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Einbruch um bis zu 7 Prozent: Deutsche Wirtschaft steuert auf Desaster zu

Der Wettlauf um die pessimistischste Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum nimmt kein Ende. Jetzt hat die Commerzbank mit einer neuen drastischen Vorhersage schockiert: Sie rechnet für 2009 mit einem Einbruch um bis zu sieben Prozent. Aber auch andere Ökonomen sehen die Situation mittlerweile dramatischer als bislang angenommen und malen schwarz für die deutsche Wirtschaft.

Im kommenden Jahr wird es keine Aufwärtsbewegung geben, die den Namen Aufschwung verdient, sagen die Commerzbank-Ökonomen. Quelle: dpa
Im kommenden Jahr wird es keine Aufwärtsbewegung geben, die den Namen Aufschwung verdient, sagen die Commerzbank-Ökonomen. Quelle: dpa

HB BERLIN. Der Prognose-Wettlauf geht in die nächste Runde. Wie stark bricht die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr ein? Als der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, vor wenigen Wochen erst ein Minus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in 2009 von vier, dann von fünf Prozent prophezeite, erntete er ungläubiges Kopfschütteln. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) warf ihm unverantwortliches Handeln vor. Inzwischen gelten Walters Prognosen sogar als zu optimistisch. Denn andere Prognostiker haben ihn längst überholt. An die Spitze der Horrorszenarien-Entwickler hat sich die Commerzbank gestellt. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um sechs bis sieben Prozent einbrechen, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie der Bank-Ökonomen. Damit korrigierten die Experten ihre bisherige Prognose von minus drei bis vier Prozent drastisch.

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Dass die Commerzbanker mit ihrem Szenario möglicherweise gar nicht so falsch liegen, glaubt das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). IWH-Konjunkturexperte Axel Lindner sagte der Nachrichtenagentur AP, derzeit sei vieles denkbar, also sei es nicht ausgeschlossen, dass die Vorhersage der Commerzbank zuträfe. Lindner hält aber dennoch an der Prognose seines Hauses fest: Das IWH in Halle hatte zuletzt ein Minus von 4,8 Prozent für das laufende Jahr und einen Rückgang von 0,2 Prozent für das Jahr 2010 vorher gesagt. Der derzeit scharfe Schrumpfungsprozess der Wirtschaft werde sich im Jahresverlauf verlangsamen, meinte Lindner.

Auch die privaten Banken werden ihre Prognose für das Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich weiter absenken. Der scheidende Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Klaus-Peter Müller, wollte die bisherige Schätzung von minus 3,5 Prozent nicht wiederholen. Derzeit arbeiteten die Volkswirte daran, die aktuellen Daten etwa zum Auftragseingang zu bewerten. Zwar halte sich die Inlandsnachfrage besser als erwartet. Die Exporte hätten sich aber deutlich verschlechtert. Müller wollte noch keinen neue Zahl nennen. Alles deute aber darauf hin, "dass die Prognosen noch einmal nach unten korrigiert werden".

Das ifo-Institut rechnet derweil nicht mit einem schnellen Ende der Rezession. Die Wirtschaftsleistung werde 2009 definitiv um mehr als vier Prozent zurückgehen, sagte ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen auf AP-Anfrage. Auch für 2010 seien die Experten des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts „relativ pessimistisch“. Für 2009 rechnen die Forscher nach Angaben von Carstensen im Jahresverlauf mit einer Million mehr Arbeitslosen.

Nach Ansicht des IMK-Instituts zieht die taumelnde Weltwirtschaft die Konjunktur in Deutschland drastisch nach unten. Im laufenden Jahr werde die Wirtschaftsleistung um fünf Prozent schrumpfen, erklärten die gewerkschaftsnahen Düsseldorfer Forscher. „Die Exporte - der Konjunkturmotor des vergangenen Aufschwungs - brechen dramatisch ein.“ Für 2009 sei hier ein Minus von 15,6 Prozent zu erwarten. Auch wenn die Konjunkturprogramme ab Jahresmitte einen Beitrag zur Stabilisierung leisten dürften, werde die Talsohle des Abschwungs erst 2010 erreicht. Im kommenden Jahr sei allenfalls mit einer Stagnation und einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,2 Prozent zu rechnen. „Im zweiten Halbjahr 2009 schlägt die wirtschaftliche Schwäche deutlich auf den Arbeitsmarkt durch“, erklärte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Die Arbeitslosigkeit werde im vierten Quartal saisonbereinigt die Marke von vier Mio. überschreiten. Im Jahresschnitt 2010 seien voraussichtlich 4,5 Mio. Menschen ohne Job.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) korrigierte seine Prognose für 2009 ebenfalls nochmals deutlich. Die Berliner Experten rechnen jetzt mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um vier bis fünf Prozent, wie Konjunkturforscher Stefan Kooths sagte. Der schlechte Start ins neue Jahr und die aktuelle Entwicklung ließen keine anderen Schlüsse zu, sagte er. Schon im Februar hatte das DIW seine Konjunkturerwartungen für das Gesamtjahr massiv nach unten korrigiert und ein Minus von deutlich mehr als drei Prozent für wahrscheinlich erklärt. Im Januar hatten die Berliner Forscher noch ein Minus von einem Prozent prognostiziert.

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