Riesiger deutscher Handelsüberschuss lässt Rösler kalt

"Das ist sehr positiv"
Riesiger deutscher Handelsüberschuss lässt Rösler kalt

Deutschlands Handelsüberschuss ist so groß wie in keinem anderen Land. Die Regierung könnte damit noch stärker als bisher ins Kreuzfeuer der internationalen Kritik geraten. Wirtschaftsminister Rösler sieht das gelassen.
  • 53

HamburgDie Bundesregierung hat den von anderen Industrieländern regelmäßig kritisierten Handelsüberschuss Deutschlands verteidigt. Vorwürfen, Deutschland saniere sich mit dem Exportboom auf Kosten der Partner, sieht Berlin gelassen entgegen.

„Die deutsche Exportwirtschaft ist äußerst leistungs- und wettbewerbsfähig. Und das ist sehr positiv““, sagte eine Sprecherin von Wirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) am Montag in Berlin. „Wir begrüßen das.“ Sie verwies darauf, dass auch die Binnennachfrage im abgelaufenen Jahr kräftig zum Wachstum der deutschen Wirtschaft beigetragen habe. Tendenziell sei das deutsche Leistungsbilanzsaldo seit dem Spitzenwert 2007 zurückgegangen.

Deutschlands Exporte sind seit Jahren deutlich größer als die Importe. Nach Berechnungen des Münchener Ifo-Instituts wird der Überschuss in der Leistungsbilanz in diesem Jahr größer ausfallen als in jedem anderen Land - einschließlich China. Das berichtet die „Financial Times Deutschland“ („FTD“) in ihrer Montagausgabe.

Kritiker werfen Deutschland vor, seine Binnenkonjunktur zu wenig zu stützen, mit den Handelsüberschüssen die globalen Ungleichgewichte zu verstärken und damit die Weltwirtschaft anfälliger für Krisen zu machen. Wegen des Handelsungleichgewichts droht Deutschland laut „FTD“ eine Ermahnung der EU-Kommission. Die Bundesregierung geht von einem weiteren Erstarken der Binnennachfrage aus und verweist stets auf eine Handelsbilanz Europas und des Euro-Raums insgesamt.

Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert geht es bei der Debatte um die globalen Ungleichgewichte eher um Länder mit starken Leistungsbilanzdefiziten und großen Wettbewerbsschwächen. Ein Überschuss allein sei zunächst einmal kein Grund für Europa zu handeln. Auch in der Vergangenheit habe es keine Notwendigkeit für Europa gegeben, Deutschland einer vertieften Analyse zu unterziehen: „Wir haben im Moment keinen Anlass anzunehmen, dass sich das ändert.“

Seite 1:

Riesiger deutscher Handelsüberschuss lässt Rösler kalt

Seite 2:

Ökonom: Binnennachfrage viel zu schwach

Kommentare zu "Riesiger deutscher Handelsüberschuss lässt Rösler kalt"

Alle Kommentare
  • "Daher denke ich war strategisch der EURO richtig.
    Leider hat man eben keine Naegel mit Koepfen gemacht."

    Da bin ich vollkommen Ihrer Meinung. Grundsätzlich hielt und halte ich den EURO auch für richtig. Das Problem ist aber, was aus dem EURO gemacht wurde. 2009 war die Chance, die Unfallschäden zu reparieren. Die wurde nicht genutzt, im Gegenteil. Und daher bin ich 2012 der Meinung, dass die Schäden inzwischen irreparabel sind. Also müssen Alternativen her....

  • Wenn Ihnen ELA/Target2-Salden nichts sagen ist aus meiner Sicht das Gespräch beendet (weil sinnlos...)!


  • @hessenmob

    "Und wenn nun durch eine der dt. Wirschaftsstärke anepasste Währung diesen Firmen einen Teil ihrer gedopten Vorteile nehmen würde könnte ich (und der allergrößte Teil der Deutschen!!) wohl ganz gut damit Leben! Die Firmen müssten gesundschrumpfen (sowie wir es von den PIIGS+F doch auch erwarten, oder?!)"

    Gesundschrumpfen ist ein gutes Wort.
    I.d.R. bedeutet das Entlassung.
    Koennten Sie mit Ihrer eigenen Entlassung gut leben?

    Und wieso - ok ich kenne natuerlich nicht alle Firmen :) - wird mit Schuldscheinen bezahlt?
    Die Firmen, die ich kenne haben Euro oder Dollar bekommen fuer die Exporte, die sie getaetigt haben.

    Aber bitte jetzt nicht die internationalen Verflechtungen der Finanzwelt. Ich meine, dann koennen wir die ganze Welt abschaffen :)

  • @Hardie67,

    "Soweit mir bekannt, wurde der EURO zum 1.1.2002 offizielles Zahlungsmittel. War der Mauerfall nicht 1989? Und der Kalte Krieg so um 1980 bis etwa 1987?"

    Da haben Sie vollkommen recht. Und ab 2000 wurde auf den Finanzmaerkten bereits der Euro gehandelt.
    Ich war aber bereits 1993 in China. Da war es dort noch jenseits von gut und boese. Es gab noch den FEC (Foreign Exchange Certificate). Wurde dann schnell abgeschafft. Aber die Erfolge und globalen Auftritte Chinas waren damals noch undenkbar.
    Der Ostblock stand unter wirtschaftlichem Schock. Ueberall Firmenpleiten, angefangen von der ehemaligen DDR-Grenze bis nach Vladivostock.
    Der Einigungsbedingte Aufschwung der mit dem blinden Kaufrausch der OSSIS einherging (ich bin leider OSSI) verpuffte ja bald und dann gab's die Rezession.. bis zur Internetblase (aber anderes Thema).
    Also die Welt war damals noch im Umbruch, da hielten die alten Bande, aber die Waehrung-spielereien und Manipulationen zwischen DM und Lira z.B. haben der mittelstaendigen Industrie in Deutschland und vor allem im Osten maechtig zugesetzt. Da gingen viele Auftraege verloren was fuer einen Mittelstaendler toedlich sein kann.
    Daher denke ich war strategisch der EURO richtig.
    Leider hat man eben keine Naegel mit Koepfen gemacht.

    "Also Populismus..."
    Lassen wir das doch...

  • 1. Sind diese Großunternehmen keine Feindbilder für mich (wie kommen Sie eigentlich darauf?)!
    2. Auch die von diesen Wirtschaftsgiganten abhängigen Kleinunternehmer sind natürlich nicht vernachlässigbar (wie kommen Sie eigentlich darauf?)!

    ABER die Ausganssituation ist immer noch die:

    Warum sollen alles diese Firmen en masse produzieren, ausliefern in die halbe Welt, dann aber feststellen "Huch, unsere Käufer sind nicht liqudie! Bitte BuBa (EZB), bitte Staat (ALLE Steuerzahler!!) zahlt doch unsere Exporte!! Deutschland ist soooo abhängig davon!!!" und bezahlen sollen dann wer bitte???

    Anscheinend exportieren wir doch, obwohl die Waren nicht bezahlt werden (s. ELA/s. Target 2), oder ?!

    Jetzt frage ich, warum sollen wir auf Kosten der gesamten Gesellschaft (Arbeiter, Angestellte, Selbsständige, Rentner, HartzIV´ler bis hin zu ungeborenen Kindern!!usw.) Überkapazitäten von "Vorzeigeunternehmen" finanzieren??

    Ich z.B. bekomme weder einen erfolgsabhängigen Boni noch eine Dividende (von den genannten Unternehmen), obwohl ich bürgen und dadurch später gewiss zahlen muss (glauben Sie wirklich, diese Schulden können jemals beglichen werden??). Irgendwie Irrsinnig, oder?

    Und wenn nun durch eine der dt. Wirschaftsstärke anepasste Währung diesen Firmen einen Teil ihrer gedopten Vorteile nehmen würde könnte ich (und der allergrößte Teil der Deutschen!!) wohl ganz gut damit Leben! Die Firmen müssten gesundschrumpfen (sowie wir es von den PIIGS+F doch auch erwarten, oder?!)
    Zumal die PIIGS+F dadurch auch wieder selbsständig wirtschaften könnten!(durch interne Abwertung...)


    Was haben wir davon, in genannte Länder zu liefern, wenn keine adäquate Bezahlung erfolgt (s. Biedeckelbeispiel)??

  • @hbwolf
    "Das war zu Zeiten, als die Mauer noch stand, der kalte Krieg tobte und China unter Maos Fuehrung die Kulturrevolution inszenierten.
    Die Welt hat sich veraendert. Und das ist kein Populismus"

    Soweit mir bekannt, wurde der EURO zum 1.1.2002 offizielles Zahlungsmittel. War der Mauerfall nicht 1989? Und der Kalte Krieg so um 1980 bis etwa 1987?
    Also Populismus....

    "Zum Schluss, wenn meine Firma Gewinn macht ist mein Arbeitsplatz sicherer als wenn sie Verlust macht. Ich weiss nicht warum man immer diese gierige Beschimpfung ableasst wenn eines der o.g. Unternehmen Gewinn macht. Von deren Existenz haengen eine Menge Arbeitsplaetze ab."

    Ich habe keine dieser Firmen beschimpft. Ich habe nur ein paar Feststellungen getroffen.

  • Hallo Stula,

    Ich kenne noch Zeiten als es Lira und DM gab.
    Ich sass selbst bei einer Verkaufsverhandlung wo uns von einem Tag auf den Anderen ein Auftrag in Millionen - Wert verloren ging, weil die italienische Regierung eben von einem auf den anderen Tag die Waehrung abgewertet hat. Damit war die italienische Maschine schlagartig billiger (hier fuer die Chinesen) und der italiensche Konkurrent hatte den Zuschlag.
    Fuer ein mittelstaendiges Unternehmen ist das ein herber Schlag. Da nuetzt einem eine Starke DM nichts, denn die Maschine wird immer noch in D gebaut und die Leute im Werk muessen halt DM (oder jetzt Euro) verdienen um die Familien zu ernaehren.
    Das wird meines Erachtens immer vergessen, das mit der einheitlichen Waehrung diese Manipulationen zugunsten der einen oder anderen Wirtschaft aufgehoert haben. Damit ist gerade fuer uns Mittelstaendler die europaeische Konkurrenz berechenbarer geworden.

    Bis die Tage

  • @Hessenmob

    "Sache möchte ich nur mal in die Runde fragen:

    Arbeiten denn plötzlich alle für VW , BMW oder sonstige exportorientierten Dax-Unternehmen (SDax, MDax etc. ...)??"

    Nein tun sie nicht.
    Die mittelstaendige Industrie exportiert aber ebenso in riesigen Mengen.
    Werkzeugmaschinenbau, Anlagenbau, Automobilzulieferer, Spezialisten fuer Medizintechnik, Spezialmaschinenbau, Papierindustrie usw. und so fort.
    Auch zu den immer alten Feindbildern a la Daimler, Siemens und Co. An diesen Firmen haengen unmengen kleiner und mittlerer Unternehmen (Mittelstand genannt) dran die als Zulieferer oder in Kooperation mit diesen Firmen arbeiten.
    Ist das alles vernachlaessigbar?

    Bis die Tage

  • @Hardie67,

    "Sie bevorzugen offenbar die Lohndumping-Aufstocker-Lösung. Und weil das so schön ist, zahlen wir unsere Exporte in den Süden dann über Rettungspakete selbst."

    Nein das beforzuge ich nicht und habe ich auch nicht geschrieben.

  • @Hardie

    "Plattester Populismus. Zu Zeiten einer starken DM waren unsere Arbeitslosen weniger, Stützeempfänger weniger, wir waren trotzdem Exportweltmeister."

    Das war zu Zeiten, als die Mauer noch stand, der kalte Krieg tobte und China unter Maos Fuehrung die Kulturrevolution inszenierten.
    Die Welt hat sich veraendert. Und das ist kein Populismus.

    "Klar, Daimler, VW und BMW bestimmt. Wenn Ihnen die am meisten am Herzen liegen, bitte schön. Nur die bauen ihre neuen Werke in USA und China, nicht mehr in D...."

    Ja bei diesen Firmen arbeiten auch Menschen, die ihr Geld verdienen.
    Und richtig BMW und Daimler bauen ihre Autos auch in China fuer den chinesischen Markt.
    Lustigerweise kaufen die Chinesen aber diese Auton nicht so gern, weil sie inlaendischer Qualitaet nicht trauen. Gabs auch mal einen Bericht hier im HB.
    Die kaufen lieber importierte aus D importierte Autos o.g. Marken auch wenn darauf riesege import-Zoelle lasten.
    Im uebrigen importiert China unmengen Gueter aus D. Da ich z.Z. hier lebe, kann ich - so glaube ich wenigstens - das etwas beurteilen.

    Zum Schluss, wenn meine Firma Gewinn macht ist mein Arbeitsplatz sicherer als wenn sie Verlust macht. Ich weiss nicht warum man immer diese gierige Beschimpfung ableasst wenn eines der o.g. Unternehmen Gewinn macht. Von deren Existenz haengen eine Menge Arbeitsplaetze ab.

    Bis die Tage.

Serviceangebote