Europäische Zentralbank
EZB reagiert auf Pannen-Dinner

Journalisten sollen nicht mehr unter Auflagen vorab Reden von Vertretern der Europäischen Zentralbank erhalten. Das ist eine Reaktion auf eine Panne, für die kein Journalist verantwortlich war – sondern die EZB selbst.
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FrankfurtAm Montagabend hatte Benoît Cœuré, Direktor der Europäischen Zentralbank (EZB), auf einem Dinner in London vor ausgewählten Vertertern von Hedgefonds und Banken, Details zum Anleihekauf-Programm der Institution bekannt gegeben. Die Rede veröffentlichte die Zentralbank jedoch erst am Tag danach – und der Euro-Kurs stürzte ein. Das löste eine heftige Debatte über die Informationspolitik der EZB aus.

Die Währungshüter ziehen jetzt eine Konsequenz aus dem Vorfall. Redetexte von EZB-Verantwortlichen sollen künftig nicht mehr vorab mit einer Sendersperrfrist an Journalisten übermittelt. Bislang erhalten Journalisten viele Vorträge vorab unter der Auflage, erst mit Beginn der Rede über das Manuskript zu berichten.

Die Verschärfung der Verfahrensweise sei eine Reaktion auf die Veranstaltung nur für geladene Gäste mit Cœuré. Der EZB-Direktor hatte bei dem Abendessen angekündigt, dass die EZB einen Teil der für Juli und August geplanten Anleihenkäufe wegen der in der Urlaubssaison üblicherweise dünnen Umsätze auf Mai und Juni vorzuziehen wolle. Dies löste Kritik aus, dass die anwesenden Banker und Hedgefonds-Manager früher als andere wichtige Informationen erhalten hätten.

Die alte Regel hatte sicherstellen sollen, dass alle Marktteilnehmer gleichzeitig über die Reden informiert werden sollten. Künftig deutet sich ein Wettlauf an, wer die verbreiteten Zeilen am schnellsten deutet. Vorab-Infos aus dem Direktorium selbst an ausgewählte Gäste wie bei dem Londoner Dinner, schließt die neue Regel allerdings nicht aus. Die EZB muss auf die Disziplin der eigenen Verantwortlichen setzen. Für die Institution besteht keine Ad-hoc-Pflicht wie etwa für Aktiengesellschaften, die entscheidende Informationen über elektronische Wege zur Verfügung stellen müssen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Europäische Zentralbank: EZB reagiert auf Pannen-Dinner"

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  • So,so ein Mitarbeiter der EZB -immerhin Direktor- erklärt ausgewählten geladenen Gästen wie sie Reibach mit den Maßnahmen der EZB machen können .Konsequenz : Journalisten erhalten zukünftig keine Vorabinformationen mehr.
    Schluß: Die ausgewählten Gäste sollen zukünftig nicht mehr beim Reibachmachen durch andere gestört werden.So geht westliche "Werte"-Demokratie !

  • Gute EZB, böse Journalisten
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    Die "liebe" EZB hat Vertreter von Hedgefonds vorab über den Ankauf von Schrottpapieren informiert.
    Aber die bösen Journalisten haben es verraten.
    Jetzt sollen die bösen Journalisten keine Vorab-Informationen mehr erhalten.

  • Die gehören allesamt in den Kast. Und das nicht erst seit diesem Vorfall!
    Aber sie stehen ja über dem Recht!!!
    Das muss ein Ende haben! Etwas Zeit haben die Politdarsteller noch für grundlegende Korrektur, sonst gibts die Revolution!

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