
FRANKFURT. Griechenlands Regierungschef Georgios Papandreou hat einen wesentlichen Mitschuldigen für die Krise seines Landes ausgemacht: Investoren, die mit Kreditausfallversicherungen (CDS) gegen die Bonität der Hellenen spekulieren. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde und Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker sind die CDS ein Dorn im Auge, und sie fordern Regulierungen.
Wie funktionieren CDS überhaupt?
Im Prinzip wie eine Versicherung. Ein Investor schützt sich vor dem Ausfall eines Schuldners und zahlt dafür an einen anderen Investor eine Prämie. Die wird in Basispunkten ausgedrückt. Eine Prämie von zum Beispiel gestern 297 Basispunkten für einen fünfjährigen CDS-Schutz auf Griechenland bedeutet, dass ein Investor für den Schutz fünf Jahre lang 2,97 Prozent der zu versichernden Summe als CDS-Prämie zahlt. Anders ausgedrückt: Um ein Portfolio von zehn Mio. Euro abzusichern, werden jährlich 297 000 Euro Prämie fällig. Wenn der Schuldner ausfällt, ersetzt der Versicherer den Schaden.
Wer sind die Akteure am Markt?
Vor allem Banken. Nach einer Umfrage der Ratingagentur Fitch vom vergangenen August entfielen Ende 2008 auf die zehn größten Banken rund 67 Prozent der abgeschlossenen Geschäfte. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Die fünf größten Banken waren damals JP Morgan, Goldman Sachs, Barclays, Deutsche Bank und Morgan Stanley. Weitere große Akteure sind Hedge-Fonds. Auch herkömmliche Fonds und Unternehmen nutzen CDS.
Auf welche Schuldner gibt es CDS?
Im Prinzip auf alle. Der Markt hat nach Angaben des US-Abwicklungshauses The Depository Trust and Clearing Corporation (DTCC) ein Volumen von knapp 26 Billionen Dollar. CDS gelten als besser handelbar und liquider als einzelne Anleihen mit ihren unterschiedlichen Volumina und Laufzeiten. Daneben gibt es Indizes auf die CDS, zum Beispiel die Markit-iTraxx-Indizes auf Unternehmen und europäische Staaten.
Warum werden CDS kritisiert?
Weil sie auch für Spekulationen genutzt werden. So kaufen zum Beispiel Banken oder Hedge-Fonds Versicherungsschutz über CDS, ohne die zugrunde liegenden Anleihen oder Kredite zu halten. Sie spekulieren lediglich darauf, dass die CDS-Prämien steigen.
"Endlich" ein beitrag, der für die heile Welt der Derivate, speziell der CDS in's Feld zieht. Seit Jahren sehe ich mit Verwunderung, dass dieses Thema mit bemerkenswertem Erfolg unter dem Tisch gehalten wird. Gezielte Nachfragen auf Fachtagungen verlaufen stets zwischen völlig schallschluckenden Wänden - es gibt keinerlei Echo, bzw. halbwegs konkrete Antwort. Und nun, ziemlich spät, wie auch beim Generationenproblem, werden doch Einige hellhörig ..., auch unsere Regierung. Wo kämen wir da hin, wenn die sich einmischt!?
Es wird keineswegs bestritten, dass ein CDS als Absicherungsvehikel für den investor segensreich sein kann (sofern die bonität auch noch nach dem Tag X ausreicht). Dies gilt zumindest für bestehende Anlagen, deren Emittent unverhofft in schwere See geraten kann. Für die bewußte und verschleierte Dispersion ursprünglich schlechter bonität, bzw. für spekulatives Aufpuschen solcher "Wettgeschäfte" ohne realen Sicherungsbedarf sehe ich keine besondere Schutzwürdigkeit.
Schwer zu denken geben mir die Volumina dieser instrumente, besonders wenn man sie zu den Total Assets der grossen Player in Relation setzt. ich beziehe mich dabei schwerpunktmäßig auf den Derivate- / CDS-Markt der USA, da ich über keine gesicherten Daten zum weltweiten Markt verfüge. Allerdings ist zu erwarten, dass einige der weltweit grossen Akteure, den US-instituten das Feld bzw. den Profit nicht freiwillig überlassen und in ähnlichen Größenordnungen mitspielen.
Die befürchtungen werden bestätigt, wenn man sich die Entwicklung in USA in den letzten Jahren ansieht. Das Gesamtvolumen der CDS ist zwar rückläufig, wir sind aber immer noch erheblich über dem Stand am Jahresende 2006. Kaum rückläufig - wen wundert's - ist das Volumen der CDS im Sub-Prime-bereich. Allein diese sind immer noch (3.Q. '09) bei $ 4,8 bio. / trillions, verteilt auf eine handvoll institute.
Da gibt's natürlich noch das "Netting". Der größte Teil der Risiken wird weitergegeben, sofern der Kontraktpartner solvent bleibt. Aber - logischerweise - den letzten beissen die Hunde, und bei diesen Volumina muss das ziemlich viele treffen! Die Lehman-Sache wäre dagegen wohl nur ein Sektkorken.
Was soll's, too big to fail, wie's so schön heißt. Man hat gelernt und Onkel Obama und Kollegen werden's schon richten! Falls sie's doch nicht schaffen, bekommen wir endlich die Chance für eine gemeinsame Weltwährung..., sofern die halbe bevölkerung nicht schon verhungert ist, bis sich die Regierungen einigen und das neue Geld verteilt ist.
Sorry, ich komm' zu dem Fazit: dieses Mal kann ich die Absichten der Regierungen ansatzweise verstehen!
FF
Endlich ein beitrag, der zur Aufklärung beiträgt! Es wäre durchaus ratsam, wenn alle Politiker, die sich zu diesem Thema äussern, zumindest diesen kurzen Artikel vorher lesen würden. ich erinnere nur an Sigmar Gabriel, der vor gut einer Woche einen Auftritt im ARD-Morgenmagazin hatte und den Eindruck hinterliess, als verstehe er überhaupt nicht, worum es geht. Wer CDS lediglich als 'swaps' bezeichnet und diese instrumente als reine 'Spekulationsmöglichkeiten der Heuschrecken' bezeichnet, glänzt nicht wirklich durch Sachverstand. Dies ist reiner Populismus, der in keinster Weise zur Stabilisierung des weltweiten Finanzsystems beiträgt.
Man muss wirklich darauf achten, was ursächlich für den Anstieg der Zinssätze von Staatsanleihen ist. im Falle von Griechenland, werden es wohl eher die desolate Wirtschaftspolitik und die gesellschaftlichen Missstände sein, die dazu geführt haben, dass investoren nur zu höheren Zinssätzen bereit sind, dem griechischen Staat weiterhin Geld zu geben. Preise von Staatsanleihen und damit die Zinssätze sind rein eine Funktion von Angebot und Nachfrage. Auch CDS-Preise bestimmen sich durch Angebot und Nachfrage. Allerdings muss der Anstieg von CDS vielmehr damit im Zusammenhang gesehen werden, dass banken ihre bestände an griechischen Staatspapieren in den letzten Monaten absichern mussten, da ihnen die angespannte finanzielle Lage Griechenlands bewusst wurde. Ein guter investor, der vor hat sich griechische Staatsanleihen zu kaufen, wird sich bei der Festlegung seiner persönlichen Mindestrendite für diese Staatsanleihen wohl kaum auf den aktuellen CDS-Preis für Griechenland verlassen. Der Grund hierfür ist, dass dem CDS-Preis eine andere Angebots-/Nachfragesituation zu Grunde liegt und die Preise auf dem CDS Markt extremeren Schwankungen unterliegen.
Es ist recht einfach seitens uninformierter Politiker und Medienvertreter, Hedgefonds den ‚schwarzen Peter’ zuzuschieben. Sachlich bringt es uns aber überhaupt nicht weiter sondern diese Vorgehensweise lenkt nur von den eigentlichen Problemen ab.
Eine funktionierende Geburtenregulierung der CDS bedingte strenge Akzessorietät von CDS und Underlaying (bezugswert, i.d.R Kredite oder Anleihen), so daß keine höhere Anzahl an CDS kreiert werden kann als bezugswerte im Geschäft sind. AiG etwa soll hier übers Ziel hinausgeschossen sein indem virtuelle (künstliche) CDS produziert wurden ohne daß deren Zahl durch vorhandene Underlayings begrenzt wurde. Das Ausfallrisiko multipliziert sich auf diese Weise bis fast ins Unendliche.
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