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Expansive Geldpolitik: Japan steuert mit neuer Geldpolitik auf Abgrund zu

Die wankende Wirtschaftsmacht Japan schickt sich an, der Euro-Schuldenkrise den Rang als größte Gefahr für die Weltwirtschaft streitig zu machen. Vor allem drei Punkte sind es, die für großes Unbehagen sorgen.

Seine Wirtschaftspolitik wird argwöhnisch beobachtet: Japans Prime Minister Shinzo Abe. Quelle: Reuters
Seine Wirtschaftspolitik wird argwöhnisch beobachtet: Japans Prime Minister Shinzo Abe. Quelle: Reuters

TokioRekordschulden hin oder her: In Japan will der neue Regierungschef Shinzo Abe die expansive Geld- und Finanzpolitik des Landes weiter vorantreiben. Mit einer wahren Geldschwemme soll der stotternde Wachstumsmotor der Insel wieder auf Touren gebracht werden. „Die fahren auf den Abgrund zu und geben noch einmal Gas“, kommentierte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, den jüngsten Kurswechsel Japans.

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Krämer steht mit seiner Kritik an dieser Strategie nicht alleine. „Mir macht ziemlich viel Sorge, was die neue Politik der neu gewählten japanischen Regierung ist“, klagt etwa Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Und Jürgen Fitschen, der Deutsche-Bank-Chef, nutzte den Neujahresempfang seines Hauses in der Hauptstadt jüngst für die Bemerkung, Japan sei das Land, „über das wir uns in Asien zurzeit die meisten Sorgen machen“.

Konjunktur Asien

Vor allem drei Ansatzpunkte der japanischen Politik sind es, an denen sich die düsteren Gefühle festmachen. Da gibt es zum einen den offenkundigen Versuch, die seit Jahren grassierende Deflation in der realen Wirtschaft mit einer uferlosen Geldschwemme zu ersticken - ungeachtet der langfristigen Folgen für Inflation oder ungelöste Strukturprobleme. Dies ist gekoppelt mit einer Vereinnahmung der Zentralbank durch die Politik, die mehr und mehr zur Hilfstruppe der Regierung zu verkommen scheint - ein Verständnis von Notenbank-Politik, das etwa Schäuble ein Graus ist.

Die dritte, hochgefährliche Entwicklung ist: Japan ist mit 235 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung höher verschuldet als Griechenland und alle anderen Krisenstaaten in Europa. Das Land ist damit sogar der Rekord-Schuldenmeister auf dem Globus. Bislang wird ein Großteil des staatlichen Kapitalbedarfs in Form von Staatsanleihen von den Japanern selbst gedeckt - deshalb hielt sich die Kritik daran bislang in Grenzen. Das meiste landete bei großen Geldhäusern, über die Millionen von Japanern ihr Erspartes und ihre Altersvorsorge anlegen. Doch mehr noch als in Deutschland nimmt die Zahl der Alten in Japan rasch zu und die Gesamtbevölkerung schrumpft. Die Alterspyramide der japanische Gesellschaft entwickelt sich zur Wohlstandsgefahr.

  • 23.03.2013, 22:48 UhrWerner

    Die Japaner können Geld drucken, soviel sie wollen. Es wird durch noch mehr gedruckte Dollars und Euros weggekauft. Kein Mensch würde den Japanern Geld borgen, oder Yen als Wertsicherung oder zum Warentausch ankaufen. Die Nachfrage nach Yen ist durch nichts begründet, v.a. da Japans Exporte schrumpfen, seine Importe steigen, also der Gütermenge ein Überangebot an Yen gegenüberstehen sollte.
    Der Grund ist ein anderer: Man darf den Japanern nicht erlauben, wieder mit Dumpingpreisen (160 Yen zum Euro) unsere Wirtschaft zu bekämpfen. Deshalb sind 120 Yen viel besser (100 waren noch schöner).
    Japan ist unser schärfster Konkurrent am Weltmarkt und jedes Auto, jede Maschine, die Japan nicht verkauft hält Deutsche in Lohn und Arbeit. Japan kann und wird den Wirtschaftskrieg nicht gewinnen und den Yen nicht mehr schwächen können. Die Billionen Yen kommen nie in der realen Welt an, wenn es FED und EZB nicht zulassen.

  • 28.01.2013, 06:12 UhrMarina

    Hegglin, so einen Unsinn können Sie doch nicht wirklich ernst meinen!? Die inoffiziellen Inflationsraten dürften deutlich über der offiziellen Teurungsrate liegen, dennoch haben wir (noch?) keine Hyperinflation. Ob diese kommt ist ungewiss, schließlich ist das nicht die einzigste Möglichkeit für den Staat seine Schulden loszuwerden, wenn auch ein sehr bequemer Weg.

    Aber als ob die Unternehmen bei einer Hyperinflation noch eine ernsthafte Entscheidungsmöglichkeit hätten, ihre Preise zu senken. Wenn die Preise für Rohstoffe und Energie steigen, hat das Unternehmen die Wahl Preise zu senken und pleitezugehen, oder die Preise der Inflation anzupassen und weiter Umsatz zu machen.

    Was Sie offenbar übersehen: Es geht hier nicht um verzichtbare Güter wie den neusten Elektronik-Schnickschnack, es geht darum, dass bei einer Inflation *alle* Preise steigen! Aber sei es drum, dann verzichten wir eben für ein paar Monate auf Lebensmittel, Heizstoffe, Medikamente, Mietzahlungen, etc. Solange, bis diese dreisten Abzocker aus der Wirtschaft endlich auf die Idee kommen, die Preise zu senken ...

  • 21.01.2013, 04:56 Uhrthomueller

    Ich lebe (leider) in Japan und habe hier mehr als einmal die Meinung gehört, dass es völlig egal ist, wieviele Schulden Japan macht, da es die Pflicht der anderen Nationen sei, Japan im Falle eines Bankrottes zu sanieren - schon aus eigenem Interesse, da Japan angeblich "too big to fail" sei.
    Da spielt auch eine Menge des im Westen kaum wahrgenommen Nationalismus der Japaner und des leider immer noch vorhandenen Geistes der Zeit des 2. Weltkrieges mit rein.
    Ich hoffe, dass man Japan im Fall des Falles nicht den Gefallen tut, sondern die Geldpolitik dieses Landes so abstraft, dass andere Länder das Signal verstehen.
    Exportieren können wir auch nach China und andere aufstrebende Staaten - die Japaner sind sehr stolz auf ihre angebliche Einzigartigkeit, und sie sollen sehen, wie sie da wieder herauskommen. Ich befürchte allerdings, dass dies langfristig wieder zu einer aggressiven, militaristischen Politik führen wird - Bestrebungen, die pazifistische Verfassung zu ändern und den reinen Selbstverteidigungscharakter des Militärs aufzugeben, werden derzeit massiv vorangetrieben. Ich schätze Japan inzwischen als weit größere Gefahr für den Weltfrieden ein, als China oder gar Nordkorea. Leider hat der Westen im Durchschnitt ein viel zu positives Bild des Landes - das muss sich zuerst ändern.

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