Euro-Krise
Wirtschaftsforscher: Griechische Syriza-Partei sollte keinen Schuldenschnitt anstreben

Bei den Neuwahlen in Griechenland könnte das linksradikale Syriza-Bündnis an die Regierung kommen. Dessen Chef, Alexis Tsipras, strebt einen Schuldenschnitt an. Ökonom Gustav Horn warnt vor einem solchen Schritt.
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Der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, hält es für falsch, wenn die radikale griechische Linke (Syriza) von Alexis Tsipras im Fall eine Siegs bei der Parlamentswahl Ende Januar einen Schuldenschnitt anstreben sollte. „Einen Schuldenschnitt halte ich wirtschaftlich und politisch für falsch“, sagte Horn dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Wirtschaftlich würde es sowohl für Griechenland als auch für die übrigen Krisenländer sofort zu erhöhten Risikoprämien kommen, was deren Erholung weiter erschweren würde.“

Hauptgeschädigter eines Schuldenschnitts  wäre nach Horns Überzeugung die Gemeinschaft der Mitgliedsstaaten der Euro-Länder. „Sie aber haben Griechenland nicht aus spekulativen Gründen Geld geliehen, sondern um zu helfen“, sagte er. „Wenn sie  dafür mit einem Schuldenschnitt bestraft werden, dürfte dies die politische Bereitschaft künftig Krisenländer zu unterstützen  massiv erschweren.“ Es liege daher weder im Interesse Griechenlands noch der übrigen Mitgliedstaaten einen Schuldenschnitt anzustreben. „Das sollte Syriza bedenken.“

Dessen ungeachtet wäre eine neue Regierung unter der Führung der Syriza-Partei aus Sicht Horns auch eine neue Chance. „Es ist doch offenkundig, dass die  bisherige politische und wirtschaftliche Elite in Griechenland versagt hat“, sagte der Ökonom. „Deren Abwahl wäre somit ein Akt demokratischer Katharsis.“ Das wirtschaftspolitische Programm von Syriza  bedürfe aber noch einer gründlichen Fokussierung. Richtig sei beispielsweise, den harten Austeritätskurs zu verlassen und damit die Binnennachfrage zu entlasten.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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