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EZB: „Es musste gehandelt werden – ohne Rücksicht auf Verluste“

Mit dem Kauf von Anleihen eines Eurolandes bricht die Europäische Zentralbank eines ihrer großen Tabus. Mit diesem Schritt steht der Ruf der Institution als Währungshüter auf dem Spiel. Die Lage fasste ein EZB-Mitglied treffend zusammen: „Es musste gehandelt werden, ohne Rücksicht auf Verluste.“ EU-Kommissionspräsident Barroso ist überzeugt: Dieses Netz wird halten. Aber Zweifel bleiben.

HB FRANKFURT. Am Ende brechen alle Dämme: Nach langem Pokerspiel mit den Investoren an den Finanzmärkten und zuletzt von der Politik unter massiven Zugzwang gesetzt, ist die Europäische Zentralbank (EZB) in der Nacht zum Montag doch eingeknickt. Um ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone und das dann unausweichliche Aus der Gemeinschaftswährung zu verhindern, öffnen die Hüter des Euro die Büchse der Pandora. Mit dem nun beschlossenen Kauf von Staatsanleihen brechen die Notenbanker ein weiteres Mal innerhalb weniger Tage ein Tabu. Das Experiment ist extrem riskant: Auf dem Spiel steht die Glaubwürdigkeit der EZB als von der Politik unabhängige, nur dem Wohl der Währung verpflichtete Institution. Und sollte das Experiment scheitern, droht zudem ein kräftiger Anstieg der Teuerung in der Euro-Zone.

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Die EZB hat sich für das nach ihrer Ansicht kleinere Übel entschieden und muss nun hoffen, dass ihre Medizin trotz aller Risiken und Nebenwirkungen am Ende die Vertrauenskrise des Euro auch heilt. „Durch die Eingriffe der EZB werden sicher das Mandat und die Unabhängigkeit der Notenbank infrage gestellt.

Wir sind aber davon überzeugt, dass die Maßnahmen notwendig sind, um den Teufelskreis, der zunehmend die Weltwirtschaft bedroht, zu durchbrechen“, kommentierten die Analysten der Royal Bank of Scotland am Morgen nach dem richtungweisenden Grundsatzbeschluss des EZB-Rats. Fest steht: Durch die zunehmende Spekulation an den Finanzmärkten gegen den Euro war in den vergangenen Tagen eine für Politiker und Notenbanker untragbare Situation entstanden.

Das Rettungsnetz für klamme Euro-Staaten wird nach Einschätzung von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Gemeinschaftswährung schützen und Spekulanten abschrecken. „Das Abkommen stellt sicher, dass jeder Angriff auf die Stabilität des Euro scheitern wird“, sagte Barroso am Montag bei einer Veranstaltung des Weltwirtschaftsforums World Economic Forum for Europe in Brüssel. „Wir haben erklärt, dass wir alles Nötige tun, um die Stabilität des Euro zu verteidigen. Heute haben wir genau das getan.“

  • 10.05.2010, 18:37 UhrAnonymer Benutzer: LC.

    Es steht zu befürchten, dass die Erholung der Märkte auf die Abstürze von letzter Woche lediglich eine temporäre technische Aufwärtsreaktion darstellen, die größtenteils Short-Eindeckungen zu verdanken ist, auch wenn Anschlusskäufe den Eindruck erwecken werden, dass der Spuk vorbei ist. Denn fundamental hat sich de facto mit den beschlüssen der Euro-Zone nichts geändert. Der Schuldenberg ist immer noch da, die damit verbundenen Probleme ebenfalls, selbst wenn der Um- und Abbau dieses Schuldenbergs dank der "Großzügigkeit" der Euro-Partner etwas leichter vonstatten gehen dürfte. Denn nichtsdestotrotz werden die betoffenen Staaten weiterhin auf die Märkte angewiesen sein, denn nur dort liegt das Kapital, das sie auch in Zukunft benötigen werden.

    Der hauptsächliche Schönheitsfehler des gefundenen Kompromisses liegt in der Aufgabe der politischen Unabhängigkeit der EZb, die sich nun zum Handlanger der verfehlten EU-Politik instrumentalisieren läßt. Sie hat sich nun in eine Einbahnstraße hinein manövriert, aus der sie nicht mehr zurück rudern kann.

    Auch wenn akzeptiert werden muss, dass der Teufel in der Not Schei.... frißt, wird erst die Zukunft zeigen, ob der vorsätzliche und mutwillige Abriß des Maastricht-Fundaments das Euro-Kartenhaus zukünftige Erdbeben überstehen läßt. Noch ist die Messe der Euro-Rettung nicht gesungen....

  • 10.05.2010, 17:31 UhrAnonymer Benutzer: Tom

    "Am Tag des Dammbruchs machte die Gemeinschaftswährung am Devisenmarkt jedenfalls viel boden gut."

    Ob das eine gute Entscheidung war sieht man nicht am Euro-Kurs des nächsten Tages.
    Der Kurs könnte problemlos auf 90 Cent einbrechen, ohne dass wir irgendein Problem hätten - dem Export täte es sogar sehr gut. ich persönlich hätte es bevorzugt, wenn die EZb sich nicht einmischen würde. Andererseits ist schon schon erschreckend, wenn selbst französische Staatsanleihen schon nicht mehr liquide sind.

  • 10.05.2010, 17:07 UhrAnonymer Benutzer: k.h.a.

    Kampf gegen die "Spekulation"?? Dümmer geht`s nimmer. Wer soll denn diesen Schwachsinn glauben? Es läßt sich doch Europa- und Währungspolitik nicht mit Schlagworten führen ohne wirklichen inhalt. Märkte reagieren nur - ebenso wie sich jetzt die Shorties eindecken. Da, um dies zu erreichen, das Eurokonstrukt (Verträge, Verbote, EZb-Politik und -Verhalten) zerstört wurde, wird der Markt ein wenig Luft holen, um sodann die endlose baisse zu spielen. Marktteilnehmer kennen solche dummen Spielchen bereits länger als die Politiker, die sie für neu halten.

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