Deutschland und Euro-Zone: Die Wirtschaft gewinnt an Schwung

Deutschland und Euro-Zone
Die Wirtschaft gewinnt an Schwung

Der Jahresauftakt in der deutschen und europäischen Wirtschaft ist geglückt. Die Einkaufsmanagerindizes haben deutlich zugelegt, wurden aber durch die Lage in Russland und Asien gebremst. Entlastend wirkt der Ölpreis.
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BerlinDie deutsche Wirtschaft ist mit leichtem Rückenwind ins Jahr gestartet. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - kletterte im Januar um 0,6 auf 52,6 Punkte. „Deutschland hat einen guten Start ins Jahr 2015 erwischt“, sagte Markit-Ökonom Oliver Kolodseike am Freitag zur Umfrage seines Instituts unter 1000 Firmen. Das Barometer hielt sich über der Marke von 50 Zählern, ab der es Wachstum anzeigt. „Gegenüber dem Jahresauftakt 2014 fällt der Aufschwung diesmal aber merklich schwächer aus“, schränkte Kolodseike ein. Trotz der Einführung des Mindestlohns brumme der Jobmotor weiter: Die Beschäftigung habe den 15. Monat in Folge zugelegt.

In den beiden großen Wirtschaftssektoren lief es recht unterschiedlich. Die Industrie verlor überraschend an Schwung: Deren Barometer sank um 0,2 auf 51,0 Zähler. Die Bestellungen aus dem Ausland gingen zurück. „Dafür machten die Befragten vor allem die rückläufige Nachfrage aus Russland und Asien verantwortlich“, hieß es. Das Barometer für die Dienstleister legte dagegen um 0,6 auf 52,7 Zähler zu.

Entlastet wurden die Unternehmen durch sinkende Kosten. „Die niedrigeren Öl- und Energiepreise sorgten dafür, dass die Einkaufspreise nicht nur zum zweiten Mal hintereinander, sondern auch so stark sanken wie zuletzt im September 2009“, sagte Kolodseike. Gleichzeitig senken die Firmen ihre Verkaufspreise - und das so deutlich wie seit fast fünf Jahren nicht mehr.

Die Wirtschaft der Euro-Zone hat einen positiven Jahresauftakt erwischt. Der Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister legte im Januar um 0,8 auf 52,2 Punkte zu, wie das Markit-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter 5000 Unternehmen mitteilte. Das ist der beste Wert seit fünf Monaten. Ökonomen hatten nur mit 51,8 Zählern gerechnet. Ab 50 Punkten signalisiert das Barometer ein Wachstum. „Allerdings ist die Wachstumsrate nach wie vor Besorgnis erregend niedrig“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. „Die Konjunktur steht nicht nur weiter auf wackligen Beinen, sondern bleibt auch anfällig für Risiken und Rückschläge.“

Sorgenkind ist nach wie vor Frankreich, das im Januar erneut am schlechtesten abschnitt. Die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone verharrte den neunten Monat in Folge im Rückwärtsgang.

Es gibt aber auch Signale, dass die Währungsunion weiter an Schwung gewinnen könnte. So wurden erneut mehr Stellen geschaffen. Gleichzeitig werden Unternehmen wie Verbraucher durch sinkende Ölpreise entlastet. „Dank der anziehenden Nachfrage fiel der Zuwachs beim Auftragseingang im Januar so hoch aus wie zuletzt vor fünf Monaten“, hieß es weiter.

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie kletterte um 0,2 auf 50,8 Punkte und damit auf den höchsten Wert seit einem halben Jahr. Das Barometer der Dienstleister legte um 0,7 auf 52,3 Zähler zu.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutschland und Euro-Zone: Die Wirtschaft gewinnt an Schwung"

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  • Wenn der Öl Preis wieder anzieht geht allen schnell die puste aus....

  • Tja, ein Aufschwung ist wohl zunächst nicht wirklich
    geplant, erstmal umverteilen von unten nach oben.
    Das Regime braucht die Krise für seine politischen Ziele.

  • seltsam, dass mit dem gewollt! fallenden Euro genau dieser Entlastung entgegen gearbeitet wird.

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