Euro-Gruppenchef Dijsselbloem: Der Mann mit Rückgrat

Euro-Gruppenchef Dijsselbloem
Der Mann mit Rückgrat

Vor einem Jahr startete der Niederländer Dijsselbloem als Chef der Euro-Gruppe. Keine leichte Aufgabe, zumal die Krise nicht überwunden ist. Auch seine lockeren Bemerkungen haben ihm Unmut eingebracht.
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Brüssel/AmsterdamGegelte Locken, randlose Brille und flotte Sprüche: Mit Jeroen Dijsselbloem weht ein frischer Wind in der Euro-Gruppe. Der niederländische Finanzminister führt seit einem Jahr den exklusiven Club der Euro-Kassenhüter. EU-Diplomaten bescheinigen dem Sozialdemokraten, er habe bereits einige Erfolge erzielt. Doch ihm fehle eine dauerhafte Absicherung auf dem rutschigen EU-Parkett.

Die Euro-Schuldenkrise war in Dijsselbloems erstem Jahr die größte Herausforderung. Der 47-Jährige profitierte davon, dass Mario Draghi als mächtiger Patron der Europäischen Zentralbank (EZB) die Finanzmärkte beruhigte. So will die EZB unter bestimmten Bedingungen Staatsanleihen von Problemstaaten kaufen. Der Euro-Zone droht nun kein Auseinanderbrechen mehr.

„Irland hat im vergangenen Monat sein (Hilfs-)Programm nach drei Jahren verlassen, Spanien nach nur einem Jahr“, resümierte der Niederländer unlängst zufrieden in Hongkong. Doch für Entwarnung ist es zu früh. Die Krise ist nicht endgültig überwunden. Sorgen gibt es beispielsweise wegen der instabilen politischen Lage in Italien. Im Frühsommer wird es erneut Bankenstresstests geben, die für neue Turbulenzen sorgen könnten, meinen Experten.

Dijsselbloem gilt im Euro-Club zwar als ein Vertreter der reichen Länder, die auf Budgetdisziplin achten. Doch die Lage in der Heimat ist für den gelernten Agrarökonomen alles andere als einfach. In Den Haag steht er vor leeren Kassen und ist mit politischem Widerstand gegen die „Brüsseler Sparpolitik“ konfrontiert.

Nur durch einen mühsam errungenen Kompromiss mit drei Oppositionsparteien bekam die große Koalition von Rechtsliberalen und Sozialdemokraten in den Niederlanden im Herbst eine Mehrheit für weitere Milliardeneinsparungen. Die EU-Partner zeigen sich großzügig und räumen mehr Zeit zum Sparen ein. Im laufenden Jahr wird das Defizit 3,3 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen und damit 0,3 Punkte über dem Maastrichter Grenzwert liegen.

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