Engagements beizubehalten“, heißt es dazu in Pariser Finanzkreisen. Dieses Versprechen hatte Finanzministerin Christine Lagarde als Stabilisierungsbeitrag seitens der französischen Finanzwirtschaft Anfang Mai im Parlament ausdrücklich gelobt. Die Deutschen Banken waren eine ähnliche Selbstverpflichtung eingegangen.

Frankreichs Banken haben rund 57 Mrd. Euro an griechische Adressen ausgeliehen. Doch davon sind nur rund zwölf Mrd. Euro Staatsanleihen. Den größten Brocken machen Darlehen an griechische Unternehmen und Privatleute aus. So führt Crédit Agricole nur 800 Mio. Euro griechische Bonds in der Bilanz – dafür aber 25 Mrd. Euro Kredite; denn den Agrarbankern gehört mit Emporiki die fünftgrößte Bank Griechenlands. Von diesem Mühlstein befreit die Bank auch die EZB nicht.

  • 02.06.2010, 00:05 UhrAnonymer Benutzer: herbniza

    Hoppla, am Anfang sind nur 1000 Euro bargeld da, am Ende sind es 1800. ich glaube, der Axel ist doch ein pfiffiges Kerlchen ;-)

  • 01.06.2010, 14:12 UhrAnonymer Benutzer: Thomas

    Also wenn ich das lese zweifel ich ernsthaft an der Kompetenz des Herrn Weber.

    1. Deutsche banken könnten doch wie die französischen ihre positionen an die EZb verkaufen. Also die "French Connection" ist Schwachsinn Hoch 3 !!!

    2. Was soll falsch daran sein, wenn die EZb hier bereits EXiSTiERENDE Staatsanleihen aufkauft? (USA finanzieren so >50% ihres Haushaltsdefizites, UK>80%) die EZb Kauft nur bereits existierende Anleihen.
    --> Der Kauf von bereits existierenden Staatsanleihen unter Nennwert (EZb Kauft zu Kursen um die 70-90% je nach Zins und Laufzeit) entspricht einem "HAiRCUT" der investoren (Hier Französische banken). Der einzige Nachteil den ich sehe ist, dass hier ein massives Deflationsprogramm gestartet wurde.

    Hier mal einfach dargestellt warum DEFLATiON

    Status 1:(Vor anleiheemittierung)-->Marktbilanz 1000€
    Griechenland:bargeld: 0€//Schulden:0€
    investor:bargeld:1000€//Anlage:0€

    Status 2:(Nach anleiheemittierung)-->Marktbilanz 1000€
    Griechenland:bargeld: 1000€//Schulden:-1000€
    investor:bargeld:0€//Anlage:+1000€

    Status 3:(Nach EZb Kauf (80%))-->Marktbilanz 800€
    Griechenland:bargeld: 1000€//Schulden:-1000€
    investor:bargeld:800€//Anlage:0€
    EZb: bargeld:0€//Schulden:800€//Anlage:1000€-->EZb bilanz 200€

    Dem Markt wurden somit 200€ Entzogen (-->20% Deflation :-D)

  • 01.06.2010, 02:17 UhrAnonymer Benutzer: Drei Franzosen verzocken deutsche Gelder

    Drei Franzosen, Herr Sarkozy, Herr Trichet und Herr Strauss-Kahn verzocken die europäischen Gelder, dass die Schwarte kracht. Hauptnutzniesser: Französische banken. Hauptzahler: Die deutschen Steuerbürger. im Falle der EZb, die bald auch alte Fahrräder gegen Euro tauschen wird, wenn es so weiter geht, ist es unsere Einlage, die da verbraten wird. Von Frau Merkel dazu natürlich kein Piepser.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Über 90 Tote: Entsetzen über Massaker in Syrien

Entsetzen über Massaker in Syrien

Bei einem Massaker sind in Syrien mehr als 90 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter auch viele Kinder. Die entsetzte internationale Gemeinschaft fordert erneut ein Ende der Gewalt - doch das Blutvergießen geht weiter.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International