Deutsche Exporte
Dämpfer trotz Aufwärtstrend

Licht und Schatten für deutsche Firmen: Die Exporte der Unternehmen sind im Vergleich zum Vorjahr zwar deutlich gestiegen. Doch eine Entwicklung bereitet Sorge – und erinnert an das fatale Krisenjahr 2009.

WiesbadenDeutschlands Unternehmen haben im August erneut ein Exportplus erzielt. Sie führten Waren im Wert von 88 Milliarden Euro aus. Das sind fünf Prozent mehr als im August des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte.

Auch die Einfuhren wuchsen um vier Prozent auf einen Wert von 72,8 Milliarden Euro. Die Außenhandelsbilanz schloss damit mit einem Überschuss von 15,3 Milliarden Euro. Die um Saison- und Kalendereffekte bereinigte Handelsbilanz – die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren – wies ein Plus von 19,6 Milliarden Euro aus.

Unter Berücksichtigung der Salden für Warenhandel einschließlich Ergänzungen zum Außenhandel (plus 16,2 Milliarden Euro), Dienstleistungen (minus 6,7 Milliarden Euro), Primäreinkommen (plus 5,6 Milliarden Euro) und Sekundäreinkommen (minus 2,8 Milliarden Euro) schloss – nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank – die Leistungsbilanz im August 2015 mit einem Überschuss von 12,3 Milliarden Euro ab. Im August 2014 hatte die deutsche Leistungsbilanz einen Aktivsaldo von 11,1 Milliarden Euro ausgewiesen.

Damit legten die Exporte – bis auf den Januar – in jedem Monat dieses Jahres zum Vorjahr zu, in den Monaten März und Juni sogar zweistellig, wie aus den Zahlen der Statistik hervorgeht. Dafür sorgte vor allem die starke Nachfrage aus Ländern außerhalb der EU – also etwa der Handel mit den USA oder Schwellenländern wie China. Hier gab es ein Anstieg von 6,8 Prozent. Die Exporte in die Euro-Zone erhöhten sich um 2,1 Prozent. Auch die Importe lagen bis auf den Januar immer im Plus.

Ein Großteil der deutschen Exporte geht in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Dorthin führten die deutschen Unternehmen im August Waren im Wert von 49,4 Milliarden Euro aus - ein Anstieg zum Vorjahr um 3,5 Prozent. In Länder außerhalb der EU wurden Waren im Wert von 38,7 Milliarden Euro geliefert, ein Plus um 6,8 Prozent.

Im Vergleich zum Juli sind die Exporte allerdings wegen der schwachen Nachfrage aus großen Schwellenländern und der späten Sommerferien so stark eingebrochen wie seit der weltweiten Finanzkrise nicht mehr. Sie fielen um 5,2 Prozent zum Vormonat. „Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009“, erklärte das Statistische Bundesamt am Donnerstag. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang von 1,2 Prozent gerechnet, nachdem es im Juli noch ein Plus von 2,2 Prozent gegeben hatte.

Die späte Lage der Sommerferien, die diesmal stärker in den August hineinragten als normalerweise üblich, dürfte zum Einbruch beigetragen haben. Dadurch waren zuvor bereits Produktion und Industrieaufträge merklich gefallen, wie das Bundeswirtschaftsministerium erklärte. „Die Zahl der Ferientage im August war diesmal höher als normal“, sagte Ökonom Stefan Schilbe. „Das könnte eine Rolle gespielt haben.“ Allerdings dürfte auch die geringere Nachfrage aus wichtigen Schwellenländern wichtig gewesen sein.

„Die Schwäche von China, Brasilien, Russland und Co. schlägt sich nieder“, sagte auch der Europa-Chefvolkswirt der Nordea-Bank, Holger Sandte. „Sie trifft Deutschland stärker als andere europäische Länder, weil die Unternehmen dort stärker engagiert sind.“ Rund 30 Prozent der Exporte gingen dorthin. „Die kommenden Monate werden zeigen, ob das der Anfang einer schwächere Entwicklung ist oder nur ein Ausreißer. Bei mir wächst der Verdacht, dass eine schwächere Periode folgt.“ Auch die Aufwertung des Euro im Vergleich zu vielen Währungen der Schwellenländer könne sich negativ bemerkbar machen, sagte HSBC-Experte Schilbe: „Das macht deutsche Güter dort teurer.“

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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