Entwurf liegt vor

EU-Kommission plant neue Regeln zur Bankenabwicklung

Die EU-Kommission will die Abwicklungsvorschriften für europäische Banken optimieren. Bankenaufseher sollen künftig Forderungen an Gläubiger aussetzen können – und Steuerzahler besser geschützt werden.
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Die EU-Kommission will die Abwicklungsvorschriften für Banken in Europa anpassen. Quelle: dpa
Neue Regeln

Die EU-Kommission will die Abwicklungsvorschriften für Banken in Europa anpassen.

(Foto: dpa)

BrüsselDie EU-Kommission will kommende Woche neben den Eigenkapitalregeln auch die Abwicklungsvorschriften für Banken in Europa anpassen. Dem Reuters am Freitag vorliegenden Entwurf zufolge sollen Bankenaufseher künftig das Recht erhalten, die Auszahlung an bestimmte Gläubiger einer Bank um bis zu fünf Tage auszusetzen, falls das Geldhaus in Schieflage geraten ist.

Zudem sollen die Regeln an bestimmten Stellen klarer formuliert werden, um Investoren außerhalb der EU – etwa aus den USA – mehr Rechtsicherheit zu geben. Einem hochrangigen Vertreter der EU-Kommission zufolge bleibt es aber dabei, dass auch diese Gläubiger für die Verluste einer kollabierenden Bank mithaften.

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Europas Banken stecken in der Krise. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere.

Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Bis auf drei Banken liegt das KBV bei allen Geldhäusern unter 1, drastisch fällt dieser Wert bei der Deutschen Bank aus. Ein KBV unter 1 bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen würden als von der Fortführung des Geschäfts, – oder, dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 2. Quartal 2017. Aktienkurse vom 3. August 2017

Platz 10: Commerzbank
2 von 12

Nettoverlust: 643 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –3,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 13 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,50

(Quelle: Bloomberg)

Platz 11: Barclays
3 von 12

Nettoverlust: 1.440 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –4,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,1 Prozent

KBV: 0,63

Platz 7: RBS
4 von 12

Nettogewinn: 791 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,8 Prozent

KBV: 0,66

Platz 9: Credit Suisse
5 von 12

Nettogewinn: 280 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 4,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,3 Prozent

KBV: 0,88

Platz 8: Deutsche Bank
6 von 12

Nettogewinn: 447 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,1 Prozent

KBV: 0,48

Platz 5: Société Générale
7 von 12

Nettogewinn: 1.058 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 9,5 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,7 Prozent

KBV: 0,65

Die Vorschläge der EU-Kommission sollen Mitte kommender Woche präsentiert werden. Ihnen müssen dann EU-Parlament und die EU-Staaten noch zustimmen. Seit Januar müssen in der neuen EU-Bankenrichtlinie BRRD bei der Sanierung kriselnder Institute zunächst Gläubiger und Eigner der Bank zur Kasse gebeten werden. Steuerzahler sollen so anders als zu Zeiten der weltweiten Finanzkrise besser vor Schieflagen im Bankensektor geschützt werden.

Ebenfalls kommende Woche will die Brüsseler Behörde Pläne für die Überarbeitung der Eigenkapitalverordnung (CRR) und der Eigenkapitalrichtlinie (CRD) vorlegen. Dem Entwurf zufolge soll darin unter anderem kleinen Banken mehr Freiraum bei der Kreditvergabe für den Mittelstand gelassen werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag berichtete.

  • rtr
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