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Euro-Raum: Kredite bleiben knappes Gut

Die Kreditvergabe der Banken an private Haushalte und Unternehmen im Euro-Raum ist im September erstmals seit Einführung der Statistik im Jahr 1992 geschrumpft. Die neuen Zahlen nähren Zweifel am Zeitpunkt und dem Ausmaß der wirtschaftlichen Erholung im Euro-Raum.

Kommt sie oder kommt sie nicht - die Kreditklemme? Quelle: Caepsele
Kommt sie oder kommt sie nicht - die Kreditklemme? Quelle: Caepsele

FRANKFURT. Die Kreditvergabe reduzierte sich im Jahresver um 0,3 Prozent, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag mit. Blickt man speziell auf die Unternehmenskredite, so betrug der Rückgang 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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Auch im Monatsvergleich schrumpfte im Euro-Raum das Volumen von Firmendarlehen. Der Monatsendstand von September lag 0,2 Prozent unter dem Augustwert. Noch schlechter sieht es in Deutschland aus. Dort schrumpfte der Bestand an Unternehmenskrediten nicht nur im Vergleich zum Vorjahr um 0,93 Prozent. Auch von August auf September ging das Volumen der Firmenkredite um 0,45 Prozent auf 919,2 Mrd. Euro zurück. Damit ist der Kreditbestand in der Bundesrepublik seit Januar 2009 in jedem einzelnen Monat gesunken - und zwar insgesamt um 3,6 Prozent.

Die neuen Zahlen belegen, dass der Kreditzyklus das größte Fragezeichen im Hinblick auf Zeitpunkt und Ausmaß der wirtschaftlichen Erholung im Euro-Raum ist, kommentierten die Volkswirte von Unicredit. "Während die Kreditvergabe an Haushalte sich zu fangen scheint, sieht es ganz nach einer Verschlechterung bei den Firmenkrediten aus, und wir erwarten, dass sich das bis Mitte 2010 fortsetzen wird", heißt es in der Studie von Unicredit.

EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi hatte unlängst vor einer Verschlechterung der Bonität der Kreditnehmer gewarnt. Das werde die Möglichkeiten der Banken, Gewinne zu machen, beschränken. Im Gegensatz zu den nach wie vor rückläufigen Krediten an die Unternehmen haben die Kredite an die privaten Haushalte seit Mai tendenziell schon wieder angezogen. Das entspricht dem typischen Verhalten im Konjunkturverlauf. Die EZB ist der Ansicht, dass die bisherige Einschränkung der Kreditvergabe hauptsächlich auf mangelnde Nachfrage zurückzuführen ist, es also keine allgemeine Kreditklemme gibt. "Sie sieht allerdings das Risiko, dass es dazu noch kommen könnte", sagte Michael Schubert, EZB-Experte der Commerzbank. Die Einschätzung, dass in erster Linie ein Mangel an Nachfrage nach Krediten vorliege, bestätigten die Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe im Euro-Raum. Zumindest legten das die Ergebnisse der jüngsten Industrieumfrage der EU-Kommission nahe (siehe Grafik).

Nach Auffassung von Schubert legt die weiter schwache Kreditvergabe im privaten Sektor nahe, dass die EZB mit Blick auf die Zinsen und den Abbau ihrer quantitativen Lockerung an ihrer vorsichtig abwartenden Haltung festhalten dürfte. Die EZB hatte aufgrund der Finanzkrise die Liquidität, die sie dem Bankensystem zur Verfügung stellt, drastisch erhöht. Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken kann keine Vorboten einer Kreditklemme aus den Daten der EZB herauslesen. In den Zahlen auf Jahresbasis komme vielmehr die Kreditentwicklung in den Monaten nach der Lehman-Insolvenz voll zum Tragen.

Absolut weiter zurück ging nach den Angaben der EZB auch die Zwölfmonatsrate der Wohnungsbaukredite im September. Sie fiel von minus 0,4 auf minus 0,6 Prozent. Die Wachstumsrate der Konsumentenkredite war mit minus 1,1 Prozent gegenüber August nahezu unverändert (minus 1,0 Prozent). Dagegen erhöhte sich das Wachstum der sonstigen Kredite an private Haushalte von 1,3 Prozent im Vormonat auf 1,5 Prozent im September. Die Zwölfmonatsrate der Kreditvergabe an öffentliche Haushalte erhöhte sich im Berichtsmonat auf 13,6 Prozent, verglichen mit 11,5 Prozent im August. Spiegelbildlich zu der Kreditvergabe verlief die Wachstumsrate der Geldmenge M3. Sie ist im September auf 1,8 Prozent zurückgegangen, nachdem sie im Vormonat noch 2,6 Prozent betragen hatte.

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