Europäische Zentralbank: Inflationssorgen wachsen

Europäische Zentralbank
Inflationssorgen wachsen

Der Gouverneur der Zentralbank von Zypern, Athanasios Orphanides, schließt nicht aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins noch einmal anheben wird. Die Bundesbank hat gerade für 2008 eine Verteuerung des durchschnittlichen Warenkorbs um 2,3 Prozent vorhergesagt. Die EZB würde ihr Stabilitätsziel zum neunten Mal in Folge nicht erreichen.

FRANKFURT. „Dass der EZB-Rat das Jahresende abgewartet hat, heißt nicht, dass er nicht bereit sein sollte, die Zinsen weiter zu erhöhen, falls das erforderlich ist“, sagte Orphanides dem Handelsblatt. Zypern gehört seit dem 1. Januar 2008 zur Europäischen Währungsunion. Orphanides ist damit stimmberechtigtes Mitglied im EZB-Rat.

Der EZB-Rat hatte im September wegen der Finanzmarktkrise eine bereits angekündigte Anhebung des Euro-Leitzinsen von vier auf 4,25 Prozent ausgesetzt, obwohl er damals schon mit hohen und steigenden Inflationsraten im Euro-Raum rechnete. Die Bundesbank hat gerade für 2008 eine Verteuerung des durchschnittlichen Warenkorbs um 2,3 Prozent vorher gesagt. Die EZB würde damit ihr Stabilitätsziel zum neunten Mal in Folge nicht erreichen. Denn auch 2007 hat sie es wahrscheinlich knapp verfehlt. Die offiziellen Zahlen werden morgen veröffentlicht. Nach EZB-Definition herrscht Preisstabilität bei einer Inflationsrate von „unter, aber nahe zwei Prozent“.

Orphanides teilt die Sorgen der Ratsmitglieder, „die über die Inflation extrem besorgt sind“. Entsprechend haben sich in den letzten Wochen unter anderem Bundesbankpräsident Axel Weber, EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark und der finnische Zentralbankgouverneur, Erkki Liikanen, geäußert.

Der Zypriote verteidigt aber die Entscheidung des Rates von Anfang Dezember, mit Blick auf die Finanzmärkte vor weiteren Beschlüssen erst einmal den Jahreswechsel abzuwarten: „In der gegebenen Situation war es richtig, die Entwicklungen genau zu beobachten und weitere Informationen zu sammeln“. Zum Jahresende seien viele Akteure bemüht, gute Ergebnisse zu präsentieren. Das setze die Märkte immer unter besonderen Druck. „Danach herrschen wieder normalere Bedingungen, und die Unsicherheiten sind geringer, ob in irgendwelchen Kellern noch verborgene Skelette schlummern“, sagte Orphanides.

Eine völlige Beruhigung am Geldmarkt erwartet der Notenbanker aber erst in einigen Monaten. Der genaue Zeitpunkt hänge davon ab, wie schnell die Banken Aufschluss über ihre wahre Lage gäben. Die EZB versucht seit Ausbruch der Finanzkrise mit zusätzlicher Liquidität, den Zinssatz für Tagesgeld bei vier Prozent zu stabilisieren.

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