Euro-Krise
Griechenland-Drama belastet Euro-Konjunktur

Die Krise in Griechenland hemmt weiterhin den Aufschwung in der Euro-Zone – das gilt vor allem für die größten europäischen Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich.
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BerlinDer Aufschwung in der Euro-Zone bleibt wegen der Verunsicherung durch die Dauerkrise in Griechenland holprig. Die Geschäfte wuchsen zu Beginn des zweiten Quartals wegen der Schwäche in den größten europäischen Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich langsamer. In den anderen Euro-Ländern beschleunigte sich das Wachstum dagegen so stark wie zuletzt im August 2007, wie der am Donnerstag veröffentlichte Einkaufsmanagerindex des Markit-Instituts signalisierte. Das Barometer für die Privatwirtschaft in der Euro-Zone fiel im April überraschend um 0,5 auf 53,5 Punkte. Es hielt sich aber klar über 50 Zähler und signalisiert damit ein Wachstum.

„Unter den Unternehmen und deren Kunden hat die Risikobereitschaft – nicht zuletzt wegen der Probleme mit Griechenland – merklich nachgelassen“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Das drücke die Nachfrage. „Noch ist es zu früh, von einem stockenden Wirtschaftswachstum zu sprechen“, sagte er zu der Umfrage unter 4000 Unternehmen. Die Hoffnung, dass der massenhafte Kauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) die Konjunktur anschieben werde, habe sich aber vorerst nicht erfüllt. „Die momentane Abkühlung ist doch eine herbe Enttäuschung“, sagte Williamson.

Auch Banken-Ökonomen führen das auf die mögliche Staatspleite Griechenlands zurück. „Die Sorgen über die Lage in Griechenland und den drohenden Euro-Austritt nehmen zu“, sagte Ökonomin Jessica Hinds von Global Economics. „Das erhöht die Gefahr einer erneuten Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone.“ Griechenland feilscht mit den Euro-Ländern über neue Hilfsgelder und steht dabei unter hohem Zeitdruck, da ohne Kredite die Zahlungsunfähigkeit droht.

Die langsamere Gangart ist vor allem auf Deutschland und Frankreich zurückzuführen. „In Frankreich stagniert die Wirtschaft dagegen wegen der beschleunigten Talfahrt des dortigen Industriesektors fast schon wieder“, sagte Williamson. Auch das deutsche Barometer zeigte nach unten, signalisiert aber weiter ein ordentliches Wachstum.

Ein Grund für den Wackler im Aufschwung der exportabhängigen deutschen Wirtschaft ist die Schwäche Chinas. Der dortige Einkaufsmanagerindex signalisierte ein Schrumpfen der Industrie, die als Exportweltmeister ein wichtiger Taktgeber der Weltwirtschaft und einer der größten Kunden der deutschen Unternehmen ist. „Weiterhin bestehende Überkapazitäten in der Industrie und die andauernde Preiskorrektur am Immobilienmarkt sprechen grundsätzlich gegen eine rasche Trendumkehr bei der Wachstumsdynamik“, erwartet Allianz-Ökonom Gregor Eder. Er geht deshalb davon aus, dass Regierung und Zentralbank früher oder später konjunkturstützende Maßnahmen verabschieden werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Euro-Krise: Griechenland-Drama belastet Euro-Konjunktur"

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  • Im Handelblatt ""Für die Euro-Zone rückt der Tag X näher""
    Der Tag X wird sich regelmäßig wiederholen, c'est toujours le dernier qui se fait bouffer, quand la Grèce sera partie ce sera le tour d'un autre pays périphérique.
    L'EU ce n'est pas une union c'est une chasse gardée pour les champions de l'exportation, c'est à dire pour nos amis d'outre Rhin. Cannibalisme primitif, loi du plus fort.
    La question finale (Endlösung) va se poser quand ce sera le tour de l'Italie
    Là le morceau risque de leur rester dans la gorge!

  • Reuters irrt gewaltig!
    Wie sollten weniger als 1,5 Prozent des EU BIP die Konjunktur negativ beeinflussen? sogar Griechenland wird bei niedrigem Eurokurs Wachstum aufweisen. Alles andere ist Panikmache! Dafür wird Reuters von interessierten Kreisen auch bezahlt. Die Schlagzeile ist folglich getürkt. Das Wachstum allein der deutschen Wirtschaft, ohne Exportüberschüsse in die Eurozone sind der Garant für das Wachstum der ganzen Zone. Sollte Markit das nicht erkennen, müssen die das iohren Geldgebern nicht sagen., die wollen das gar nicht wissen. Der Hintergrund ist völlig anders. Das kann man aber nicht im Kommentar schreiben.

  • Wenn das kleine Griechenland die Eurozone mit seinen 500 Millionen Menschen in derartige Schwierigkeiten bringen kann, dann ist das ganze Euro/EU-Konstrukt aber auf sehr, sehr tönernen Füßen gebaut....

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