Deutsche Konjunktur
Wirtschaft wächst, freie Stellen auf Rekordhoch

Niedriger Ölpreis und billiger Euro – das beflügelt die deutsche Konjunktur und sorgt bei den Unternehmen für gut gefüllte Auftragsbücher. Dadurch verbessern sich auch die Chancen für Arbeitslose.
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BerlinDie deutsche Wirtschaft setzt nach Ansicht des DIW-Instituts ihr kräftiges Wachstumstempo fort. Das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Quartal dürfte um 0,5 Prozent steigen, prognostizierten die Berliner Forscher am Mittwoch. „Die deutsche Wirtschaft profitiert momentan vor allem von den niedrigen Ölpreisen, dem schwachen Euro und von den Ausweitungen der Rentenleistungen“, erklärte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Da es sich dabei aber um Sondereinflüsse handele, warnten die Ökonomen vor zu viel Optimismus.

Mit der zunehmend robusteren Wirtschaft verbessern sich auch die Jobchancen für Arbeitslose. Nach Erkenntnissen der Bundesagentur für Arbeit (BA) habe es im Februar so viele freie Stellen gegeben wie selten zuvor. Ihre Zahl sei auf den höchsten Stand seit dem Beginn entsprechender Aufzeichnungen vor elf Jahren geklettert, zeigt der am Mittwoch veröffentlichte Stellenindex BA-X der Nürnberger Bundesbehörde. Der Indikator stieg im aktuellen Monat auf den Wert von 183 und lag damit um einen Punkt über dem im Januar gemessenen bisherigen Höchststand.

Im Vergleich zum Vorjahr verbesserte sich der Umfang der freien Stellen um 20 Punkte. Die absolute Zahl der von Unternehmen angebotenen Jobs will die Bundesagentur erst zusammen mit den Arbeitslosenzahlen an diesem Donnerstag veröffentlichen.

„Die insgesamt gute Entwicklung des vergangenen Jahres sowie die derzeit positive Stimmungslage lassen auch für die kommenden Monate eine hohe Einstellungsbereitschaft erwarten“, kommentierte die Bundesagentur. Neben der guten Konjunktur spiegelten die vielen Stellen auch die derzeit größere Bereitschaft vieler Beschäftigter zum Jobwechsel wider. Dadurch müssten Stellen häufiger neu ausgeschrieben werden. Freie Stellen gebe es vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen, im Handel und in der Gastronomie.

Auch bei Volkswirten deutscher Großbanken wächst inzwischen die Zuversicht in Bezug auf den Arbeitsmarkt. Nach ihren Prognosen dürfte die wieder erstarkende Konjunktur für einen unerwartet kräftigen Schub auf dem deutschen Arbeitsmarkt sorgen. Im Jahresschnitt könnte die Zahl der Erwerbslosen 2015 um 80.000 bis 100.000 sinken, prognostizierten Volkswirte in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Ursprünglich waren sie noch von einem weitaus geringeren Rückgang der Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt 2015 ausgegangen.

Auch im Februar habe sich der Arbeitsmarkt trotz der etwas kühleren Witterung vergleichsweise gut entwickelt. Für den letzten Wintermonat haben die Volkswirte rund 3,05 Millionen Erwerbslose errechnet; das wären rund 15.000 mehr als im Januar, aber rund 85.000 bis 90.000 weniger als vor einem Jahr.

Noch kaum spürbar sind nach Ansicht der Volkswirte die Auswirkungen des zum Jahresanfang eingeführten Mindestlohns von 8,50 Euro auf den Arbeitsmarkt. Volkswirt Heiko Peters von der Deutschen Bank rechnet damit erst in den kommenden Monaten. Derzeit werde der Effekt von der guten Konjunktur und der Frühverrentungswelle im Zuge der abschlagsfreien Rente mit 63 abgemildert. Betroffen sind vom Mindestlohn nach Erkenntnissen von Ifo-Experte Steffen Henzel bisher hauptsächlich Mini-Jobber. Ihre Zahl habe sich schon im November 2014 um 23 000 verringert.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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