China
Konjunktur kühlt sich weiter ab

Wirtschaftsdaten aus China untermauern die Abkühlung der Konjunktur. Die stärkste Bremse ist der Immobiliensektor. Ökonomen rechnen nun mit zusätzlichen Schritten der Regierung zur Stützung des Wachstums.

PekingAm Sonntag vorgelegte Daten aus China zu Industrieproduktion und Investitionen fielen schwächer aus als erwartet. Ökonomen rechnen daher mit zusätzlichen Schritten der Regierung zur Stützung des Wachstums. Die schwächere Entwicklung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft sorgt seit Wochen für Druck auf die internationalen Finanzmärkte. Zugleich nährt sie Spekulationen, dass die US-Notenbank (Fed) sich in der neuen Woche noch nicht zu der anstehenden Zinserhöhung entschließt.

„Insgesamt ist die Wirtschaft sehr schwach“, sagte Volkswirt Zhou Hao von der Commerzbank. Er rechnet damit, dass das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts im laufenden Quartal erstmals seit der globalen Finanzkrise unter die Marke von sieben Prozent fallen wird. Manche Experten sind der Auffassung, dass die tatsächliche Dynamik noch deutlich geringer ist, als aus den offiziellen Zahlen hervorgeht.

Doch bereits diese sorgen für handfeste Enttäuschungen. So legte die Industrieproduktion im August um 6,1 Prozent zu, während Analysten ein Plus von 6,4 Prozent prognostiziert hatten. Ein gedrosseltes Tempo zeigt sich auch bei den Anlageinvestitionen, die in der Vergangenheit ein entscheidender Wachstumsfaktor waren. Ihr Anstieg war nach Angaben des Statistikbüros in den ersten acht Monaten des Jahres mit 10,9 Prozent ebenfalls niedriger als erwartet. Von Januar bis Juli hatte die Rate noch bei 11,2 Prozent gelegen. „Der Immobiliensektor ist die stärkste Bremse für Chinas Wirtschaft“, erläuterte Experte Yu Pingkang vom Wertpapierhändler Huatai Securities. Anziehende Infrastruktur-Investitionen könnten die Abkühlung in diesem Bereich nicht ausgleichen, ergänzte Yu.

Die Einzelhandelsumsätze übertrafen mit einem Plus von 10,8 Prozent im August zwar die Erwartungen. Doch aus der Branche kamen zuletzt pessimistischere Signale. So schraubte der Online-Händler Alibaba seine Geschäftsprognose zurück.

Bereits vergangene Woche hatten Daten zu Außenhandel, Inflation und Autoabsatz die konjunkturelle Verlangsamung untermauert. Vor diesem Hintergrund kündigte die kommunistische Führung ein neues Konjunkturpaket an. Am Sonntag legte sie Details zur Öffnung staatseigener Unternehmen für private Investoren vor. Der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge sollen unter anderem mehr solcher Firmen fit für die Börse gemacht werden. Auch zusätzliche Schritte der Zentralbank werden weithin erwartet. Diese werde weiter die Zinsen senken und den Banken die Kreditvergabe erleichtern, sagte Volkswirt Zhou.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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