DIW-Studie
„Ausgaben für Flüchtlinge wirken wie Konjunkturprogramm“

Das deutsche Wirtschaftswachstum muss bis 2017 ohne den Rückenwind vom Außenhandel auskommen. Das ist das Ergebnis einer Studie des DIW-Instituts. Dafür sorgen die massiven Ausgaben für Flüchtlinge für Auftrieb.

BerlinExport-Europameister Deutschland muss nach Prognose des DIW-Instituts in den kommenden beiden Jahren ohne Rückwind vom Außenhandel auskommen. „Die insgesamt kräftige Binnenwirtschaft sorgt dafür, dass die Importe schneller als die Exporte steigen“, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch. „Letztere laufen zwar nach wie vor gut, per saldo wird der Außenhandel in den kommenden beiden Jahren aber wohl nicht mehr zum Wachstum der deutschen Wirtschaft beitragen.“ Das Bruttoinlandsprodukt werde 2016 wegen der Ausgaben für die Flüchtlingshilfe mit 1,7 Prozent genauso schnell wachsen wie im zu Ende gehenden Jahr. 2017 soll es nur zu 1,5 Prozent reichen.

„Die Ausgaben für Geflüchtete werden wie ein massives Konjunkturprogramm wirken, vergleichbar mit dem während der globalen Finanzkrise in den Jahren 2009 und 2010“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Ohne den Stimulus – der jährlich 15 bis 17 Milliarden Euro oder 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmache – würde das Wirtschaftswachstum deutlich geringer ausfallen. „Die größte Schwäche der deutschen Konjunktur sind die niedrigen öffentlichen und privaten Investitionen, die nahe ihres historischen Tiefpunkts verharren, trotz einer dynamischen privaten Konsumnachfrage“, sagte Fratzscher. Die Politik müsse daher die Rahmenbedingungen für Investitionen verbessern.

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet in den kommenden beiden Jahren mit einem ähnlichen Wachstum wie das DIW. Die Einkommensaussichten blieben recht gut. „Dazu trägt die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bei“, erklärte das IWH. „Auch wird die Kaufkraft der Verbraucher vom jüngsten Rückgang der Energiepreise gestärkt.“ Der private Konsum dürfte deshalb die größte Konjunkturstütze bleiben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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