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Deutliches Wirtschaftswachstum: Deutschland führt Euro-Zone aus der Krise

Europas Wirtschaft wächst wie seit Jahren nicht mehr. Die Statistikbehörde Eurostat vermeldete für die Eurozone einen Anstieg von rund einem Prozent. Der überraschend starke deutsche Aufschwung schafft es dabei, die schwächelnde Konjunktur einzelner Sorgenkinder zu kompensieren.

Die Wirtschaft boomt, gerade der Außenhandel wirkt als Motor. Quelle: dpa
Die Wirtschaft boomt, gerade der Außenhandel wirkt als Motor. Quelle: dpa

HB BRÜSSEL/BERLIN. Deutschland hat der Wirtschaft in der Euro-Zone im zweiten Quartal zum kräftigsten Wachstum seit mehr als drei Jahren verholfen. Das Bruttoinlandsprodukt in den 16 Euro-Staaten stieg von April bis Juni um ein Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat am Freitag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Anstieg in dieser Höhe gerechnet. Damit habe die Euro-Zone die US-Wirtschaft im Frühjahr überflügelt, sagten Experten. Verglichen mit dem Vorjahr lag das BIP um 1,7 Prozent höher.

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Wachstumstreiber im Frühjahr war Deutschland: In der größten Volkswirtschaft des Währungsraumes legte die Wirtschaftsleistung mit 2,2 Prozent so stark zu wie noch nie seit Beginn der gesamtdeutschen Datenerhebung 1991. Beflügelt wurde das Wachstum von der hohen Nachfrage aus dem Ausland nach Produkten „Made in Germany“, aber auch die Investitionen legten zu. Der Konsum trug ebenfalls zum Wachstum bei. Die anderen Euro-Staaten hinken dagegen hinterher: In Frankreich lag das Wachstum bei 0,6 Prozent, Spaniens Wirtschaft schaffte gerade einmal plus 0,2 Prozent. In Griechenland verschärfte sich die Rezession sogar: Hier brach das BIP im Vergleich zum Vorquartal um 1,5 Prozent ein.

Für Spanien sind die Zahlen aber dennoch ein Erfolg. Erst im Vorquartal hatte sich die Wirtschaft auf den Weg aus dem Konjunkturloch begeben. Im ersten Vierteljahr war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in dem südeuropäischen Land um 0,1 Prozent gewachsen. Damit hat sich Spanien aus einer langen Flaute befreit. Das frühere Boomland war nach dem Platzen einer Immobilienblase im Frühjahr 2008 in die Rezession abgerutscht.

Auch für Frankreich bedeuten die letzten Werte eine Erholung. Nach der tiefsten Rezession der Nachkriegszeit befindet sich die Wirtschaft wieder auf dem Weg nach oben. Das ursprünglich angepeilte Wachstumsziel von 2,5 Prozent in 2011 sei allerdings nicht mehr aktuell, sagte Wirtschaftsministerin Christine Lagarde dem Sender Europe1. Mit einer Korrektur nach unten sei möglicherweise beim Haushaltsentwurf für 2011 zu rechnen. Das Statistikamt korrigierte das Wachstum für das erste Quartal 2010 von 0,1 auf 0,2 Prozent. „Der Konsum der Haushalte steigt wieder an, aber auch die Investitionen der Unternehmen“, betonte Lagarde.

Hierzulande hat das deutliche BIP-Wachstum alle Experten überrascht. „Der zum Jahreswechsel 2009/2010 ins Stocken geratene Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat sich damit eindrucksvoll zurückgemeldet“, schrieben die Statistiker. Das stärkste Wachstum seit Frühjahr 1987 übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich: Sie hatten nur mit einem Plus von 1,3 Prozent gerechnet. Zudem fiel das Wachstum im ersten Quartal mit 0,5 Prozent besser aus als zunächst mit 0,2 Prozent berechnet.

Verglichen mit dem Vorjahresquartal legte die Wirtschaftsleistung von April bis Juni um 4,1 Prozent zu. „Die Dynamik der Investitionen und des Außenhandels hatten dabei den größten Anteil“, schrieben die Statistiker. „Aber auch die privaten und staatlichen Konsumausgaben trugen zum Wachstum bei.“ Während die exportabhängige Industrie vom Aufschwung in China und anderen Schwellenländern profitierte, hat bei den Investitionen auch ein Sondereffekt eine Rolle gespielt: Weil Schnee und Frost viele Baustellen zu Jahresbeginn lahm legten, wurden diese Arbeiten im Frühjahr nachgeholt. Details zum Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal will das Statistikamt am 24. August nennen.

  • 14.08.2010, 21:25 UhrAnonymer Benutzer: Margrit Steer

    Der deutsche Aufschwung, den unsre Politiker so bejubeln, der ja höher ist als der sonstige europäische, rührt mal in erster Linie daher, dass Deutschland das Niedriglohnland der EU ist. Mit Sklavenlöhnen verdient die deutsche Wirtschaft, das ist Fakt. Und Lohnzahlungen durch den Steuerzahler (Aufstocker)
    Also mal schon die Kirche im Dorf lassen und bei der Wahrheit bleiben

  • 14.08.2010, 00:28 UhrAnonymer Benutzer: Autonomos

    Deutschland führt Euro-Zone aus der Krise? Wie das?

    Wenn Deutschland zu Lasten seiner Weltmarkt-Konkurrenten, der europäischen insbesondere, derzeit wachsen kann, liegt dies wohl auch an Konkurrenten, die nicht wettbewerbsfähig sind, und zwar deshalb, siehe Griechenland, weil sie sich Sozialprogramme leisten, die sie aus eigener Wirtschaftskraft nicht, der deutschen sehr wohl, leisten können. Und sie wären noch schlimmer dran, wenn die deutsche Volkswirtschaft, z.Zt. voller Power, nicht Güter und Dienstleistungen aus dem maroden Euro-Süden nachfragen würde.

    Deutschland spart sich z.Zt. nicht zu Tode, aber Euro-Europa verschuldet sich bis zum Gehtnichtmehr. irland heute kurz vor dem Exitus. Dort liegt das Problem - nicht nur Sprengstoff für die Währungsunion, sondern ihr sicherer (und man muß es wohl so bewerten: wünschenswerter) Untergang. Warum sollten die Deutschen, nachdem sie von ihren Regierungen hirnlos, aber mit Europa-Visionen, in den Schuldenabgrund befördert wurden, einem Europa-Transfermodell weiter anhängen, das z.b. in Südeuropa den Straßenbau forciert, während hier vor Ort schon nicht einmal mehr die Kreisstraßen geflickt werden können.

    Der Subventionismus und Sozialdemokratismus Europas, hauptsächlich zu Lasten Deutschlands, bewirkt den eigenen und Deutschlands (ökonomischen) Untergang.

    Wie soll aus einer Krise führen, wer immer schneller und tiefer in sie hineingerät? Reine Magie ist das Zukunfstversprechen globaler Politik und Ökonomie. Magie erst recht: Deutschland führe die Euro-Zone aus der Krise. Es steckt doch mitten drin.

  • 13.08.2010, 22:09 UhrAnonymer Benutzer: k.h.a.

    Tempi passati. Der blick in den Rückspiegel sagt nicht zur Zukunft. Die Gegenwart zeigt zurückgehende industrieleistung (-0,2%) in Deutschland im Juni (!), faulende EU-Ränder bei den PiiGS, überall Schuldenanstieg, Warnungen deutscher industrieverbände vor weiterem Rückschlag und aktuelle Warnungen vor double dip in USA (50%-Chance) sowie rückläufiges Wachstum in China und den anderen bRiC`s. Nachdem auch der so schöne basiseffekt perdu ist, wird es wieder duster. Keynes hilft eben nicht, war noch nie so.

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