Deutsche Wirtschaft legt zu
Flüchtlinge erweisen sich als Segen für die Konjunktur

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Experten: Aufschwung schwächt sich 2017 ab

Für die Arbeitnehmer war 2016 ein gutes Jahr, auch im Vergleich zu den Empfängern von Unternehmens- und Vermögenseinkommen. Ohne Abzug der Inflation stiegen die Arbeitnehmereinkommen um 3,6 Prozent, die Kapitaleinkommen nur um 3,1 Prozent. Diese hohen Einkommenszuwächse, die auch mit den niedrigen Notenbankzinsen zusammenhängen, relativieren die Diskussion um die „Enteignung“ der Sparer durch die niedrigen Zinsen, die sie auf ihre früheren Ersparnisse bekommen.

Gegenstück zur guten Entwicklung der Finanzen des Staatssektors, der mit einem Plus von 19 Milliarden Euro abschloss, war allerdings, dass die verfügbaren Ausgaben der privaten Haushalte mit 2,8 Prozent deutlich schwächer zulegten als die Einkommen vor Steuern und Transfers.

Für das laufende Jahr rechnen die meisten Prognostiker damit, dass sich der Aufschwung abgeschwächt fortsetzt. Die Gemeinschaftsdiagnose der großen Forschungsinstitute und die Bundesregierung gehen von einer Wachstumsrate von 1,4 Prozent aus. Der Rückgang des Wachstums ist aber überzeichnet dadurch, dass das Jahr 2017 drei Arbeitstage weniger hat als 2016. Arbeitstäglich bereinigt betrug die BIP-Zunahme 2016 nicht 1,9 Prozent, sondern 1,8 Prozent und die Prognosen für 2017 sind arbeitstäglich bereinigt etwas höher anzusetzen.

Etwas skeptischer ist die Deutsche Bank. Ihr Konjunkturexperte Oliver Rakau sagte, das Wachstumstempo sei überzeichnet, weil die Kosten für die Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge den staatlichen und auch privaten Konsum nach oben getrieben hätten. „2017 wird dies wohl nicht mehr in gleichem Maße der Fall sein. Wir erwarten daher nur noch ein Wachstum von 1,1 Prozent“, dämpfte er die Erwartungen.

Die Unsicherheit für die weitere Wirtschaftsentwicklung ist derzeit besonders hoch. Einerseits erwarten viele vom neuen US-Präsidenten Donald Trump eine Konjunkturbelebung durch steigende Staatsausgaben, von der auch die deutsche Wirtschaft profitieren könnte. Andererseits drohen durch ihn auch importbeschränkende Maßnahmen, die die Exportwirtschaft der Bundesrepublik besonders hart treffen würden. Hinzu kommt die schwelende Krise des Euroraums, die jederzeit wieder akut werden könnte.

Klar ist, dass Deutschland nicht auf Dauer einen Leistungsbilanzüberschuss in Höhe von 8,5 Prozent der Wirtschaftsleistung aufrecht erhalten kann. Irgendwann geht die zahlungskräftige Nachfrage aus. Früher oder später muss also entweder von der Außenwirtschaft ein beträchtlicher Wachstumsdämpfender Effekt auf die deutsche Wirtschaft zukommen oder die aufgelaufenen Forderungen an überschuldete Handelspartner wie Griechenland und andere Südländer müssen abgeschrieben werden.

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Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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