Deutliche Worte: Währungsfonds warnt vor Deflation

Deutliche Worte
Währungsfonds warnt vor Deflation

Der IWF erwartet in diesem Jahr ein stärkeres Wachstum. Auch eine studie unter Spitzenmanagern kommt zu diesem Schluss. Der Währungsfonds warnt Staaten jedoch eindringlich davor, die Phase des billigen Geldes zu beenden.
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Washington/BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) sieht in dem nachlassenden Preisdruck in Industrieländern wie Deutschland eine Gefahr für das Wachstum der Weltwirtschaft. Aus der niedrigen Inflation - insbesondere in der Euro-Zone - könne schnell eine Deflation werden, warnte der Fonds am Dienstag. Ein solcher Preisverfall auf breiter Front ist wirtschaftlich gefährlich, weil Unternehmen dann weniger investieren und sich auch die Konsumenten zurückhalten. In seiner neuen Prognose rechnet der IWF aber noch mit einer Beschleunigung des globalen Wachstums auf 3,7 Prozent in diesem und 3,9 Prozent im nächsten Jahr, nachdem es 2013 voraussichtlich drei Prozent waren. Für Deutschland erhöhte der Fonds seine Schätzungen leicht auf 1,6 Prozent für 2014 und 1,4 Prozent für 2015.

"Die Erholung gewinnt an Kraft. Aber es ist noch viel zu tun", beschrieb IWF-Chefökonom Olivier Blanchard die Lage. Die Weltwirtschaft sei noch nicht über den Berg. Immerhin bescheinigte der Fonds der Euro-Zone aber, den Wendepunkt von der Rezession in eine Erholungsphase geschafft zu haben. Die Impulse für das weltweite Wachstum kommen nach Auffassung der Experten inzwischen wieder stärker aus den Industrieländern. Davon profitierten dann auch Schwellen- und Entwicklungsländer.

Die Erholung der globalen Wirtschaft spiegelt sich auch in der Stimmung der Spitzenmanager wider. 44 Prozent rechnen mit einer Belebung in den kommenden Monaten - doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. „Die Zuversicht unter den Topmanagern beginnt wieder zu wachsen“, sagte Norbert Winkeljohann, Vorstandssprecher von PricewaterhouseCoopers (PwC) Deutschland, zur Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft. „Sie haben ihre Unternehmen erfolgreich durch die Krise geführt und wechseln nun aus dem Überlebensmodus in Wachstums-Programme.“ PwC hat 1344 Manager in 68 Ländern befragt und das Ergebnis am Dienstag veröffentlicht.

Die größte Zuversicht zeigen Vorstandschefs in Westeuropa. Deutsche Spitzenmanager sind allerdings zurückhaltender als viele andere, wenn es um die Umsatzentwicklung geht: Nur ein Drittel erklärt laut PwC, „sehr zuversichtlich“ zu sein, den Umsatz ihrer Unternehmen 2014 steigern zu können - in Russland und Mexiko gaben dies mehr als die Hälfte der Befragten an.

Weiterhin gut ist die Stimmung deutscher Finanzexperten, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte. Die Bewertung der aktuellen Wirtschaftslage stieg im Januar auf den höchsten Stand seit Mai 2012. Die Konjunkturerwartungen liegen demnach weiterhin hoch bei 61,7 Zählern, wenn es auch zum Jahresanfang einen leichten Dämpfer gab.

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  • Die aktuelle Politik ist auch vollkommen verkehrt. Es gibt einen schönen englischen Spruch: Do cruelties instantly. Also: "Grausamkeiten sollten sofort erfolgen." Ansonsten erfolgt nach einer Zeit, in welcher der Bürger mit Durchhalteparolen hingehalten wird, der Crash. Das Resultat davon ist, dass der Bürger den Politikern nichts mehr glaubt und somit der Aufschwung erst recht nicht in Gang kommt, weil die Zuversicht fehlt.

    Oder anders formuliert: "Lieber ein Ende mit Schrecken" als "ein Schrecken ohne Ende". Aber genau auf den Schrecken ohne Ende steuern wir hin. Es fehlt einfach an einer fundierten Perspektive.

  • Deflation wäre lediglich eine gute Sache für die Menschen, welche über viele Ersparnisse verfügen. Deren Geld würde dann nämlich stetig mehr Wert. Die breite Masse der Menschen lebt aber von Ihrem Lohn und nicht von den Ersparnissen. Denn sinkende Preise für zu sinkenden Löhnen.

    Das Problem bei der aktuellen expansiven Geldpolitik der Zentralbanken ist, dass diese zu einer Inflation bei Anleihen, Immobilien und anderen Anlageobjekten geführt hat. Das kann man aktuell erkennen. Das meiste Geld fließt dort hin.

    Das Geld würde allerdings viel eher bei den Unternehmen und Verbrauchern gebraucht. Aufgrund der schlechten Konjunkturaussichten zögern die Banken allerdings hier mit der Kreditvergabe. Dies kann dazu führen, dass es in der Wirtschaft zu einer Deflation kommt. Die expansive Geldpolitik sorgt dafür, dass bei den Vermögenswerten hingegen gleichzeitig eine Inflation herrscht. Man hat also Deflation und Inflation gleichzeitig.

    Wirtschaftliches Wachstum entsteht in diesem Wirtschaftssystem mit Geld- und Güterkreislauf nicht durch die Arbeit der Menschen. Eine steigende Produktion und somit mehr Güter führt bei gleicher Geldmenge zu einer Deflation. Daher ist dieses Wirtschaftssystem auf permanente Geldschöpfung und somit auf seine Banken angewiesen. Daher sind die Banken auch so systemrelevant. Ohne die Geldschöpfung der Banken geht das System vor die Hunde.

    Das Grundproblem an der Krisenpolitik ist, dass Probleme nur verschleiert und nicht endgültig gelöst werden. Die Menschen spüren, dass es schlecht um die Wirtschaft steht. Daher reduzieren sie die Konsumausgaben auf das allernötigste. Dies kann dazu führen, dass die Nachfrage selbst dann nicht in Gang kommt, wenn die Leute wieder mehr Geld haben. Es fehlt Vertrauen in eine rosige Zukunft.


  • Jeder warnt jeden, hebt permanent Warnfinger, während gezockte Freunde mit Karacho die Wand anvisieren.
    Kann das Krisengeschmarre nicht mehr ertragen, wo bleiben denn versprochene Erfolge ?

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