EZB
Geldschwemme kann Kreditvergabe nicht ankurbeln

Enttäuschende Wirtschaftsdaten bieten Gesprächsstoff für die anstehende EZB-Ratssitzung. Auch die beispiellose Geldschwemme durch die Zentralbank hat die Kreditvergabe in Europa nicht entscheidend ankurbeln können.
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Frankfurt/BerlinTrotz der massiven Geldspritzen der EZB stockt der Kreditfluss in der Euro-Zone. Die im April an Firmen und Haushalte ausgereichten Darlehen verharrten auf dem Vorjahresniveau, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet - zumal sich im Vormonat erstmals seit drei Jahren eine zaghafte Belebung abgezeichnet hatte.

Auch für die Währungshüter, die am Mittwoch zur Zinssitzung zusammenkommen, sind die Daten enttäuschend: Sie pumpen seit Anfang März mit Staatsanleihenkäufen massiv Geld ins Finanzsystem, um die Banken zur verstärkten Vergabe von Darlehen anzuregen.

Die Interventionen der EZB am Kapitalmarkt sollen dazu beitragen, dass Banken weniger in Wertpapiere investieren und stattdessen die Kreditbremse in wirtschaftlich schwachen Staaten lösen - insbesondere im Süden der Euro-Zone. Doch das auf über eine Billion Euro angelegte Programm greift in dieser Hinsicht bislang nicht. Weil viele Banken und Firmen als Spätfolge der Weltfinanzkrise weiterhin mit Bilanzproblemen kämpfen, wirkt die Geldflut nicht im gewünschten Maß auf die Kreditvergabe, wie Ökonom Johannes Mayr von der BayernLB meint: „Wir erwarten auch in den kommenden Monaten eine nur schleppende Erholung.“

Die EZB will ihr Kaufvolumen aber vorübergehend forcieren, um für die umsatzschwache Sommerzeit an den Kapitalmärkten vorzusorgen. Damit wollen die Hüter des Euro sicherstellen, dass sie den angepeilten Umfang bei den Wertpapierkäufen von im Schnitt 60 Milliarden Euro pro Monat halten können.

Die für das Euro-Währungsgebiet wichtige Geldmenge M3 wuchs im April um 5,3 Prozent. Experten hatten mit plus 4,9 Prozent gerechnet. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Eine stark wachsende Geldmenge signalisiert Inflationsgefahren. Doch die EZB kämpft mit ihrer Geldflut gegen eine zu niedrige Inflation an. Im April stagnierten die Preise.

Die Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi streben eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Im März hatten sie für 2015 stagnierende Preise und für 2016 eine Rate von 1,5 Prozent veranschlagt. Mit Spannung blicken Experten auf die am Mittwoch anstehenden aktualisierten Prognosen, die wegen der Geldschwemme höher ausfallen könnten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB: Geldschwemme kann Kreditvergabe nicht ankurbeln"

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  • "Geldschwemme kann Kreditvergabe nicht ankurbeln"

    Diese Phänomen ist seit mindestens 65 Jahren nicht unbekannt. Vergleiche dazu Walter Euken: Grundzüge der Wirtschaftspolitik. Mohr Siebeck UTB, Tübingen 2004, S. 260/261. Besser gleich das ganze Kapitel XVI ab S. 254 lesen. Könnte manchen Irrtum und manche Fehlurteile vermeiden helfen.

  • die Geldschwemme kurbelt die Kreditvergabe nicht an? das hängt damit zusammen, dass erst die Schwemme von den Bonzen abgeräumt werden muß, bevor wieder neues Geld gebraucht wird, gell? es dauert halt alles seine Zeit.

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