Europäische Zentralbank: Viel Kritik und wenig Lob in Deutschland für EZB

Europäische Zentralbank
Viel Kritik und wenig Lob in Deutschland für EZB

Nach dem Anleihen-Kaufprogramm der EZB warnen Wirtschaftsvertreter vor Vermögensblasen. Unionspolitiker werfen Draghi Weichwährungspolitik vor. SPD und Grüne äußersten dagegen Verständnis.
  • 8

BerlinDas riesige Anleihen-Kaufprogramm der Europäische Zentralbank ist in der deutschen Wirtschaft und der Politik überwiegend auf Kritik gestoßen. Die Bundesregierung enthielt sich am Donnerstag einer inhaltlichen Bewertung. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte beim Weltwirtschaftsforum in Davos lediglich, was immer die EZB mache, die Politik müsse die entscheidenden Bedingungen für mehr Wachstum schaffen.

Besonders massive Angriffe kamen von Politikern der CSU, die EZB-Chef Mario Draghi eine Schwächung des Euro vorwarfen. AfD-Chef Bernd Lucke sprach von „einer Art Verzweiflungstat“ der EZB. Dagegen äußerten SPD- und Grünen-Politiker Verständnis. Überwiegend negativ fielen die Reaktion aus der Real- und Finanzwirtschaft aus.

Der EZB-Präsident kündigte erwartungsgemäß ein umfangreiches Anleihen-Kaufprogramm an. Geplant sind ab März Wertpapierkäufe im Volumen von 60 Milliarden Euro pro Monat. Draghi will damit Deflationsgefahren, die die EZB in Europa sieht, bekämpfen und der europäischen Wirtschaft Impulse geben.

Weder Merkel noch Finanzminister Wolfgang Schäuble oder Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel wollten die EZB-Entscheidung konkret kommentieren. Vielmehr verwies die Kanzlerin in Davos darauf, dass die Notenbank ihre Entscheidungen in voller Unabhängigkeit treffe. Merkel mahnte aber, die Politik dürfe sich nicht auf die EZB verlassen, wenn es um mehr Wachstum gehe. Sie bleibe in der Verantwortung. Gabriel warnte, ebenfalls in Davos, langfristig niedrige Zinsen belasteten die Sparer.

Massive Vorwürfe gegen Draghi kamen aus dem Lager der Unionsparteien, aber auch von Linken und den Euro-Skeptikern der AfD. Der stellvertretende CSU-Chef Peter Gauweiler, der schon früher gegen EZB-Entscheidungen beim Bundesverfassungsgericht geklagt hatte, bereitet nach eigenen Angaben bereits eine weitere Klage gegen die Zentralbank vor.

Der Unionsobmann im Finanzausschuss Hans Michelbach warf Draghi eine „Weichwährungspolitik“ und eine ihr nicht erlaubte Staatsfinanzierung vor. Sein Parteifreund, Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrich, äußerte sich enttäuscht über Draghis Anleihenkäufe, mit denen er den Schuldenvirus nähre.

Seite 1:

Viel Kritik und wenig Lob in Deutschland für EZB

Seite 2:

Wenig Lob aus der Wirtschaft

Kommentare zu " Europäische Zentralbank: Viel Kritik und wenig Lob in Deutschland für EZB"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Viel Kritik und wenig Lob in Deutschland für EZB

    ----------------------------------------------------

    500 Millionen von Europäer haben keinen nutzen davon !

    500 Millionen von Europäer dürfen die Schuldenlast tragen !








  • Nein, Deutschland fährt keinen vor die Wand. Mit diesem Anleihenaufkauf setzt sich Deutschland selbst massiv unter Druck, da die Schuldenlast nur zu 20% einer gemeinsamen Haftung unterliegt. Was ist mit den restlichen 80%? Frau Merkel hat ja deutlich gesagt, das dies die Sache der EZB ist und mahnt Reformen in den EU Ländern an - sie meint damit wohl den alternativlosen Sparkurs. Ich sehe die Gefahr, dass ein Grossteil des Geldes in maßlosen Spekulationen an der Börse verschossen wird und nicht in der Realwirtschaft. Da die Realwirtschaft aber von einem starken Konsum der Bevölkerung und Investitionen in die Unternehmen abhängig ist, wird dort nicht allzuviel ankommen. Der Grund ist die Menschen haben nicht mehr Geld und die Unternehmen haben keinen Grund zu investieren, wenn es keine Nachfrage gibt. Der deutsche Durchschnittshaushalt braucht nicht wesentlich mehr Konsumgüter als er schon hat. Die Nachfrage bleibt bescheiden und lässt nach, die Preise bleiben niedrig und fallen weiter, die Inflation ist niedrig und schlägt eventuell in Deflation um. Wenn nicht verbraucht wird, werden nicht so viele Arbeiter , Ingenieure , u.a. benötigt . Die nahezu Vollbeschäftigung wird von Arbeitslosigkeit eingeholt, es gibt gesellschaftlichen Unfrieden und man kämpft um die verbliebenen Arbeitsplätze unter den Menschen egal welcher Herkunft und dies wird den Konflikt , der sich ja durch die ***gida Protestbewegungen äußert noch verschärfen.
    Besser wäre gewesen , die Löhne in der Eurozone anzupassen und auf ein ordentliches Mass anzuheben, so dass die Menschen davon ein gutes Leben führen können, so käme der Konsum in Fahrt und damit die Realwirtschaft. Ein Prost auf die anstehenden Gewinne an den Börsen - es lebe die Finanzwirtschaft.

  • Ein Drogensüchtiger namens Draghi vernichtet Europa. Es ist noch nicht ganz klar was dieser Wahnsinne wirklich im Schilde führt.
    Arbeitet er für die Bilderberger, den amerikanischen Banken, spielt er den Hedgefonds in die Hände oder was macht dieser irre Mensch. Und noch irrer führen sich unsere Volksvertreter auf. Aber vielleicht wurden unsere Politiker im Namen der Europäischen Gemeinschaft auf das Glatteis geführt. Die Schweiz hat den Sauerbraten rechtzeitig gerochen und hat rechtzeitig gehandelt.

    Nun, die Bankmanager brauchen ihre großzügigen Einkommen. Keine Sorge, die Bankmanager können ihr Einkommen direkt von der EZB abheben. Solch eine fleißige Druckmaschine hätte ich auch gern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%